Sachsen-Anhalt Intel baut zwei neue Chipfabriken in Magdeburg für 17 Milliarden Dollar

Intel baut zwei neue Chipfabriken in Magdeburg und investiert dafür rund 17 Milliarden Dollar. Bis zu 3000 Arbeitsplätze können dadurch entstehen. Der US-Chipkonzern will nicht nur in der Bundesrepublik, sondern in Italien, Polen und Spanien investieren.
Modell der geplanten Chipfabrik in Magdeburg: Der US-Chipkonzern Intel investiert rund 17 Milliarden Dollar für zwei Halbleiterfabriken in Sachsen-Anhalt

Modell der geplanten Chipfabrik in Magdeburg: Der US-Chipkonzern Intel investiert rund 17 Milliarden Dollar für zwei Halbleiterfabriken in Sachsen-Anhalt

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--- / dpa

Der US-Konzern Intel baut mit staatlicher Milliarden-Unterstützung sein neues Mega-Chip-Areal in Magdeburg. "Es wird die größte Investition in der Geschichte Sachsen-Anhalts", sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). Sie werde das Land komplett umgestalten. Damit verhilft nach Tesla ein weiterer US-Konzern dem Osten Deutschlands zu neuer Blüte.

Der größte Profiteur ist die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt. "In der ersten Phase planen wir Investitionen in Höhe von 17 Milliarden Euro für die Errichtung von zwei brandneuen, einzigartigen Halbleiterfabriken in Magdeburg", sagte Intel-Chef Pat Gelsinger in einem Videostream. Für die kommenden Jahre sind dort bis zu sechs weitere Fabriken geplant. Außerdem will das US-Unternehmen in weitere Projekte etwa in den Bereichen Forschung, Entwicklung und Design in Europa investieren. Alle Standorte sollen mit erneuerbarer Energie versorgt werden.

Zwei Fabriken für Prozessoren und für Grafikchips

Spätestens im Frühjahr 2023 sollen die Bauarbeiten in Magdeburg beginnen. 2027 soll die Produktion starten. Das neu geschaffene Industriegebiet bei Eulenberg umfasst 450 Hektar - das entspricht der Fläche von rund 620 Fußballfeldern. Laut Intel könnten etwa 3000 High-Tech-Arbeitsplätze sowie Zehntausende zusätzliche Stellen bei Zulieferern entstehen. In Magdeburg will das Unternehmen zum einen Prozessoren und Grafikchips herstellen, die unter der eigenen Marke verkauft werden. Gleichzeitig will der kalifornische Konzern im Rahmen der Intel Foundry Services (IFS) auch als Auftragsfertiger für Drittkunden tätig sein.

Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt setzte sich unter anderem gegen Dresden durch, wo schon Bosch, Infineon und Globalfoundries Chipfabriken haben. Wirtschaftsminister Robert Habeck sprach von einem wichtigen Impuls in schwierigen Zeiten. Regierungskreisen zufolge stützt der Staat das Projekt mit Fördermitteln im Milliarden-Bereich.

Intel befindet sich mitten in der aktuellen Chipkrise, die vor allem Autokonzerne und Technologiefirmen umtreibt, auf einem nie dagewesenen Expansionskurs. Neben Magdeburg will der Konzern ein neues Forschungszentrum in Frankreich errichten sowie in Italien, Polen und Spanien und Irland investieren, wo Intel das bisher einzige Europa-Werk betreibt. Vom Design über Produktion bis zur Montage sollen alle Schritte in Europa erfolgen können.

US-Chipriese will TSMC mehr Konkurrenz machen - und nutzt "European Chips Act"

Vor allem in Irland will Intel laut Gelsinger auch Aufträge anderer Firmen bedienen und damit den größten globalen Auftragsfertigern TSMC und Samsung mehr Konkurrenz machen. Insgesamt sollen in Europa zunächst 33 Milliarden Euro fließen, in den kommenden zehn Jahren sollen es sogar bis zu 80 Milliarden Euro sein. Zusätzlich dazu zieht Intel bereits ein Mega-Fabrikareal in Ohio hoch, was zunächst 20 Milliarden Dollar kostet, und kauft den Chiphersteller Tower Semiconductor aus Israel für 5,4 Milliarden Dollar.

Ursprünglich wollte Intel die Standortentscheidungen schon 2021 bekanntgeben, wartete dann aber auf den Startschuss für den "European Chips Act" Anfang Februar, der den Weg für milliardenschwere Subventionen aus öffentlicher und privater Hand freimachte. EU-Industriekommissar Thierry Breton sagte, Intels Ankündigung sei das "erste sichtbare Ergebnis" des Acts. Es würden weitere folgen.

TSMC und Samsung haben schon Interesse angemeldet und GlobalFoundries baut in Dresden derzeit aus. Im Moment werden noch mehr als zwei Drittel aller modernen Halbleiter in Asien hergestellt. Das soll nach dem Willen der EU-Kommission wie auch den USA, wo ebenfalls an einem milliardenschweren Förderprogramm gearbeitet wird, bald ein Ende haben. Entsprechende Hoffnungen äußerte Bundeskanzler Olaf Scholz: "Die erste Produktionsstätte ihrer Art in der EU wird dazu beitragen, die globalen Siliziumkapazitäten wieder ins Gleichgewicht zu bringen und eine widerstandsfähigere Lieferkette aufzubauen."

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Gelsinger, der vor einem Jahr das Ruder bei Intel übernommen hat, versucht den weltgrößten Chiphersteller durch ein enormes Investitionsprogramm auf Kurs zu bringen. Dazu gehören neue Fabriken oder Standort-Erweiterungen in den US-Bundesstaaten Kalifornien, New Mexico und Arizona sowie in Malaysia. Erst im Januar hatte Intel den Bau zwei neuer Fabriken im US-Staat Ohio für mehr als 20 Milliarden Dollar angekündigt.

In Sachsen-Anhalt habe man sich sehr um Intel bemüht, wie Ministerpräsident Haseloff sagte. "Dass es geklappt hat, ist ein wirklich gewordener Traum. Das ist die strategische Investition für die IT-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts", so Haseloff. "Das wird über Jahrzehnte hinweg die wirtschaftliche Entwicklung, das Image und die Branchenstruktur unseres Bundeslandes prägen."

Der einst unangefochtene Chipgigant Intel war die vergangenen Jahre stark unter Druck geraten. So ist der ehemalige Großkunde Apple auf eigene Chip-Entwicklungen umgestiegen und lässt seine Chips vom Auftragshersteller TSMC produzieren. Vom taiwanischen Konzern beziehen auch Intels wichtigste Konkurrenten ihre Chips, allen voran AMD und Nvidia . Außerdem hat Intel in den vergangenen Jahren weitgehend das Smartphone-Geschäft verpasst. Hier dominiert die Technik des britischen Chip-Designers ARM, die von Apple und fast allen Herstellern von Android-Smartphones verwendet wird. Gelsinger versucht den weltgrößten Chiphersteller nun durch ein enormes Investitionsprogramm auf Kurs zu bringen.

la/reuters/dpa