Verkäufe auf Rekordniveau Hochvermögende kaufen Superjachten wie im Rausch

Noch nie wurden so viele Superjachten verkauft wie im vergangenen Jahr. Niedrigzinspolitik und boomende Börsen haben die reichsten Menschen der Welt mit Geld überschüttet - und das legen sie nun in Statussymbolen an. Je teurer, desto besser.
Superyacht Solaris: Geld spielt für den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch keine Rolle mehr

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Carl Groll / imago images/TheYachtPhoto.com

Der Verkauf von Superjachten ist 2021 auf ein Rekordniveau gestiegen. Die starke Nachfrage hochvermögender Corona-Gewinner schmälerte das Angebot und trieb die Preise in die Höhe. Laut einem Bericht des Datenunternehmens VesselsValue wurden im Jahr 2021 insgesamt 887 Superjachten verkauft – ein Anstieg von 77 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2019. Während in vielen Ländern die Sozialsysteme an Grenzen geraten und Sparer durch Negativzins und Inflation schrittweise enteignet werden, wissen Superreiche dank der Geldschwemme der Notenbanken nicht mehr, wohin mit ihrem Geld. Je größer und teurer desto besser - der Preis spielt in diesem Wettlauf um das größte Statussymbol keine Rolle mehr.

Jeff Bezos (58), der laut Bloomberg über ein Nettovermögen von 174,7 Milliarden US-Dollar verfügt, wartet zum Beispiel auf die Lieferung einer 417-Fuß-Segelyacht. Sie befindet sich derzeit in der Endphase des Baus auf einer Werft in den Niederlanden. Regisseur Steven Spielberg (75) hat auch eine neue Yacht bestellt, nachdem er seine alte Yacht für 158 Millionen Dollar gelistet hat. Sie wurde im November zu einem unbekannten Preis verkauft.

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Niedrige Zinsen und Rekordmärkte haben das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt im vergangenen Jahr um geschätzte rund 1 Billion US-Dollar in die Höhe getrieben. Dieser Effekt sowie die stark erhöhte Nachfrage nach neuen Schiffen waren laut VesselsValue die Haupttreiber des Umsatzanstiegs.

Doch auch wenn jetzt langsam die Zinsen steigen und die Aktienmärkte ihren Rekordlauf unterbrechen, dürfte der Boom in der Branche noch viele Monate weitergehen. Grund sind die fehlenden Lagerbestände. Der Bau einer Superyacht dauert Jahre – und Käufer, die sofort nach neuen Statussymbolen suchen, erschöpfen den Markt für gebrauchte jachten.

Unterbrechungen in der Lieferkette, schwer zu beschaffendes Material sowie Arbeitskräftemangel verschärfen die Situation. Werften stoßen bereits an ihre Grenzen, und der Bau neuer Superjachten dauert bereits jetzt vielfach länger als geplant. Die Abschreibungen auf die Schiffe sowie die jährlichen Betriebskosten für Crew und Instandhaltung sind hoch, sie betragen etwa 10 Prozent des Bootswerts.

Dennoch hat der aktuell angespannte Markt dazu geführt, dass die Verkaufswerte allein im Jahr 2021 zwischen 5 und 8 Prozent deutlich angestiegen sind. Diejenigen, die vor einem Jahr gekauft haben, könnten nach einem Jahr Planscherei vor Monaco & Co jetzt also potenziell noch mit Gewinn verkaufen.

sio/bloomberg
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