Volkswagen verkauft Ex-MAN-Tochter Finanzinvestor Triton bekommt VW-Rüstungssparte Renk

Mit Renk-Getriebe: Leopard-2-Panzer (hier ein Exemplar der türkischen Armee im Syrienkrieg im Oktober 2019)

Mit Renk-Getriebe: Leopard-2-Panzer (hier ein Exemplar der türkischen Armee im Syrienkrieg im Oktober 2019)

Foto: Nazeer Al-khatib/ AFP

Volkswagen verkauft den Großgetriebehersteller Renk an den Finanzinvestor Triton. Die Beteiligungsfirma zahlt 520 Millionen Euro für das 76-prozentige Aktienpaket von Volkswagen, wie Renk am Donnerstagabend in Augsburg mitteilte. Triton setzte sich Insidern zufolge gegen den schwedischen Finanzinvestor EQT durch. Auch der Düsseldorfer Rüstungs- und Maschinenbaukonzern Rheinmetall zählte zu den finalen Bietern.

Der neue Eigentümer zahlt 97,80 Euro je Renk-Aktie. Volkswagen (Kurswerte anzeigen) will zudem noch die Dividende für das abgelaufene Jahr von 2,20 Euro je Aktie abschöpfen - insgesamt gut zehn Millionen Euro. Der Wolfsburger Konzern kann durch den Verkauf mit einem Buchgewinn von 150 Millionen Euro rechnen.

Die übrigen Renk-Aktionäre bekommen ein Übernahmeangebot, dessen Höhe sich nach dem Durchschnittskurs der vergangenen Monate richtet. Am Donnerstag notierte die Aktie mit 109 Euro weit über dem zwischen VW und Triton ausgehandelten Preis. Insgesamt könnte die Übernahme den Finanzinvestor damit bis zu 700 Millionen Euro kosten.

Der Umsatz von Renk mit Großgetrieben unter anderem für Panzer und Schiffe lag 2018 bei rund 500 Millionen Euro, der operative Gewinn bei 60 Millionen Euro.

Schon Matthias Müller als Vorgänger des aktuellen Volkswagen-Chefs Herbert Diess hätte die Mehrheitsbeteiligung an Renk vor drei Jahre gerne verkauft, um sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Auch die ehemalige MAN-Tochter Energy Solutions steht zum Verkauf. Beide wurden von Volkswagen aus MAN herausgelöst, um das verbleibende Lastwagengeschäft in der Traton-Holding zu bündeln und an die Börse zu bringen.

Vor allem Private-Equity-Investoren hatten auch wiederholt Interesse an beiden Töchtern angemeldet. Bisher waren jedoch alle Anläufe gescheitert; unter anderem hatten sich die Volkswagen-Arbeitnehmer gesperrt. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte vergangene Woche signalisiert, dass die Arbeitnehmer sich einem Verkauf nicht entgegen stellen würden. Bedingung sei, dass ein möglicher Käufer auch die Interessen der Mitarbeiter berücksichtige.

Volkswagen betonte, Triton habe langfristige Standort- und Beschäftigungsgarantien für die deutschen Renk-Werke in Rheine, Augsburg und Hannover bis Ende 2026 gegeben. Betriebsratschef Osterloh sprach von einer "sinnvollen Lösung". Volkswagen-Finanzvorstand Frank Witter sagte, für Renk eröffneten sich mit dem neuen Eigentümer "Zukunfts- und Wachstumsperspektiven".

Der Verkaufsprozess für die deutlich größere Tochter Energy Solutions stocke aktuell, heißt es im Konzern. Energy Solutions, früher MAN Diesel & Turbo, ist mit rund drei Milliarden Euro Umsatz ungleich größer als Renk. Das Unternehmen baut Dieselmotoren für Schiffe und Turbolader für die Öl- und Gasindustrie. Als Kaufinteressent wird unter anderem der US-Rivale Cummins gehandelt.

ak/reuters
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