Vor Verkauf an Alstom Zug-Projekte in Deutschland sorgen für Verlust bei Bombardier

Altlasten bei Eisenbahn-Projekten in Deutschland und Großbritannien kosten Bombardier viel Geld. Der Konzern rutscht tief in die Verlustzone. Die Märkte hatten mit einem Gewinn gerechnet.
Nacharbeiten: Altlasten aus Eisenbahn-Projekten kosten Bombardier hunderte Millionen

Nacharbeiten: Altlasten aus Eisenbahn-Projekten kosten Bombardier hunderte Millionen

Foto: Robert Michael/ picture alliance/dpa

Nachbesserungen an Zügen in Deutschland und damit verbundene Kostensteigerungen haben Bombardier  unerwartet erneut in die roten Zahlen rutschen lassen. Der kanadische Zug- und Flugzeug-Hersteller verbuchte im zweiten Quartal Sonderbelastungen von 435 Millionen Euro für Altlasten bei Eisenbahn-Projekten in Deutschland und Großbritannien, wie er am Donnerstag mitteilte. Dabei gehe es unter anderem um Kosten für Zulassung und Nachrüstung von Zügen. Unter dem Strich stand ein Verlust von 427 Millionen Dollar vor Zinsen und Steuern (Ebit). Ein Jahr zuvor hatte Bombardier ein positives Ergebnis von 206 Millionen Dollar erwirtschaftet. Zwei Drittel der Belastungen seien zahlungswirksam.

Der angeschlagene Konzern verzeichnete allein im zweiten Quartal einen Mittelabfluss von 1,04 Milliarden Dollar, damit allerdings weniger als von Analysten erwartet. Ende Juni hatte das Unternehmen aus Montreal noch 3,5 Milliarden Dollar an Liquidität zur Verfügung, nachdem es sich eine Milliarde zu hohen Zinsen bei einem Kreditfonds besorgt hatte.

Die liquiden Mittel fließen in Rekordtempo ab

Bombardier hatte vergangene Woche die Genehmigung der EU für den Verkauf seiner Zugsparte an den französischen Rivalen Alstom erhalten, der bis zu 6,2 Milliarden Euro bringen könnte. Für den Verkauf gelten Auflagen: Ein Teil der Bombardier-Produktion in Hennigsdorf bei Berlin muss verkauft werden. Beschäftigte beider Konzerne in Deutschland fürchten um ihre Jobs.

Bombardier will sich nach dem Verkauf auch des Geschäfts mit großen Passagierflugzeugen und der Luftfahrt-Zuliefersparte ganz auf Business-Jets konzentrieren. Allerdings zieht die Corona-Pandemie die Luftfahrt stark in Mitleidenschaft. Im zweiten Quartal brachen die Auslieferungen der Geschäftsflugzeuge ("Learjet", "Challenger") um 43 Prozent ein. Der Konzernumsatz lag mit 2,7 Milliarden Dollar 37 Prozent unter Vorjahr. Inzwischen zieht die Nachfrage nach den Privatmaschinen wieder an. Vorstandschef Eric Martel (52) sagte, er gehe branchenweit für dieses Jahr von einem Absatzrückgang um 30 Prozent aus.

rei/Reuters
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