Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle fordert mehr Staatshilfe für Wasserstoff

Der Aufsichtsratschef von Linde nutzt eine Preisverleihung für eine Breitseite gegen die Bundespolitik zur Elektromobilität. Nur mit viel mehr Einsatz für die Wasserstofftechnik seien die Klimaziele der Industrie zu erreichen.
Wolfgang Reitzle

Wolfgang Reitzle

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Matthias Balk / picture alliance/dpa

Wolfgang Reitzle (71), Aufsichtsratschef des Gasekonzerns Linde, hält die Unterstützung der Bundesregierung für den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft für nicht ausreichend. Die Summe von neun Milliarden Euro, die die Große Koalition im Sommer für die Förderung von Wasserstoff bewilligt hat, "bleibt weiter hinter dem zurück, was notwendig wäre". Das sagte Reitzle in seiner Dankesrede anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Nicolaus-August-Otto-Preis.

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Der Ex-Vorstand der Autokonzerne BMW und Ford rechnet auch mit der Elektromobilität ab. Diese sei zwar der "politisch gewollte Favorit", weise aber im Vergleich zum Wasserstoff erhebliche Schwächen auf. So koste sie viele Jobs in der Autoindustrie, der CO2-Ausstoß werde eher verlagert als verringert, und die Einsatzmöglichkeiten von E-Motoren seien zu eingeschränkt. Hätte es diese "einseitige Festlegung" der Politik nicht gegeben, wäre die Einführung der Wasserstoffgesellschaft schon weiter, findet Reitzle. Derzeit liege Deutschland deshalb weit hinter Ländern wie China zurück.

Reitzle hält die E-Mobilität für eine Übergangstechnologie und sieht die Industriegesellschaften vor einer Wasserstoffrevolution: "Die fossile Kraftstoffgesellschaft geht gerade zu Ende und an ihre Stelle, da bin ich sicher, wird die grüne Wasserstoffgesellschaft treten, auch wenn sie derzeit noch eher nach einer Batteriegesellschaft aussieht."

Linde dürfte von Wasserstoffwirtschaft profitieren

Von 2002 bis 2014 war Reitzle CEO von Linde und baute den Konzern in dieser Zeit zu einem reinen Anbieter von Industriegasen um. Als Aufsichtsratschef fädelte er dann 2019 die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair ein. Sein Konzern dürfte von einer umfassenden Wasserstoffwirtschaft erheblich profitieren.

Nicolaus August Otto (1832 bis 1891), nach dem der Preis benannt ist, war einer der Erfinder des Verbrennungsmotors. Der Preis wird alljährlich vom Kölner Motorenbauer Deutz verliehen, der noch auf Otto und seinen Finanzier Eugen Langen (1833 bis 1895) zurückgeht. Ihre 1864 gegründete Firma N.A. Otto & Cie. gilt als die erste Motorenfabrik der Welt.

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