Weltraumtouristen-Flüge Ab ins Weltall - Jeff Bezos bietet Flüge zum Discount-Preis

Amazon-Gründer Jeff Bezos inspiziert die Raketenstart-Anlagen seines Tochterunternehmens Blue Origin

Amazon-Gründer Jeff Bezos inspiziert die Raketenstart-Anlagen seines Tochterunternehmens Blue Origin

Foto: Blue Origin
Fotostrecke

Schätze suchen, Uhren bauen: Die teuren Hobbys von Gates, Buffett und Co.

Foto: AFP, AP

Amazon-Gründer Jeff Bezos ist aktuell der reichste Mensch dieses Planeten. Als Tech-Unternehmer mit einem geschätzten Vermögen von 112 Milliarden Dollar hat er ein eher teures Hobby: Es drängt ihn in den Weltraum - eine Passion, die er etwa mit Tesla- und SpaceX- Boss Elon Musk, Microsoft-Mitgründer Paul Allen oder dem britischen Unternehmer Richard Branson teilt.

Jedes Jahr, so erklärte Bezos vor einiger Zeit, verkaufe er Amazon-Aktien im Wert von etwa einer Milliarde Dollar, um seine Raumfahrtfirma Blue Origin zu finanzieren. Bezos' Weltraumunternehmen arbeitet unter anderem an wiederverwendbaren Raketen, um Lasten ins All schießen zu können. Da hat sein Konkurrent Musk allerdings die Nase vorne: SpaceX ist vor wenigen Monaten Start und Landung einer zu großen Teilen wiederverwendbaren Weltraum-Rakete geglückt.

Doch Bezos verfolgt auch noch einen anderen Plan: Er will Touristen die Schwerelosigkeit und endlose Weiten des Weltalls näherbringen - mit Flügen an den Anfang des Weltalls. Das beginnt laut internationaler Definition in mehr als 100 Kilometern Höhe von der Erdoberfläche. Und da scheint Blue Origin voranzukommen: Einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sollen die Weltraumflüge von Blue Origin bereits im kommenden Jahr starten - zum Preis von 200.000 bis 300.000 je Passagier kosten. Das schreibt Reuters unter Berufung auf zwei mit den Blue Origin-Plänen vertrauten Personen.

Ein teures und kurzes Vergnügen im suborbitalen Raum

Ins All fliegen sollen die Weltraumtouristen in einer Trägerrakete namens "New Shepard", die Blue Originseit Jahren entwickelt. Im Jahr 2015 gelang der Rakete die erste kontrollierte vertikale Landung nach dem Überschreiten der international anerkannten Grenze des Weltalls - die liegt bei 100 Kilometer über dem Meeresspiegel. Die New Shepard wird ausschließlich von einem Bordcomputer gesteuert, fliegt also autonom. In den vergangenen drei Jahren hat die New Shepard insgesamt acht erfolgreiche Flüge und Landungen absolviert - und auf ihren Testflügen erste Nutzlasten ins All befördert. Auch diverse Notfallsysteme für die an der Spitze sitzende Crew-Kapsel wurden erfolgreich erprobt.

Menschen hat die New Shepard aber bislang noch nie ins All befördert. Immerhin waren bei zwei Testflügen Gummipuppen an Bord. Insgesamt soll die Kapsel je Flug bis zu sechs Menschen ins Weltall befördern - und zwar mehr als 100 Kilometer hoch.

Geplant sind Flüge in den suborbitalen Raum - also ohne auf eine Umlaufbahn um die Erde einzuschwenken. Bei dem Flug sollen die Passagiere einige Minuten lang Schwerelosigkeit am eigenen Körper spüren können und die Erde als blauen Ball unter sich sehen. Zur Erde kehrt die Kapsel dann mit Hilfe von Fallschirmen zurück, während die Bestandteile der Trägerrakete selbstständig auf der Erde landen.

Laut den Reuters-Informationen will Blue Origin die ersten Tests seiner Weltraumkapsel innerhalb der nächsten Wochen durchführen. Sollten sie gelingen, wären das ein wichtiger Schritt in Richtung Weltraumtourismus - den nächsten Markt, den sich Bezos erschließen will.

2019 geht das Weltall-Wettrennen der Milliardäre dann richtig los

Fotostrecke

Zeppeline, Passagierdrohnen, Raumfähren: Die irren Fluggeräte der Silicon-Valley-Milliardäre

Foto: Sergey Brin

Der ist allerdings nur eine kleine, wenn auch publicityträchtige Nische im weltweiten Geschäft mit dem Weltall. Der Markt für Start und Betrieb von Satelliten, entsprechenden Diensten und diversen Regierungsprojekten ist pro Jahr rund 300 Milliarden Dollar schwer, schätzt Reuters - und die US-Regierungsbehörde Nasa zieht sich zunehmend aus dem Geschäft zurück.

