Montag, 16. September 2019

Vorstoß in  Milliardenmarkt Airbnb will jetzt auch an die Geschäftskunden ran

Übernachten im Hotel? Geschäftsreisenden bietet Airbnb künftig eine Alternative

Airbnb vermittelt private Unterkünfte, weitet seine Dienste künftig aber auf das Geschäftsleben aus. So sollen Business-Reisende über das Portal gebuchte Übernachtungen bequem über die eigene Firma abrechnen können. Eine Revolte der etablierten Anbieter ist programmiert.

Hamburg - Die "Share Economy" erreicht das Geschäftsleben. Nachdem Fahrdienstbetreiber wie Uber bereits heftig mit traditionellen Taxidiensten aneinandergeraten sind, steht in der Hotellerie nun womöglich der nächste Machtkampf an.

Das Übernachtungsportal Airbnb wagt sich auf den lukrativen Markt für Geschäftskunden vor. Statt wie bislang vor allem Privatreisende mit Haltern von Privatunterkünften zusammenzubringen, will Airbnb seine Dienste ab Herbst zunächst in den USA auf Geschäftskunden ausdehnen. Ein Markt, der laut Airbnb bislang lediglich 10 Prozent des Airbnb-Umsatzes ausmacht, aber ziemlich lukrativ ist.

So will das Portal künftig ein speziell auf Geschäftskunden zugeschneidertes Angebot unterhalten, in dem ausschließlich Unterkünfte zum Beispiel mit Wifi-Zugang enthalten sind. Wer künftig über Airbnb seine Geschäftsreiseunterkunft bucht, dem soll die Abrechnung erleichtert werden. Zudem will das Internetportal seine Dienste für Unternehmen ausweiten und künftig auch Tagungsorte anbieten oder Zwischenunterkünfte für Mitarbeiter, die aus beruflichen Gründen umziehen müssen.

30 Unternehmen, darunter Lyft, Evernote oder der SAP-Konkurrent Salesforce machen bei dem Testlauf in den USA mit, den Airbnb am Montag in seinem Blog ankündigte. Mit ins Boot geholt hat sich das Portal dafür den international tätigen Reisemanagementexperten Concur, der rund 70 Prozent der Fortune-100-Unternehmen zu seinen Kunden zählt.

Ausweitung auf Europa nicht ausgeschlossen

Pläne, auch den europäischen Geschäftsreisemarkt aufzumischen, gibt es laut Airbnb bislang nicht. "Wir testen das erst einmal in den USA mit 30 Unternehmen", sagte ein Airbnb-Sprecher manager magazin online. "Eine Ausweitung auf Europa ist aktuell nicht geplant." Allerdings sei dies durchaus denkbar. "Schließlich ist das Thema auch in Europa für viele Internetnutzer sicher interessant", betonte der Sprecher.

So seien für Berater, die länger an einem Ort und Projekt arbeiteten, Privatunterkünfte zum Teil attraktiver als die Unterbringung in einem Hotelzimmer. Für Unternehmens-Workshops wiederum biete sich die Buchung ganzer Häuser an, in denen die Teilnehmer dann als Gruppe untergebracht werden könnten.

Beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga zeigt man sich wenig überrascht, über den Airbnb-Vorstoß. "Es war nur eine Frage der Zeit, bis auch die Geschäftsreisenden ins Visier der Peer-2-Peer-Vermarkter geraten", erklärt der Hauptgeschäftsführer des Hotelverbandes Deutschland, Markus Luthe. Der Hotelfachmann sieht darin die mögliche Entstehung eines neuen Marktsegmentes "mit kaum vorhandenen bis reduzierten Serviceangeboten." Bislang steigt die Mehrzahl zumindest der deutschen Geschäftsreisenden in Hotels der 3- bis 4-Sternekategorie ab.

Doch auch das könnte für die Hotellerie extrem schmerzhaft werden. Alleine deutsche Unternehmen gaben laut einer Studie des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) im vergangenen Jahr rund 48,2 Milliarden Euro für Geschäftsreisen aus - 12,2 Milliarden davon alleine für Unterkünfte.

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