Keine Prognose möglich Varta schockt seine Investoren

Der Batteriehersteller war mal der Liebling der Meme-Anleger. Nun hat das Management die Jahresziele komplett einkassiert und nicht mal mehr neue aufgestellt. Die Aktie verlor rund ein Drittel des Werts.
Gewinnwarnung: Vorstandschef Herbert Schein und im Hintergrund der Großaktionär und Aufsichtsratschef Michael Tojner

Gewinnwarnung: Vorstandschef Herbert Schein und im Hintergrund der Großaktionär und Aufsichtsratschef Michael Tojner

Foto: PHILIPP GUELLAND/EPA-EFE/Shutterstock

Der MDax-Konzern Varta schockt seine Investoren. Der Batteriehersteller kassierte per Gewinnwarnung seine bisherigen Ziele komplett. Die Prognosen für Umsatz und Ergebnis im laufenden Jahr und dem dritten Quartal ließen sich nicht mehr erreichen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Zu neuen Prognosen sieht sich der Vorstand um den Vorsitzenden Herbert Schein (53) derzeit nicht in der Lage. So könne Varta die hohen Energiepreise nur begrenzt und verzögert an die Kunden weitergeben. Zusätzlich verzögerten sich zwei große Aufträge, weswegen "signifikante Volumina" in diesem Jahr nicht mehr ausgeliefert werden könnten.

Die Warnung überraschte die Investoren. Der Kurs der Varta-Aktie brach um rund ein Drittel auf den tiefsten Stand seit Mai 2019 ein. Schon am Morgen war der Kurs unter Druck geraten, weil es Sorgen vor Batteriekonkurrenz in der neuesten Generation der AirPods Pro von Apple gab; Varta selbst produziert unter anderem Knopfzellen für Kopfhörer und Hörgeräte. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier inzwischen fast zwei Drittel an Wert eingebüßt. Im Vergleich zum Rekordhoch von etwas mehr als 180 Euro im Januar 2021 sank der Börsenwert sogar um fast 80 Prozent auf zuletzt nur noch knapp 1,7 Milliarden Euro.

Varta war eine der Meme-Aktien, deren Wert Anfang vergangenen Jahres durch einen Hype verzerrt worden war. Damals hatten Kursspekulationen von überwiegend in sozialen Netzwerken versammelten Kleinanlegern bei Aktien wie Gamestop oder AMC Entertainment aus den USA oder auch Varta für starke Kursausschläge gesorgt.

Nach dem Immobilienfinanzierer Hypoport, der am Donnerstagabend ebenfalls seine Prognose komplett kassiert hatte und dessen Aktien um mehr als ein Drittel an Wert verloren hatten, war Varta das zweite Unternehmen, das zum Ausklang der Woche seine Investoren schockierte. Großaktionär von Varta ist der umstrittene österreichische Unternehmer und Milliardär Michael Tojner (56).

Bereits Anfang August hatte Varta seine Jahresziele gesenkt. Als Begründung nannte das Management dabei trübere Konjunkturaussichten und hohe Rohstoff-, Energie- und Transportkosten. Zudem verzögerten sich zu dem Zeitpunkt bereits Kundenprojekte. Zuletzt hatte Konzernchef Schein einen Jahresumsatz von 880 bis 920 Millionen Euro und ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis (Ebitda) von 200 bis 225 Millionen Euro in Aussicht gestellt.

Zugleich kämpfte Varta bereits seit deutlich längerer Zeit mit einer schwachen Nachfrage. Weil unter anderem bei den Kunden Teile fehlten, um etwa kabellose Kopfhörer fertigzustellen, hakte es in dem einst boomenden Hauptgeschäft mit Lithium-Ionen-Knopfzellen schon zum Jahresstart.

lhy/Reuters, dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.