Autonom fahrende Nutzfahrzeuge VW findet neuen Job für Ex-Digitalchef Christian Senger

Im Juli hatte VW-Chef Herbert Diess Christian Senger aus dem Vorstand geworfen. Nun hat der Konzern endlich einen neuen Job für den ehemaligen Softwarechef gefunden.
Soll das autonome Fahren der Nutzfahrzeuge voranbringen: VW-Manager Christian Senger

Soll das autonome Fahren der Nutzfahrzeuge voranbringen: VW-Manager Christian Senger

Foto: Friso Gentsch/ Volkswagen

Der im Juli als Digitalvorstand abgelöste VW-Manager Christian Senger bekommt einen neuen Job im Konzern. Der 46-Jährige leite mit sofortiger Wirkung die Entwicklung des autonomen Fahrens der VW-Transportersparte und sei damit auch für Mobilitäts- und Transportdienste (MaaS/TaaS) zuständig, teilte VW Nutzfahrzeuge am Montag in Hannover mit. 

Senger hatte als Digitalvorstand zunächst die neue Software-Sparte in der VW-Gruppe aufgebaut, bei der in den kommenden Jahren Milliarden investiert und ein internes Expertennetz geschaffen werden sollen. Nachdem er am 1. Juli offiziell als Chef der Software-Einheit Car.Software.Org gestartet war und die Entwicklung eines eigenen Auto-Betriebssystems angekündigt hatte, übertrug Konzernchef Herbert Diess (62) nur zwei Wochen später die Zuständigkeit an Audi-Chef Markus Duesmann (51) - der zugleich VW-Entwicklungsvorstand ist.

Diess war unzufrieden mit der Arbeit von Senger. Bei dem Elektro-Hoffnungsträger ID.3 verzögerten Softwareprobleme die Auslieferung. Auch die Entwicklung eines konzerneigenen Betriebssystems für Fahrzeugsoftware - besonders in elektrischen und autonomen Autos das Herzstück der künftigen Wertschöpfung - hakte an mehreren Stellen.

Nach der überraschenden Abberufung hieß es, für Senger werde eine neue Position im Konzern gesucht. Nach vier Monaten ist die Konzernführung nun fündig geworden. Das autonome Fahren im engeren Sinne ist bei VW Nutzfahrzeuge angesiedelt, wo der gelernte Maschinenbauer jetzt seine Arbeit zu diesem Teilbereich fortsetzen soll. Senger hatte einst bei BMW an der Konzeption der Elektrofahrzeuge i3 und i8 mitgewirkt.

Während sich Audi mit dem Projekt "Artemis" zunächst auf hochautomatisiertes Fahren (Level 3) konzentriert, soll die VW-Nutzfahrzeugsparte eine Stufe höher einsteigen und Fahrzeuge anbieten, die weitgehend ohne menschlichen Eingriff auskommen (Level 4). Die Wolfsburger gehen davon aus, dass Roboterfahrzeuge sich bei Transportern eher durchsetzen werden als bei Pkw. Die VW-Nutzfahrzeugsparte arbeitet bei der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge mit dem US-Autobauer Ford zusammen. Bei Fords Tochter Argo AI, die auf Künstliche Intelligenz spezialisiert ist, wollen sich beide Unternehmen die Entwicklungskosten teilen.

mg/dpa-afx/Reuters