Dienstag, 16. Juli 2019

Nordost-Passage Klimawandel im Dienste des Welthandels

Containerschiff Yong Sheng vor Rotterdam: Russland will viel Geld investieren, um noch mehr Schiffen die Fahrt über die Nordost-Passage zu ermöglichen

Über arktische Gewässer von China nach Europa: Als erstes Containerschiff hat die "Yong Sheng" über die eisfreie Nordost-Passage den Hafen von Rotterdam erreicht. Russland und China wollen mit der neuen Route den Welthandel revolutionieren: Auch Deutschland würde davon profitieren.

Hamburg/Rotterdam - Nichts verrät den historischen Augenblick, als die Yong Sheng sich langsam durch die Einfahrt des Hafens von Rotterdam schiebt. Das Containerschiff steuert vorbei an unzähligen Chemietanks ins neue Prinzessin-Amalia-Becken. Es hat den gleichen rostigen Rumpf und die gleichen bunten Stahlkisten geladen wie unzählige andere Frachter auch.

Dennoch ist es das erste Frachtschiff, das aus China die Abkürzung über die Nordost-Passage in arktischen Gewässern genommen hat: 34 Tage war es vom chinesischen Dalian nach Rotterdam unterwegs - das ist eine Premiere.

Rund 5000 Kilometer und ein bis zwei Wochen Zeit hat das Schiff der chinesischen Cosco-Reederei auf seiner Reise entlang von Russlands Nordküste gespart. Normalerweise hätte es auf einer 21.000 Kilometer langen Route Indien und die Arabische Halbinsel umschifft, um durch den Suezkanal ins Mittelmeer zu gelangen.

Klimaforscher schlagen Alarm - und Transporteure profitieren

Diesmal ging es zunächst lange nordwärts und anschließend westwärts Richtung Sibirien, Skandinavien und dann hinein in die Nordsee. Der Klimawandel und das schmelzende Eis der Arktis haben die Strecke zumindest für einige Monate im Jahr auch für die Containerriesen schiffbar gemacht. Während Klimaforscher und Umweltschützer die Alarmglocken läuten, dürften Händler und Transportunternehmen die Hände reiben.

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Schiffe, die das arktische Gewässer als Abkürzung genutzt haben, um ein Vielfaches gesteigert. Vor drei Jahren hat Russland gerade einmal 4 Genehmigungen zum Befahren der Polarmeer-Route erteilt. 2012 waren es bereits 46 erteilte Passierscheine. In diesem Jahr haben sich bereit 393 Schiffe angemeldet. Der überwiegende Teil davon sind russische Versorgungsschiffe.

Die Yong Sheng war das erste klassische Containerschiff, das zwischen der neuen und der alten Route wählen konnte, weil das Ziel nicht in Russland selber lag. Nach der erfolgreichen Jungfernfahrt des Frachters hofft Moskau nun auf einen Zulauf ausländischer Transportschiffe. Chinas staatliche Reederei Cosco hat bereits Genehmigungen für drei andere Schiffe eingereicht.

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