Legendäres Buffett-Dinner 1956 Wie Warren Buffett mit 7 Regeln den Grundstein für seinen Erfolg legte

Von Arne Gottschalck

Warren Buffett ist nicht nur einer der reichsten Männer der Welt, sondern auch einer der erfolgreichsten Investoren unserer Zeit. Sein Investmentvehikel Berkshire Hathaway ist inzwischen eines der größten Unternehmen der Welt. Doch wie kam es dazu? Ausschlaggebend war unter anderem ein Abendessen von über fünf Jahrzehnten, wie ein neues Buch von Jeremy Miller über den Altmeister enthüllt.

Denn damals wurden die Grundregeln des Unternehmertums, wie Buffett sie sich vorstellte, festgelegt. Man stelle sich also die Szene vor: 1956 sitzen acht Menschen um einen Tisch im Omaha Club. Einer von ihnen ist Warren Buffett. Es wird gegessen, Buffett nippt vielleicht an einer Cola. Der Small Talk plätschert. Dann kommt der Kellner und räumt Teller, Besteck und Gläser ab. Vielleicht wischt Buffett den Tisch nochmals mit einer Serviette ab.

25 Jahre alt ist Buffett seinerzeit und hat gerade das Angebot einer Teilhaberschaft von Benjamin Graham abgelehnt, damals eines Superstars des Investierens. Das wäre in etwa so, als schlüge ein aufstrebender Programmierer ein Angebot von Mark Zuckerberg aus. Buffett könnte also ein wenig aufgeregt gewesen sein.

Erst das Steak, dann die Arbeit

Klare Vorgaben: So wird es auch was mit dem Unternehmen

Klare Vorgaben: So wird es auch was mit dem Unternehmen

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Der Amerikaner hatte vorher einen Kurs bei Dale Carnegie absolviert, um seine Hemmungen bei öffentlichen Auftritten zu verlieren.

Ein letzter Griff an die klobige Brille, ein kurzes Wühlen in der Aktentasche - dann zieht Buffett sieben dünne Papierstapel hervor und reicht jedem der Anwesenden einen davon. Es sind seine "Grundregeln", wie er sie nennt. Sein unternehmerisches Credo. Und das ist heute so wertvoll wie damals - vielleicht sogar wertvoller, weil es sich in den Jahrzehnten mehr als nur bewährt hat.

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Annual Meeting von Berkshire Hathaway: Wie Warren Buffett Donald Trump veralbert

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Die sieben Menschen blättern die Stapel durch. Nur das Rascheln der Seiten ist zu hören, die gedämpften Gespräche der anderen Restaurantbesucher. Buffett schweigt und lässt seinen Blick über seine potenziellen Geschäftspartner wandern. Wie werden sie reagieren? Offenbar schnell und entschlossen. Denn was Buffett ihnen vorgelegt hat, überzeugt sie so sehr, dass sie ihre Füllfederhalter zücken, die Schecks ausstellen und Buffett damit neue Geschäftspartner für seine Vision dessen gefunden hat, was künftig als Berkshire Hathaway weltbekannt werden sollte.

Das Essen mussten die neuen Partner dennoch selbst zahlen. Was also sind diese Prinzipien? Einfache Leitlinien für Unternehmer.

Keine Garantien ...

Es gibt Eis: Buffett Ernährungsgewohnheiten hat er selbst einmal als die eines Sechsjährigen bezeichnet.

Es gibt Eis: Buffett Ernährungsgewohnheiten hat er selbst einmal als die eines Sechsjährigen bezeichnet.

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Keine Rendite-Garantien für die Partner: Ein Unternehmen ist kein Selbstbedienungsladen. "Partner, die jeden Monat 0,5 Prozent entnehmen, tun genau das - sie entnehmen Geld", hieß es seinerzeit. "Wenn wir jährlich mehr als 6 Prozent über den Zeitraum mehrerer Jahre erwirtschaften, sind die Entnahmen von den Gewinnen gedeckt und das Kapital wächst. Wenn wir keine 6 Prozent erwirtschaften, sind die monatlichen Auszahlungen teilweise oder ganz eine Rückzahlung des investierten Kapitals."

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Warren Buffett: Sein Leben, seine Ideen

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Das bedeutet für die Partner: " Wenn wir in einem Jahr nicht mindestens 6 Prozent Zuwachs erreichen, bekommen Partner, die monatlich Zahlungen erhalten, im darauffolgenden Jahr verminderte Zahlungen." Mit anderen Worten: Erst die Unternehmenskasse, dann die eigene Kasse.

Keine Hoffnungswerte ...

