Leifheit Auf Schlingerkurs

Außer Wäschespinnen, Wischmops und Personenwaagen hat der Haushaltsgerätehersteller Leifheit derzeit wenig anzubieten. Warum der Chef gehen musste und die Hauptanteilseigner ihre Aktien nicht loswurden.
Leifheit: Anleger und Interessenten vermissen innovative Produkte sowie eine schlüssige Wachstumsstrategie

Leifheit: Anleger und Interessenten vermissen innovative Produkte sowie eine schlüssige Wachstumsstrategie

Foto: DPA

Hamburg - Die beiden Männer an der Spitze des Haushaltsgeräteherstellers Leifheit passten einfach nicht zusammen. Während Finanzvorstand Claus-Otto Zacharias (59) aufs Tempo drückte, agierte CEO Georg Thaller (53) lieber gemächlich. Macher gegen Abwäger - heftige Konflikte waren programmiert.

Der mehrere Jahre währende Zank in der Chefetage hat Leifheit in eine unangenehme Lage gebracht. Die Organisation ist paralysiert, die Posten des Marketing- und des internationalen Vertriebsleiters sind verwaist. Innovative Produkte gibt es kaum, eine schlüssige Wachstumsstrategie auch nicht.

Die Erlöse stagnierten 2012 bei 224 Millionen Euro, die Umsatzrendite nach Steuern schrumpfte von 5,3 auf 4,2 Prozent. Als CFO Zacharias 2008 bei Leifheit  anheuerte, ließen sich die Dinge zunächst recht gut an. Der promovierte Ökonom restrukturierte den Betrieb und senkte die Kosten.

2009 stieß Thaller zu Leifheit. Als Vorstandsvorsitzendem oblag es ihm, das börsennotierte Unternehmen weiterzuentwickeln. Doch kaum etwas geschah. Außer Wäschespinnen, Wischmops und Personenwaagen der Marke Soehnle hat die Firma im rheinland-pfälzischen Nassau wenig anzubieten. Neue Märkte wurden höchst zögerlich erschlossen, Joint Ventures oder nennenswerte Akquisitionen blieben aus.

Geplanter Ausstieg der Hauptanteilseigner platzte

Der nach vorn drängende Zacharias wurde immer ungehaltener, die Gespräche mit seinem Gegenspieler Thaller immer unerquicklicher - bis die Kommunikation fast ganz erlosch: In Meetings, so berichten Insider, würdigten sich die beiden kaum eines Blickes.

Just in dieser angespannten Situation beschlossen die zwei Hauptanteilseigner, bei Leifheit auszusteigen. Der Grund: Die Erben der miteinander verwandten Familien Schuler-Voith und Knapp-Voith, die insgesamt 59,6 Prozent der Leifheit-Papiere besitzen, wollten lieber Bares als Aktien.

Interessenten gab es genügend. Doch angesichts der Streitereien im Management und dem miserablen Eindruck, den Thaller und Zacharias bei den Roadshows hinterließen, war niemand bereit, sich bei Leifheit zu engagieren - zumal der geforderte Kaufpreis von rund 150 Millionen Euro recht hoch lag.

Im vergangenen Mai gab der Voith-Clan bekannt, dass er seine Aktien nun doch behalten wolle. Gleichzeitig trennte sich der Leifheit-Aufsichtsrat von Thaller. Die Geschäfte führt nun kommissarisch Zacharias.

Oberkontrolleur Helmut Zahn (58) steht jetzt vor der schwierigen Aufgabe, einen Vorstandsvorsitzenden zu finden, der dem äußerst selbstbewussten Zacharias zumindest auf Augenhöhe begegnen kann.

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