Jobabbau und Spartenverkauf Unilever wappnet sich gegen neue Übernahmeversuche

Unilever-Produkt Becel: Im Rahmen des Umbaus soll die Brotaufstrichsparte verkauft oder ausgegliedert werden

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Sparprogramm für die Führungsetagen, Geldregen für die Aktionäre: Der Konsumgüterkonzern Unilever verordnet sich nach der abgewehrten Übernahme durch Kraft Heinz einen gründlichen Umbau. Mit Jobabbau, dem Verschmelzen von Sparten, und einem gekappten Werbebudget will der Vorstand die Kosten um weitere Milliarden senken. Auch die niederländisch-britische Doppelstruktur steht auf der Kippe, wie der Hersteller von Knorr-Gerichten, Magnum-Eis und Domestos-Toilettenreiniger am Donnerstag mitteilte. Den Aktionären winkt ein Aktienrückkauf über fünf Milliarden Euro.

Die Aktien des Konzerns reagierten unentschieden auf die Nachrichten. An den Börsen in London und Amsterdam pendelte der Kurs der Unilever-Papiere am Morgen zwischen Gewinnen und Verlusten. Mit dem angekündigten Aktienrückkauf will das Unternehmen noch in diesem Jahr beginnen.

Das neue Spar- und Umbauprogramm soll das Geschäft von Unilever bis zum Jahr 2020 deutlich rentabler machen. Statt 16,4 Prozent wie im Jahr 2016 sollen dann 20 Prozent vom Umsatz als operativer Gewinn übrig bleiben. Dabei rechnet Unilever jedoch die Umbaukosten heraus, die das Management auf insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro beziffert. Zusammen mit dem bereits laufenden Sparprogramm geht das Management jetzt von Einsparungen in Höhe von vier bis sechs Milliarden Euro aus.

Rama und Lätta sollen verkauft werden

Teil des Umbaus ist die Verschmelzung der bisher separaten Geschäftsbereiche für Lebensmittel und Erfrischungen, die als eine Einheit in den Niederlanden sitzen sollen. Die Brotaufstrichsparte will Vorstandschef Paul Polman ganz verkaufen oder anderweitig ausgliedern. In diesem Bereich ist Unilever in Deutschland etwa mit Marken wie Rama und Lätta vertreten. An der Sparte hätten bereits eine ganze Reihe Finanzinvestoren Interesse bekundet, sagte Finanzchef Graeme Pitkethly. Er sei zuversichtlich, dass der Verkauf zu einem guten Preis zustande komme.

Wie viele Jobs konzernweit auf der Streichliste stehen, ließ der Vorstand offen. Der Abbau werde aber vor allem die Führungsebenen betreffen, sagte Polman. Stark fallen die Kürzungen bei der Werbung aus. Die Ausgaben dafür will das Management um 30 Prozent senken.

Dividende soll um 12 Prozent steigen

Den Rotstift setzt die Führung auch bei der grundsätzlichen Organisation des Konzerns an, der gleichzeitig als niederländische und britische Aktiengesellschaft aufgestellt ist. Die komplexe Struktur erschwere Schritte wie die Trennung vom Brotaufstrich-Geschäft, hieß es. Bis Ende des Jahres will das Unternehmen eine Entscheidung über seine künftige Aufstellung treffen.

Für das laufende Jahr erwartet Polman weiterhin auf vergleichbarer Basis ein Umsatzplus von 3 bis 5 Prozent. Die Dividende soll im kommenden Jahr um 12 Prozent steigen.

Unilevers US-Rivale Kraft Heinz hatte das Unternehmen Anfang des Jahres mit einer 143 Milliarden US-Dollar (134 Milliarden Euro) schweren Übernahmeofferte überrascht. Allerdings bissen die Amerikaner bei Unilever auf Granit und gaben den Versuch wenig später auf. Im Nachklang hatte sich Unilever bereits im Februar ambitioniertere Ziele gesetzt und angekündigt, das gesamte Unternehmen und seine Struktur zu überprüfen.

mg/dpa-afx
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