ING-Chef Steven van Rijswijk "Wir meiden im Großen und Ganzen den Kryptowährungssektor"

ING-Chef Steven van Rijswijk über seine Lehren aus dem Wirecard-Skandal, den teuren Kampf gegen Geldwäsche und warum Übernahmen wie die der Commerzbank nicht zu seiner Strategie passen.
Ein Interview von Katharina Slodczyk
Kein Freund großer Deals: ING-Chef Steven van Rijswijk hält nichts von grenzüberschreitenden Übernahmen wie die der Commerzbank, solange die EU-Bankenunion nicht abgeschlossen ist.

Kein Freund großer Deals: ING-Chef Steven van Rijswijk hält nichts von grenzüberschreitenden Übernahmen wie die der Commerzbank, solange die EU-Bankenunion nicht abgeschlossen ist.

Foto: Marieke van der Velden/ ING

Seit eineinhalb Jahren steht Stevan van Rijswijk (51) an der Spitze der ING. Er hat bei der niederländischen Großbank den Rückwärtsgang eingelegt. Wo die ING nicht profitabel wachsen kann, zieht sie sich zurück. Im vergangenen Jahr waren das die Privatkundenmärkte in Tschechien, Österreich und Frankreich. Und auch sonst plädiert der Nachfolger von Ralph Hamers  (55), der als Vorstandschef zur Schweizer UBS wechselte, eher für Zurückhaltung - eine Lehre aus dem Wirecard-Skandal, wie van Rijswijk dem manager magazin am Rande einer Konferenz erzählt.

manager magazin: Herr van Rijswijk, seit die ING durch die Wirecard-Pleite 200 Millionen Euro verloren hat, warnen Sie Ihre Mitarbeiter davor, bei der Kreditvergabe zu enthusiastisch zu sein. Wo sehen Sie diese Gefahr derzeit?

Steven van Rijswijk: Ich warne vor allem davor, Kredite an Branchen und Unternehmen zu vergeben, die man nicht richtig versteht, die einen aber möglicherweise begeistern, weil sie gerade imposante Wachstumsraten aufweisen wie Wirecard damals. Die erste Regel für die Kreditvergabe lautet: Du musst verstehen, was in dieser Branche passiert, in die du Geld steckst.

Wirecard gab vor, vor allem im Geschäft mit asiatischen Partnerfirmen satte Gewinne zu machen, was sich allerdings als Bluff herausstellte.

Genau. Und wir haben den Bereich nicht gut genug durchleuchtet. Aber manchmal macht man eben Fehler, man muss nur daraus lernen können.

Heißt das, Sie vergeben keine Kredite mehr an Unternehmen in der Bezahlbranche, die ein etwas komplexeres Geschäftsmodell haben?

Nein, es heißt aber, dass wir vor allem in neuen Branchen, die sich schnell verändern, sehr genau hinschauen und uns einiges an Expertise aufbauen müssen. Wir meiden im Großen und Ganzen den Kryptowährungssektor. Es ist ein Bereich, den wir nicht voll und ganz verstehen und daher sollten wir da vorsichtig sein. Es ist ein sehr volatiles Geschäft, ein Geschäft, in dem man schnell hohe Summen verlieren kann. Dieser Sektor ist nicht reguliert und die Art und Weise, wie Bitcoins und andere Kryptowährungen gewonnen werden, also das sogenannte Mining, ist sehr intransparent. Man muss an der Stelle allerdings Kryptowährungen und die Blockchain unterscheiden.

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