Das weiß auch Bezos, der mit seinen Weltraum-Aktivitäten ebenfalls auf das lukrative Frachtgeschäft zielt. Milliärskollege Elon Musk ist in diesem Markt mit SpaceX schon ziemlich erfolgreich. Die Europäer warnen deshalb bereits davor, dass Amerikaner sie aus diesem Geschäft verdrängen wollen.

Beim schlagzeilenträchtigen Rennen darum, wer als erster Weltraumtouristen ins All befördert und wieder zurückholt, hat Bezos einen Hauptkonkurrenten: Der britische Unternehmer Richard Branson will mit seiner Weltraumflug-Tochter Virgin Galactic ebenfalls Touristenflüge ins All anbieten - und zwar ebenfalls im kommenden Jahr.

Tickets offeriert Virgin Galactic schon seit Jahren für 250.000 Dollar je Platz. Bloß: Ein erfolgreich dafür getestetes Raumschiff hat Virgin Galactic noch nicht vorzuweisen.

Bei seinem Weltraumflug-Projekt musste Branson schon einige Rückschläge verkraften. Im Jahr 2007 starben drei seiner Ingenieure, als sie einen Raketenantrieb testeten. Im Oktober 2014 zerbrach Bransons Raumschiff-Prototyp "SpaceShipTwo" im Flug, was für einen der beiden Testpiloten tödlich endete. Hauptgrund des Crashs war laut Untersuchungen ein Pilotenfehler. Doch die Konstrukteure des Raumschiffs hatten auch zu wenig Vorsichtsmaßnahmen eingebaut, um einen solchen menschlichen Fehler von vorne herein auszuschließen.

Microsoft-Mitgründer finanziert Riesen-Flugzeug für Weltraumraketen

Branson ließ sich davon aber nicht entmutigen und steckte weiter Geld in sein Weltraumreise-Unternehmen. Die ersten Beförderer eines Weltraumtouristen werden aber weder Bezos noch Branson sein. Diese Ehre kann die staatliche russische Weltraumagentur Roscosmos für sich verbuchen, die zwischen 2001 und 2009 mehrere zahlende "Touristen" ins All beförderte - zum Preis von rund 20 Millionen Dollar je Flug.

Bezos und Branson wollen das deutlich günstiger und wohl auch regelmäßiger anbieten. Und ihre Touristen müssen für ihren Flug ins All wohl kaum ein monatelanges Training durchlaufen, wie es die von Russland beförderten Weltraumtouristen taten. Sehr wohlhabende Raumfahrtbegeisterte haben also bald die Qual der Wahl, welches Unternehmen sie in die Schwerelosigkeit schießen soll.

Fotostrecke

Stratolaunch: Paul Allens Riesenflugzeug verlässt den Hangar

Foto: AFP/ Stratolaunch Systems Corp/ April Keller

Riesen-Gewinne dürften Bezos und Branson mit ihren Raumtourismus-Aktivitäten wohl kaum erwarten. Deshalb planen die Weltraum-Unternehmen der beiden Milliardäre auch den Einstieg ins Weltraum-Frachtgeschäft, das deutlich lukrativer als der All-Tourismus sein dürfte. Und auch da steht - neben Elon Musk - ein weiterer Milliardär in den Startlöchern: Microsoft-Mitgründer Paul Allen. Dessen Weltraum-Unternehmen Stratolaunch baut das weltgrößte Flugzeug mit 177 Metern Flügelspannweite und 72 Meter Länge. Es soll als fliegende Startrampe für Weltraum-Frachtraketen dienen.

Der Riesenflieger steht in einem Hangar in der Mojave-Wüste, vor kurzem Monaten ist er erstmals auf dem Rollfeld gefahren. Er hat allerdings nur auf eine Geschwindigkeit von 45 km/h beschleunigt, um das Lenk- und Bremsverhalten zu testen. Der Jungfernflug des Riesenfliegers, der 250.000 Kilogramm tragen kann, steht noch aus. Im kommenden Jahr soll der Spezial-Jumbo dann erstmals Raumflug-Raketen tragen - und diese wohl bald zu Testflügen starten lassen.

Da braut sich also auf der Erde einiges zusammen punkto Weltraum-Verkehr. Ob Bezos seine Weltraumflug-Tickets via Amazon anbieten will und ob Prime-Kunden dabei bevorzugt werden, ist bislang noch nicht bekannt.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.