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Intern verbrannt

aus manager magazin 2/2001

Die Demontage begann im Frühjahr vergangenen Jahres. Im Auftrag von ABB-Großaktionär Marcus Wallenberg bestellte Verwaltungsratsvorsitzender Percy Barnevik Mitte Mai Konzernchef Göran Lindahl zum Krisengespräch ein. Wallenberg und Barnevik hatten Zweifel, ob der bullige Landsmann Lindahl noch der Richtige für den Spitzenposten war. Sechs Monate später, Ende Oktober, verkündete Lindahl seinen Rücktritt.

In der Öffentlichkeit hatte niemand mit der Personalie gerechnet. Im Konzern dagegen waren viele Manager nicht überrascht. "Die Wirtschaft bewegt sich immer schneller", kommentierte ein ABB-Aufseher lapidar, "da nimmt auch die Halbwertszeit vieler Führungskräfte ab."

Lindahl scheiterte vor allem an seinen Alleingängen. Vorgänger und Oberaufseher Barnevik merkte schnell, dass seine Ratschläge nicht erwünscht waren. Allzu sehr suchte Lindahl zudem, sich in den verschiedensten Bereichen als Experte zu profilieren, und verprellte häufig die zuständigen Fachleute.

Kritiker warfen ihm vor, dass er sich oft nicht an Absprachen hielt, selbst bei sensiblen Fragen wie Personalien. Beispiel Alexis Fries. Der 44-Jährige war als Jungmanager unter Barnevik in die Konzernleitung gekommen, hatte dann das Asien-Geschäft geleitet und später Lindahl beim Teilverkauf der Kraftwerksparte an Alstom tatkräftig unterstützt. Zur Belohnung sollte er Chef oder zumindest Vize bei dem Joint-Venture ABB Alstom werden. Daraus wurde nichts, Lindahl ließ Fries fallen. Karrierechancen hatten nur Schweden; das frustrierte Deutsche und Schweizer gleichermaßen.

Die Belegschaft in den ABB-Einheiten beobachtete Lindahls Treiben mit wachsendem Misstrauen. Schließlich verkaufte der Konzernchef einen Traditionsbereich nach dem anderen. "Das hat ihn intern verbrannt", sagt ein Insider.

Dass Lindahl sich immerhin vier Jahre als CEO halten konnte, lag vor allem an einem starken Verbündeten: dem Schweizer Großinvestor Martin Ebner. Die beiden - eine Zweckgemeinschaft. Die hielt allerdings nur so lange, wie Lindahl Erfolg hatte. Als es im Frühsommer 2000 dann mit der ABB-Aktie steil abwärts ging und sie die anvisierte Aufnahme in den wichtigen Euro Stoxx verpasste, waren Ebner und Wallenberg sich schnell einig: Ein neuer Chef sollte her.

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