Wankender Gasimporteur Uniper braucht weitere 25 Milliarden Euro

Uniper wird für den deutschen Steuerzahler zum Fass ohne Boden. Der Gasimporteur braucht bis zu weitere 25 Milliarden Euro Eigenkapital. Damit würde die Rettung mehr als 51 Milliarden Euro kosten.
Steuerzahler müssen nachlegen: Die Rettung des taumelnden Gasriesen Uniper wird für den deutschen Staat extrem teuer

Steuerzahler müssen nachlegen: Die Rettung des taumelnden Gasriesen Uniper wird für den deutschen Staat extrem teuer

Foto: WOLFGANG RATTAY / REUTERS

Das wegen fehlender russischer Gaslieferungen strauchelnde Energieunternehmen Uniper braucht weitere Milliarden. Die geplante Barkapitalerhöhung von acht Milliarden Euro allein werde nicht ausreichen, um Uniper zu stabilisieren, teilte der Konzern am Mittwoch in Düsseldorf mit. Deshalb soll genehmigtes Kapital in Höhe von weiteren bis zu 25 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Aktien geschaffen werden.

Mitsamt der bereits angekündigten oder laufenden Maßnahmen könnte die Rettung des größten deutschen Gasimporteurs bis zu 51,5 Milliarden Euro kosten. Es ist die teuerste Rettung eines einzelnen Unternehmens seit der Finanzkrise.

Das Kapital soll zur Verfügung stehen, um das durch weitere Verluste in diesem und den nächsten Jahren geschwächte Eigenkapital teilweise wiederherzustellen. Zur Zeichnung ist ausschließlich der Bund berechtigt, das gesetzliche Bezugsrecht der anderen Aktionäre wird ausgeschlossen. Uniper macht seit Monaten hohe Verluste. In den ersten neun Monaten dieses Jahres hatten die Düsseldorfer einen Verlust von 40 Milliarden Euro angehäuft.

Die Bundesregierung, der Energiekonzern Uniper und der bisherige Uniper-Mehrheitseigentümer Fortum hatten sich im September auf ein Stabilisierungspaket für Uniper verständigt, das eine weitgehende Verstaatlichung vorsieht. Geplant ist neben der Kapitalerhöhung unter anderem der Erwerb der Uniper-Anteile des finnischen Mehrheitsaktionärs Fortum durch den Bund.

Das Stabilisierungspaket steht noch unter Vorbehalt. So stünden noch Genehmigungen der EU-Kommission aus. Die Uniper-Aktionäre solle am 19. Dezember auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die Pläne abstimmen. Ein ebenfalls für diesen Tag geplantes Aktionärstreffen, auf dem der Vorstand die hohen Verluste erklären wollte, sei abgesagt worden. Das Management werde auch so über die Lage berichten. Uniper gehe davon aus, dass bis zur Hauptversammlung die Genehmigungen der EU-Kommission vorliegen werden.

Ersatzbeschaffung von russischem Gas kostet ein Vielfaches

Uniper ist in Schieflage geraten, weil Russland kein Gas mehr nach Deutschland pumpt. Der Gas-Großhändler ist Lieferant für über 100 Stadtwerke und große Unternehmen und spielt damit eine zentrale Rolle für die deutsche Gasversorgung. Das fehlende Gas muss sich das Unternehmen jetzt teuer auf dem Gasmarkt kaufen. Das Pipelinegas aus Russland war vergleichsweise günstig zu haben. Wegen des Lieferstopps haben sich die Preise inzwischen vervielfacht. Bei einer Insolvenz von Uniper wird ein Dominoeffekt befürchtet, der zahlreiche Uniper-Kunden ebenfalls in große Schwierigkeiten bringen würde.

Nach Angaben des Uniper-Vorstandsvorsitzenden Klaus-Dieter Maubach (60) sollen die Kapitalmaßnahmen eine "monatelange Phase der Unsicherheit für unser Unternehmen und unsere Kunden beenden". Damit werde geregelt, wie die enormen Folgekosten der russischen Gaskürzungen getragen werden können, die überwiegend bei Uniper anfielen.

"Es geht um nicht weniger als einen erheblichen Teil von Deutschlands Gasrechnung, der nun aus Steuermitteln bezahlt wird - und nicht, wie ursprünglich geplant, über eine Gasumlage", sagte Maubach. Ohne diese Entlastung wäre eine noch höhere Kostenwelle unweigerlich auf die Uniper-Kunden zugekommen. "Durch die staatliche Stützung kann Uniper seine Kunden weiterhin zu den vor dem Krieg vertraglich vereinbarten Konditionen mit Gas beliefern."

rei/DPA/Reuters
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