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Kuka vor der Übernahme: Welche Roboter-Hoffnungen noch bleiben

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Kuka-Wettbewerber aus Dänemark Diese Firma führt die Roboter-Revolution an

Was dem führenden deutschen Roboterhersteller Kuka noch bevorsteht, hat Universal Robots (UR) im vergangenen Jahr bereits hinter sich gebracht: den Verkauf der Firma an einen ausländischen Investor, in dem Fall aus Amerika und nicht aus China. Ebenso wie Kuka-Interessent Midea (der Klimaanlagen baut) kennt UR-Käufer Teradyne das Robotergeschäft eher aus Kundensicht: als Hersteller messtechnischer Geräte.

Und doch strahlt alles in der UR-Zentrale im dänischen Odense das Selbstbewusstsein aus, in der Avantgarde der nächsten industriellen Revolution zu stehen - nicht zuletzt Mitgründer Esben Østergaard. Den Unternehmer hat der Verkauf für eine Viertelmilliarde Dollar mit Anfang 40 reich gemacht, aber nicht von dem brummenden Betrieb des Startups gelöst.

"Unser Umsatz verdoppelt sich jedes Jahr" (auf zuletzt 56 Millionen Euro), prahlt Østergaard, der den Amerikanern jetzt als Technikchef dient. Die vor zwei Jahren bezogene Zentrale, zehnmal so groß wie das vorige Gebäude, müsse schon wieder um eine Etage aufgestockt werden. Der Däne deutet das als Zeichen, dass der Verkauf kein Ausverkauf war. Sein Unternehmen könne sich auch unter neuen Eignern ungebremst dynamisch entfalten. Jetzt hat es gut 270 Beschäftigte.

Traumrendite für den dänischen Staat

Der Stolz wird umso größer, wenn der Gründer die bescheidenen Anfänge bedenkt: UR entstand aus einem Projekt der örtlichen Universität, der erste Prototyp war 2008 fertig. "Den haben wir im Kofferraum unseres Autos zu einer Gärtnerei gefahren, dort in vier Stunden aufgebaut und heruntergefallene Blumenerde aufkehren lassen", erzählt Østergaard.

Die Technik funktionierte, das Geschäftsmodell noch nicht - die Uni-Bastler mussten ihre ersten verkauften Roboter selbst vorfinanzieren, und dann war regelmäßig das Geld alle. Mit Risikokapital vom Staat ging es dann aber doch, und für den brachte das Investment eine Traumrendite ein.

Die geschlossene Werft als Keimzelle des High-Tech-Zentrums

Hinzu kamen noch mehr als 80 weitere Robotik-Startups in Odense. Sie reden hier vom "Robotic Valley" - auch ohne ein echtes Tal in der eher flachen Landschaft der Insel Fünen. Die neue Branche bietet bereits 3000 Jobs in der Stadt, fast so viele wie zuletzt die 2012 geschlossene Großwerft des Mærsk-Konzerns , wo die Roboterforschung in Odense einst begann. "Wir wollen die europäische Hauptstadt für Startups und Entwicklung in der Robotik werden", sagt Bürgermeister Anker Boye.

Nicht nur die Dänen sind voller Anerkennung für Universal Robots. Die Firma ist zwar (noch) deutlich kleiner als der MDax-Konzern Kuka (Kurswerte anzeigen), der zu den etablierten "Großen Vier" der Industrierobotik zählt. Aber wenn die Leitmesse Automatica in München in diesem Monat startet, gehört die große Bühne zum Auftakt dem aufstrebenden Branchenstar UR.

Was die Firma besonders macht, ist die Spezialisierung auf kleine, so genannte kollaborative Roboter, kurz Cobots getauft. Maximal 10 Kilogramm können die bisherigen UR-Maschinen heben, im Vergleich zur Traglast traditioneller Industrieroboter von bis zu einer Tonne. Sie sind auch längst nicht so schnell oder präzise.

Dafür kommen sie ohne einen Schutzkäfig aus und können von Menschen aus der Nähe bedient werden. Sensoren machen die schlanken, vielgelenkigen Roboterarme feinfühlig genug, um vor jedem potenziell gefährlichen Kontakt abzubremsen. Seit Februar wird das neue Zusammenspiel von Mensch und Maschine auch von einer internationalen Industrienorm geregelt.

So werden Roboter auch geeignet, um die vielfältigen kleinen Arbeiten des Industriealltags zu automatisieren und nicht nur die monotone Schwerarbeit in ewig gleichen Programmen - Seite an Seite mit menschlichen Arbeitern. "Wir ersetzen die Leute nicht, sondern helfen ihnen, mehr zu schaffen", lautet Østergaards Anspruch. Das ist die vierte oder nach UR-eigener Zählung fünfte industrielle Revolution.

Warum die Dänen keine Konkurrenz fürchten

Weil die Cobots viel billiger sind als die größeren Automaten (je nach Modell wird eine mittlere fünfstellige Investitionssumme fällig), lohnen sie sich oft auch für Mittelständler. So wie beim Metallbetrieb Almexa in der Nachbarschaft.

Dort wird ein einsamer UR-Cobot nur alle fünf Minuten tätig, um neue Aluminiumrohlinge in eine Fräsmaschine zu setzen, die daraus Werkzeugflansche für andere UR-Roboter baut. Einer seiner 18 Leute könne jetzt vier Maschinen auf einmal bewachen statt nur eine, sagt Almexa-Chef Roar Jensen. Das passe gut in seine Expansionspläne. Im Sommer wird eine größere Werkshalle bezogen.

Roboter bauen Roboter - UR selbst führt die Science-Fiction-Vision in der eigenen Werkshalle vor, wo es noch ziemlich nach Manufaktur aussieht. Von Hand stecken die Arbeiter die einzelnen Robotergelenke mit der zugehörigen Elektronik zusammen, und reichen sie dann an die nächste Station weiter. Erst neuerdings hält auch hier zumindest die Teilautomatisierung Einzug: UR-Modelle helfen, die Schrauben an künftigen Kollegen festzuziehen.

100-prozentige Wachstumsraten auch in Zukunft?

"Unsere Roboter sind halb so schnell wie die schnellsten Wettbewerber", räumt Esben Østergaard ein. Darin wolle man jedoch gar nicht konkurrieren. "Unsere Spezialität ist der flexible Werkzeugkasten - und wir wollen, dass Roboter so einfach zu bedienen sind wie möglich."

Wettbewerber? Dem Cobot-Pionier UR sind mehrere Hersteller auf den Trend gefolgt, der inzwischen auch Großkonzerne wie Volkswagen  oder BMW  begeistert. Kuka, ABB  und Co. haben eigene kleine, flexible Roboter auf den Markt gebracht, die nicht ganz so schlank daherkommen wie die von Universal Robots und nicht so billig sind, dafür aber höheren industriellen Ansprüchen genügen.

Könnte es nicht sein, dass der Wegbereiter im Siegeszug der Cobots doch noch auf der Strecke bleibt? Ach was, wischt Østergaard den Zweifel beiseite. "Der Markt für manuelle Arbeiten ist viel größer als der bestehende Robotikmarkt." Demnach gäbe es keine Verdrängung, und noch reichlich Raum für 100-prozentige Wachstumsraten.


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