Trotz des Ruhms: Warren Buffett, im Bild in Gegenwart von Anhängern, ist bodenständig

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K eine Hoffnungswerte: " Wenn wir von jährlichen Gewinnen oder Verlusten sprechen, meinen wir grundsätzlich Marktwerte. Sie drücken aus, wie wir zu Marktpreisen bewertet am Jahresende mit den Aktiva dastehen im Vergleich zu derselben Basis am Jahresbeginn." Das sorgt für Transparenz und auch für Ehrlichkeit. Wer Hoffnungswerte bilanziert, beschummelt sich also selbst - ganz zu schweigen von seinen Anteilseignern. Der Markt hat immer Recht, sagt man auch.

Entsprechend gilt es, diesen Mart zu schlagen, bessere Erträge zu erzielen. "Ob wir gut oder schlecht gewirtschaftet haben, wird nicht daran gemessen, ob wir auf ein Jahr bezogen ein Plus oder ein Minus erwirtschaftet haben", schrieb Buffett seinerzeit. "Es wird anhand der generellen Erfahrung mit Wertpapieren gemessen, die durch den Dow Jones Industrial Average, durch führende Investmentfirmen und so weiter repräsentiert wird."

Harte Urteile sind da nötig. "Wenn wir schlechter abschneiden, haben wir versagt." Keine Schnörkel. Klare Ansage.

Keine Versprechen ...

Foto: SHANNON STAPLETON/ REUTERS

Keine Gewinnversprechen: "Ich kann den Partnern keine Gewinne versprechen", postulierte Buffett. Stattdessen etwas, was man als harte Arbeit bezeichnen könnte. In Buffetts Fall den steten Versuch, unterbewertete Aktien aufzuspüren und damit mittelfristig Erfolg zu haben.

Auch an einen Puffer wurde gedacht. "Wir streben an, das Risiko eines dauerhaften Kapitalverlustes (nicht eines kurzfristigen kursbedingten Verlustes) auf ein absolutes Minimum zu reduzieren, indem wir bei jedem Engagement eine breite Sicherheitsmarge einbauen und die Engagements streuen." Wie anderes lesen sich da doch die eher vollmundigen Visionen zum Beispiel eines Elon Musk.

Dafür Planung ...

Für einen Spaß zu haben: Duett mit Schauspielerin Glenn Close

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Langfristig planen: Es ist modern, sich von Quartal zu Quartal zu hangeln - für Buffett war und ist das nichts. "Zumindest drei Jahre sind das absolute Minimum, um die Performance zu bewerten. Zweifellos werden wir Jahre erleben, in denen die Performance der Partnership schlechter ausfällt, möglicherweise sogar wesentlich schlechter als der Dow Jones. Wenn eine Periode von mindestens drei Jahren schlechte Ergebnisse hervorbringt, sollten wir uns alle nach anderen Möglichkeiten umsehen, unser Geld anzulegen."

Gehe selbst ins Risiko: Startups scheinen derzeit in paradiesischen Zeiten zu leben. Immerhin suchen Großinvestoren und Private-Equity-Fonds nach Investment-Möglichkeiten und sorgen für einen wohltuenden Geldsegen für manche junge Unternehmen. Die 50er wirkten da nahezu anachronistisch: "Meine Frau, meine Kinder und ich selbst bringen praktisch unser gesamtes Eigenkapital in die Investmentgesellschaft ein."

Klare Kommunikation: "Es ist nicht meine Aufgabe, den Aktienmarkt insgesamt vorherzusagen oder Konjunkturschwankungen korrekt zu prognostizieren", schrieb Buffett. "Wenn Ihr das von mir erwartet oder es als wesentlich für ein Investitionsprogramm betrachtet, solltet Ihr nicht in dieser Investmentgesellschaft sein."

... und Disziplin

Strenger Blick: Bei aller Jovialität - Buffett denkt viel nach

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Foto: REUTERS

Disziplin und klare Prinzipien: Das betrifft die unternehmerischen Leitlinien, aber auch das, was das Unternehmen tut. Sei es die Herstellung von Regentonnen, sei es die Geldanlage. Einmal für gut befundene Prinzipien sollten beibehalten werden. "Der eigenen Vorgehensweise treu zu bleiben, ohne sich von Trends mitreißen zu lassen, ist selbst für erfahrene Investoren eine große Herausforderung", heißt es in Millers Buch über Buffett.

Deutliche Worte von Anfang an, das vermeidet Enttäuschungen. Entsprechend nutzt Buffett diese Grundregeln noch immer. Jeder neue Partner bekommt sie, aktualisiert. So wie 1956.

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