Dienstag, 10. Dezember 2019

"Bodos Bärendienst" erschwert Abwehrkampf für K+S Warum die Razzien bei K+S Potash in die Hände spielen

Abbau von Steinsalz: Thüringens Regierungschef Bodo Ramelow will K+S dabei unterstützen, eine Übernahme durch Potash (engl. Kali) abzuwehren. Die jüngsten Razzien bei K+S könnten jedoch als "Bodos Bärendienst" in die Übernahmegeschichte eingehen

Hamburg - Besser hätte sich Potash den Verlauf des Übernahmekampfes mit K+S kaum malen können. China-Krise, Yuan-Abwertung, Kursverfall an den Börsen und zunehmend zittrige Hände bei institutionellen Investoren spielten Potash bereits in den vergangenen Wochen in die Karten. Jeder Tag in diesem Umfeld erhöhte die potentielle Abgabebereitschaft von K+S-Aktionären in ein Übernahmeangebot, bedeutete dies doch eine der wenigen Gelegenheiten, ein Aktieninvestment im Jahr 2015 noch hochprofitabel abzugeben.

Jetzt auch noch die "zufällige" Razzia bei K+S wegen "unerlaubten Umgangs mit Abfällen" und die daraus resultierenden Haftungsrisiken in Milliardenhöhe. Auf den ersten Blick könnte man meinen, solche Risiken könnten Potash von einer Übernahme zurückschrecken lassen; ein Ziel, das die Landesregierung in Thüringen unter Ministerpräsident Bodo Ramelow seit Monaten verfolgt.

Tatsächlich aber dürfte dieses Ermittlungsverfahren das genaue Gegenteil bewirken und auch letzte erfolgversprechende Abwehrbemühungen des K+S-Vorstandes zunichtemachen. Das Ermittlungsverfahren dürfte daher als "Bodos Bärendienst" oder als "Thüringer Tölpelei" Eingang in die deutsche Übernahmegeschichte finden.

Thüringen: Bundesland der unglaublichen Zufälle

Jan D. Bayer
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    Jan D. Bayer ist Rechtsanwalt in Frankfurt am Main und Inhaber von BayerLaw. Er berät im Übernahme- und Aktienrecht sowie Gläubiger bei finanziellen Restrukturierungen und in Refinanzierungssituationen.
Das Ermittlungsverfahren wegen angeblich illegaler Versenkung von Kaliabwässern und der Zeitpunkt der Razzien bei K+S haben selbstverständlich keinerlei Zusammenhang mit dem sich zuspitzenden Übernahmekampf um K+S. Es ist natürlich reiner Zufall, dass die Thüringer Landesregierung sich von Anfang an gegen die Übernahme durch Potash positionierte und öffentlich die Möglichkeiten umweltrechtlicher Haftungen und Auflagen zur Vereitelung der Übernahme ventilierte. Es ist natürlich auch reiner Zufall, dass genau zu dem Zeitpunkt, in dem der Übernahmekampf auf seine Endphase zusteuert, eine Strafanzeige aufgegriffen wird, die seit sieben Jahren bei der Thüringer Staatsanwaltschaft Staub ansetzt, wohl auch mangels hinreichenden Anfangsverdachts.

Und es ist natürlich auch Zufall, dass die Razzia auf der Homepage des Thüringer Landeskriminalamtes als Durchsuchung der K+S Aktiengesellschaft wegen unerlaubten Umgangs mit Abfällen nach § 326 Strafgesetzbuch breit publiziert wurde, der Umstand des Vorliegens einer wasserrechtlichen Genehmigung für diese Abwasserentsorgung aber nur beiläufig erwähnt wird. Zufälle gibt es in Thüringen, man glaubt es kaum.

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