Mittwoch, 27. Mai 2020

Zerschlagung, Verkauf, Börsengang, MDax-Aufstieg Das Varta-Comeback - ein Milliardär aus Österreich lädt auf

Mit Geld aufgeladen: Varta-Großaktionär Michael Tojner

Der Name Varta gehört zu den bekanntesten Namen der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Das Unternehmen stand zeitweise kurz vor der Pleite, steht für ein dunkles Kapitel in der Geschichte der Industriellenfamilie Quandt, wurde zum Spielball verschiedener Investoren, ging erst vor zwei Jahren an die Börse und wurde vom altbackenen Batterie-Hersteller zum potenziellen Apple-Zulieferer hochgejazzt, der mit seinen Lithium-Ionen-Zellen in einer Zukunftstechnologie mitspielt. Nun vollzieht Varta den Aufstieg in Deutschlands zweitwichtigsten Aktienindex MDax Börsen-Chart zeigen - und macht damit einen österreichischen Finanzinvestor richtig reich.

Varta steht für Batterien. Den jüngsten rasanten Aufstieg verdankt das mehr als 100 Jahre alte, aber erst seit Herbst 2017 an der Börse notierte Unternehmen vor allem der steigenden Nachfrage nach Lithium-Ionen-Zellen für kabellose Kopfhörer. Anleger und Analysten spekulieren bereits darauf, dass aus Varta eines Tages ein wichtiger Apple-Zulieferer werden könnte, der die nötigen Lithium-Ionen-Zellen für AirPods und andere Hightech-Lifestyleprodukte zur Verfügung stellt. Damit kämen auch Konzerne wie Samsung Börsen-Chart zeigen, Amazon Börsen-Chart zeigen oder Huawei als mögliche Varta-Kunden in Betracht. Die Produktion der Lithium-Ionen-Zellen hat Varta in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut - und den Börsenhype damit kräftig angefacht.

Zerschlagung, Verkauf und Comeback

Der Batteriehersteller gehörte über viele Jahre zum Imperium der Industriellenfamilie Quandt, bis heute Hauptaktionär von BMW. Die ehemalige Akkumulatoren-Fabrik (AFA) wurde ab 1922 schrittweise von Günther Quandt übernommen: Während des Krieges wurden zahlreiche Zwangsarbeiter in den AFA Werken eingesetzt, um die kriegswichtigen Antriebsakkus für U-Boote zu bauen. Das Unternehmen, das 1962 in Varta umbenannt wurde, wurde ab dem Jahr 2000 zerschlagen: 1999 wurde die Produktion von Zink-Kohle-Batterien eingestellt, mehr als 90 Prozent der Aktien wurden für rund 300 Millionen Euro von der Deutsche-Bank-Tochter DB Investor gekauft und an eine Gesellschaft weitergereicht, an der die Deutsche Bank gemeinsam mit den Quandt-Erben beteiligt waren.

Die Quandts trennten sich zügig von ihrem Varta-Erbe: Der Bereich Haushaltsbatterien wurde 2002 an den Batteriehersteller Rayovac verkauft. Der Bereich Autobatterie ging im selben Jahr an den US-Zulieferer Johnson Controls, der ihn anschließend an den Finanzinvestor Brookfield Partners verkaufte.

Damit blieb von der Varta AG nur noch der Bereich Mikrobatterien mit einem Jahresumsatz von rund 130 Millionen Euro übrig. 2007 wurde Varta Mikrobatterien für rund 30 Millionen Euro an zwei österreichische Finanzinvestoren verkauft, die Varta Ende 2007 schließlich an die Montana Tech Components und damit an den österreichischen Finanzinvestor Michael Tojner verkauften.

Glänzendes Geschäft für Michael Tojner

Für Tojner entpuppte sich sein Investment als glänzendes Geschäft. Im Oktober 2017 brachte er die Varta AG zu einem Ausgabepreis von 17,50 Euro an die Börse. Zunächst fristete die Aktie ein wenig beachtetes Dasein im SDax, bis die Zukunftsthemen Elektromobilität, Bluetooth und Lithium-Ionen-Zellen den Börsenwert ab Sommer 2018 auf immer neue Höhen trieben. Inzwischen hat sich der Ausgabepreis mehr als versechsfacht. Allein im Jahr 2019 erlebte Varta einen steilen Kursanstieg von 30 auf 120 Euro je Aktie.

Großaktionär Tojner hatte also genug liquide Mittel an der Hand, um den Bereich Haushaltsbatterien wieder zurückzukaufen und damit zurück zu Varta zu holen. Erst vor wenigen Tagen gab die EU-Kommission für Varta grünes Licht, sein einst abgestoßenes Haushaltsbatterien-Geschäfts vom US-Konkurrenten Energizer zurückzukaufen. Zwei der drei Unternehmensteile - Mikrobatterien und Haushaltsbatterien - sind damit nun wieder vereint.

Rasantes Gewinnwachstum, hochfliegende Erwartungen

Der Aufstieg Vartas in den MDax gibt Tojner nun Gelegenheit, ein wenig Geld einzusammeln. Tojners Holding Montana Tech platzierte in der Nacht zu Donnerstag 808.000 Varta-Aktien bei institutionellen Investoren und nahm damit knapp 98 Millionen Euro ein, wie die begleitende Investmentbank Berenberg am Donnerstag mitteilte. Tojners Anteil an Varta sinkt mit der Platzierung auf gut 58 von 60 Prozent, er bleibt der bestimmende Großaktionär. An seinen verbleibenden 58 Prozent will Tojner zunächst festhalten, er verpflichtete sich auf eine Haltefrist von 180 Tagen für seine verbleibenden Anteile. Deren Wert beträgt aktuell rund 3 Milliarden Euro - er dürfte verschmerzen, dass die Aktie von Varta Börsen-Chart zeigen am Dienstag wegen des Anteilsverkaufs zeitweise um 4 Prozent nachgab und wieder unter die Marke von 120 Euro fiel.

Operativ und um Sondereffekte bereinigt will Varta in diesem Jahr 84 bis 88 Millionen Euro verdienen. Vorstandschef Herbert Schein begründete den geschäftlichen Erfolg vor allem mit der Nachfrage nach Vartas Lithium-Ionen-Zellen. Analyst Stephan Klepp von der Commerzbank rechnet 2020 mit einem operativen Gewinn (Ebitda) von 159 Millionen Euro. Das wäre etwa doppelt soviel wie Varta in diesem Jahr erreichen dürfte.

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