Übernahme des Küchenherstellers Krawall-Zulieferer Prevent will Alno kapern

Alno: Der Küchenhersteller ist derzeit Kummer gewohnt

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In Pfullendorf ist man Leid gewohnt. Das Städtchen in der Nähe des Bodensees hat viele wirtschaftliche Aufs und Abs mitgemacht. Zuletzt vor allem Abs. Zumindest bei einem der größten Arbeitgeber des Ortes, dem Küchenhersteller Alno. Von den früher 2500 Arbeitsplätzen der einstigen deutschen Vorzeigemarke sind nur noch 750 übrig. Und es steht zu befürchten, dass es noch weniger werden könnten - was mit dem Engagement eines neuen Investors zu tun haben könnte.

Die in Deutschland in erster Linie als Autozulieferer bekannte Prevent-Gruppe hat ein Auge auf den Küchenhersteller geworfen - und steht kurz davor, Alno zu einem Schnäppchenpreis zu übernehmen.

In Automobilkreisen ist Prevent und die mit der Gruppe verbundene Unternehmerfamilie Hastor mittlerweile gut bekannt - allerdings nicht unbedingt im positiven Sinne. Dank eines geschickt verschachtelten und strategisch bestens aufstellten Firmenimperiums hat es die Familie geschafft, sich in der Branche unverzichtbar zu machen.

So unverzichtbar, dass im Sommer sogar zweitweisedie Produktion bei VW gestoppt werden musste, weil wegen eines Lieferstopps von Prevent die nötigen Teile zur Produktion fehlten. Auch mit anderen Autobauern -unter anderem auch Daimler - liegen oder lagen die Bosnier im Clinch. Und auch in Brasilien schwelt der Streit mit Prevent weiter.

Nun haben die Prevent-Lenker, die über ein Firmengeflecht in den vergangenen Jahren reihenweise internationale Autozulieferer gekauft haben und auch in Branchen wie Immobilien, dem Möbelgeschäft, im Yachtbau und Bankengeschäft aktiv sind, ein Auge auf Alno geworfen. Und stehen kurz davor, das Ruder bei dem baden-württembergischen Unternehmen zu übernehmen. Über eine Tochterfirma namens Tahoe Investors hat sich Prevent schon jetzt mehr als 30 Prozent der Stimmrechte gesichert.

Die 80 Millionen-Euro Zeitbombe

Mit dem Alno-Gläubiger Whirlpool (Bauknecht) ist Prevent bereits ins Geschäft gekommen. Die Prevent-Tochter Tahoe kaufte Whirlpool deren Alno-Anteile ab. Whirlpool war es offenbar leid, die kränkelnden Deutschen immer wieder mit Krediten zu stützen.

Rettungsbemühungen, die sich zuletzt auf eine Kreditsumme von knapp 80 Millionen Euro summierten - die eigentlich Ende 2016 fällig werden sollten. Rund ein Viertel davon - also Forderungen von 20 Millionen Euro - hat die Prevent-Tochter Tahoe den Amerikanern nun abgenommen, wie es im Umfeld von Prevent heißt.

Doch die Amerikaner sind abhängig von Alno. Schließlich ist der Küchenhersteller für einen Großteil - angeblich fast ein Drittel - des Umsatzes der Amerikaner in Deutschland verantwortlich.

Max Müller: Das Verhalten des Alno-Chefs wirft Fragen auf

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Und Prevent will mehr: Zusammen mit einem Strohmann, einem Geschäftsmann, der schon in der Vergangenheit für Prevent Firmenkäufe tätigte, hat Tahoe nun auch den übrigen Alno-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreitet.

Für 50 Cent pro Aktie - den gesetzlichen Mindestpreis - wollen die beiden nun auch den Rest an Alno übernehmen. Allerdings ohne die Anleihengläubiger auszahlen zu müssen, bei denen sich Alno in den vergangenen Jahren ebenfalls einen zweistelligen Millionenbetrag geliehen hatte.

Um zu verhindern, dass diese über eine sogenannte "Change of control"-Klausel eine Rückzugsmöglichkeit bekommen und unbeschadet aus der Alno-Wette herauskommen, hat sich Prevent für das Strohmann-Modell entschieden.

Ein Modell, an dem sich unter anderem auch der aktuelle Alno-Chef Max Müller beteiligt, der das Unternehmen seit 2011 führt und seit dessen Amtsantritt sich der Niedergang der Aktie fortgesetzt hatte. Was Müller nicht daran hinderte, über Vermittlungs- und Beraterverträge Millionen aus dem Unternehmen abzuziehen.  Der Firmenchef, bislang einer der größten Aktionäre des Unternehmens, hat seine Stimmrechte dem neuen Investor bereits überschrieben.

Die alte Garde kassiert...

Was Prevent - einmal im Besitz von Alno - mit dem Küchenzulieferer machen wird, und wie er ihn wieder auf die Gewinnspur bringen will, ist offen. CEO Max Müller, der schon stramm auf die 70 zugeht, hat sich bereits abgesichert.

Im März ließ er sich seinen Vertrag noch einmal bis Ende 2018 verlängern. Auch Finanzchefin Ipek Demirtas, die wie Müller 2011 zu Alno kam und dem umstrittenen Vorstand seither loyal zur Seite stand, ist finanziell gut versorgt. Auch ihr Vertrag wurde kürzlich - allen Umwälzungen zum Trotz - vorzeitig bis 2020 verlängert.

Bei den Beschäftigten - die seit Jahren um ihren Arbeitsplatz bangen und anders als manche Führungskräfte nicht über Beraterverträge Millionen kassieren, geht das Bangen indes weiter.

Dass eine Übernahme durch Prevent, die zuletzt über Kredite mehr als 30 Millionen in das Unternehmen gepumpt hatten, nicht unbedingt auch die Rettung des eigenen Arbeitsplatzes bedeuten dürfte, mussten schon so manche Angehörige von Prevent übernommenen Firmen erfahren. 

...und die Mitarbeiter bangen

So verlagerte der ebenfalls von einer Prevent-Tochter übernommene Möbelhersteller Wössner kurz nach der Übernahme 2016 seine Produktion ins deutlich günstigere Bosnien-Herzegowina. 120 der 170 Arbeitsplätze fielen dabei weg. Und auch beim 2015 von der Prevent-Gruppe übernommenen Paderborner Polstermöbelhersteller Gepade war der Einstieg für die in Deutschland Beschäftigten kein Grund zur Entwarnung. 

Nachdem das Unternehmen zunächst angekündigt hatte, das kurz zuvor in die Insolvenz geratene Unternehmen eigenständig weiterzuführen, änderte Prevent kurz darauf offenbar seine Meinung und ließ das Unternehmen endgültig pleite gehen. 135 Mitarbeiter verloren ihre Jobs.

Welche Pläne Prevent tatsächlich mit Alno verfolgt, bleibt abzuwarten. Dass die umstrittene Gruppe von dem Küchenhersteller noch einmal ablassen wird, ist nicht zu erwarten. Schließlich hat der Investor schon jetzt als größter Stimmrechtsinhaber das Sagen und hat Aufsichtsrat und Vorstand nach eigenem Bedarf umbesetzt.

Auch die Kleinaktionäre können das Ruder kaum noch umreißen. Eine Hauptversammlung ist jedenfalls nicht vorgesehen. Die haben die Bosnier wohlweislich als Bedingung des Übernahmeangebotes ausgeschlossen.

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