EU-Subvention noch unsicher Chipwerk in Magdeburg – für Intel ein Wettlauf mit der Zeit

Der US-Chipriese Intel will mit Hilfe der neuen Chipfabriken in Magdeburg aus der Krise kommen. Der Konzern rechnet mit Milliarden-Subventionen der EU. Doch damit diese fließen können, muss das Parlament sich erst einmal über den "European Chips Act" einigen.
Zukunftspläne: Intel will mit seiner Chipfabrik in Magdeburg (Modell) rund 3000 Jobs schaffen – wenn die EU mitspielt

Zukunftspläne: Intel will mit seiner Chipfabrik in Magdeburg (Modell) rund 3000 Jobs schaffen – wenn die EU mitspielt

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--- / dpa

Rund 17 Milliarden Euro will der US-Chipriese Intel für seine neuen Halbleiterwerke in Magdeburg investieren. Doch Intel-Chef Patrick Gelsinger (61) hat in der aktuellen Krise kein Geld zu verschenken: Rund sieben Milliarden Euro für den Neubau sollen aus den Fördertöpfen der EU kommen.

Für Intel drängt die Zeit: Nach einem Umsatz- und Gewinnbruch im abgelaufenen Quartal droht der Chipriese den Anschluss an die Konkurrenz zu verlieren. Die neuen Werke in Deutschland spielen bei der geplanten Aufholjagd eine entscheidende Rolle. Daher drücken die Intel-Planer aufs Tempo – und hoffen, dass die Politik mitspielt.

"Wir planen den Spatenstich im ersten Halbjahr 2023 und sind optimistisch, dass auch in diesem Zeitraum der EU Chips Act verabschiedet wird", sagte der Personalchef von Intel in Deutschland, Bernd Holthaus, der Deutschen Presse-Agentur. In Magdeburg sollen bereits ab 2027 Chips produziert werden. In einer ersten Ausbaustufe sollen zwei benachbarte Halbleiterwerke entstehen.

Ob der European Chips Act – ein Gesetzesvorhaben, mit dem Dutzende Milliarden für die Chip-Industrie in Europa mobilisiert werden sollen – in Brüssel jedoch tatsächlich so schnell verabschiedet wird, ist offen. Ziel der EU-Länder ist es, sich im Dezember auf ihre Position zu einigen, wie die tschechische EU-Ratspräsidentschaft mitteilte.

Doch damit ist es noch lange nicht getan. Eine gemeinsame Position der EU-Länder ist lediglich der Startpunkt für die Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament über den endgültigen Gesetzestext. Dies könnte noch weitere Monate dauern.

"Eine Einigung Anfang 2023 ist sehr ambitioniert"

Vor Beginn der Verhandlungen muss das Parlament noch seine Position festlegen. Erst im nächsten Schritt würden die beiden Institutionen einen wohl finalen Kompromiss aushandeln. Wie lange der Prozess dann noch dauert, lässt sich nicht sagen. Allen Beteiligten ist die Bedeutung des Vorhabens bewusst, aber es ist trotzdem nicht ausgeschlossen, dass sich Verhandlungen noch hinziehen könnten. "Eine Einigung am Ende des ersten Quartals 2023 ist theoretisch möglich, aber auch sehr ambitioniert", sagte die Grünen-Europaabgeordnete Henrike Hahn.

Mit dem Gesetz will die EU verhindern, dass Europa bei der Produktion von Mikrochips weiter von Asien und Amerika abgehängt wird. Unter anderem soll auch bestimmten neuen Halbleiterfabriken ermöglicht werden, einfacher durch Beihilfen unterstützt zu werden. Eigentlich ist Staatshilfe für Unternehmen in der EU nur in Ausnahmefällen möglich, damit der Wettbewerb nicht verzerrt wird.

Intel hofft insgesamt auf großzügige staatliche Unterstützung, um die Kostenlücke zu anderen möglichen Standorten zu schließen. Nur so seien diese Investitionen in Europa rentabel, heißt es vom Unternehmen. Der Bund will die Ansiedlung in Magdeburg mit einem Milliardenbetrag fördern. Bis 2024 sollen knapp 7 Milliarden Euro fließen - rund 40 Prozent der gesamten Investitionssumme soll der Steuerzahler tragen. Allein im Bundeshaushalt 2022 sind 2,7 Milliarden veranschlagt.

Rund 3000 neue Arbeitsplätze für die Region

Intel lockt mit Tausenden Arbeitsplätzen. Bereits vor dem Produktionsstart will der US-Konzern viele Mitarbeiter einstellen und diese zum Teil in anderen Fabriken schulen. 2027 könnten dann rund 3000 Mitarbeiter in Magdeburg tätig sein.

Die Fläche in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt bietet Kapazität für insgesamt acht Fabriken. Holthaus ist zuversichtlich, genug Fachkräfte vor Ort zu bekommen. Deutschland habe "eine starke Historie als Industriestandort." Dabei hofft der Chiphersteller auch auf Nachwuchs aus den umliegenden Hochschulen. "Wir werden die Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Magdeburg und Sachsen-Anhalt ausbauen - auf verschiedenen Ebenen", sagte Holthaus.

Die beiden Fabriken in Magdeburg sind nicht die einzigen, die Gelsinger errichten möchte. Um zu den schärfsten Wettbewerbern wie etwa Samsung Electronics oder Taiwan Semiconductor Manufacturing wieder aufzuschließen, will Intel nach früheren Aussagen allein in den USA rund 100 Milliarden Dollar für bis zu acht neue Chipfabriken investieren. "Das wäre die größte Halbleiter-Produktion auf diesem Planeten", kündigte Gelsinger seinerzeit öffentlichkeitswirksam im Beisein von US-Präsident Joe Biden an.

la/fm/dpa
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