Dienstag, 23. Juli 2019

Nordost-Passage Klimawandel im Dienste des Welthandels

Containerschiff Yong Sheng vor Rotterdam: Russland will viel Geld investieren, um noch mehr Schiffen die Fahrt über die Nordost-Passage zu ermöglichen

2. Teil: Fahrt übers Polarmeer: Russland investiert, Deutschland zweifelt

Peking, das für den Löwenanteil des Seehandels zwischen Asien und Europa verantwortlich ist, bekundet auch auf politischer Ebene Interesse an einem alternativen Seeweg nach Europa. Vor knapp einer Woche trafen sich der russische und chinesische Transportminister, um den Ausbau der Nordostpassage zu diskutieren. Der nördliche Seeweg soll künftig öfter genutzt werden, so die einhellige Meinung.

Auch Reeder aus Singapur und Indien haben bereits angekündigt, ihre Schiffe über die Alternativroute zu senden. Die Reise sei nicht nur kürzer und billiger, sondern auch sicherer, weil es in russischen Gewässern keine Piraten gibt, im Gegensatz zu Somalia und Malaysia, sagen die Schiffsbesitzer aus Asien. Erst kürzlich wurde etwa ein Cosco-Schiff beim Passieren des Suezkanals von Unbekannten aus Granatenwerfern beschossen.

Doch während die Asiaten experimentieren und mit Russland kooperieren, bleiben europäische und deutsche Reeder noch skeptisch. "Der Schiffsverkehr über die Nord-Ost-Passage wird sicherlich zunehmen. Ob die Route für Reedereien eine Alternative ist, hängt aber nicht nur von der kürzeren Entfernung ab", sagt Christof Lauer vom Verband Deutscher Reeder.

Keine Piraten, aber teure russische Eisbrecher

Auch viele Schiffsunternehmen äußern sich zögerlich. Die Infrastruktur sei noch zu unausgereift, zudem bleibe noch immer die Gefahr auf Eis zu stoßen. Die teuren Dienste eines russischen Eisbrechers würden den gesamten Transport dagegen wieder unrentabel machen.

Dabei hat eine deutsche Reederei bereits die Nordostpassage fast komplett befahren. Die Beluga Shipping schickte im Jahr 2009 zwei ihrer Schiffe von Südkorea ins russische Murmansk. Es ging um den Transport von Teilen eines neuen Kraftwerks für Sibirien.

Damals erklärte der Besitzer von Beluga Shipping, Niels Stolberg, er spare pro Schiff und Fahrt rund 350.000 Dollar. Wie groß der finanzielle Vorteil wirklich war, ist kaum zu überprüfen. 2011 meldete Beluga Insolvenz an, bevor die Reederei weitere Projekte über die Nordostpassage abwickeln konnte.

Bei den deutschen Unternehmen sorgte der damalige Vorstoß für Aufsehen. Kein Wunder, denn Deutschland wäre als wichtiger Handelspartner Chinas und Russlands unter den Gewinnern der neuen Route, die durch den Klimawandel immer mehr zum Thema wird.

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