Ruf nach 50 Prozent weniger Gehalt Diese "fat cats" bekommen Gegenwind von ihren Aktionären

Von Arne Gottschalck

Es ist ein sensibles Thema - die Entlohnung von Vorstandschefs, den Entscheidern über Unternehmen. Zuletzt kam es immer wieder zu Revolten. Natürlich im gepflegten Ton, aber in der Sache sehr bestimmt. So verweigerten auf britischen Hauptversammlungen Aktionäre den Lenkern von Unternehmen die Unterstützung für deren Gehaltspakete.

Diesen Gegenwind musste zuletzt auch Bob Dudley erfahren. 59 Prozent der stimmberechtigten Aktionäre wandten sich gegen sein Entlohnungspaket - der größte Protest seit vier Jahren, wie die "FT"  protokoliert. Aber nicht nur Dudley musste Federn lassen, auch andere CEOs hatten mit Gegenwind der Aktionäre auf den Hauptversammlungen zu kämpfen.

Zu kompliziert, zu viel

Champagner - nicht für alle, sondern für einige wenige

Champagner - nicht für alle, sondern für einige wenige

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Die Hauptkritik bezieht sich dabei auf die Komplexität der Abrechnung - hier Optionen, Boni da und natürlich noch das Festgehalt - vor allem aber auf die absolute Höhe der Zahlungen. Die Kritik kommt dabei inzwischen auch von jenen, von denen die CEOs in der Vergangenheit oftmals Rückendeckung erhielten.

Zum Beispiel von professionellen Investoren. Paul Lee ist so einer - er arbeitet bei Aberdeen Asset Management und sagte gegenüber der "FT": Man sehe einen Anstieg der Gehälter der Entscheider - und sie seien höher als der Anstieg bei den anderen Mitarbeitern. "Das ist ein Problem."

"Genug ist genug, das sagen viele Investoren", beobachtet Stefan Stern, Direktor des Instituts "High Pay Centre": "Einige Executives sind bei den Gehaltssteigerungen zu weitgegangen."

Bob Dudley, BP

Bob Dudley, BP

Bob Dudley, BP

Foto: © Andrew Winning / Reuters/ REUTERS

Tatsächlich fordern manche Experten inzwischen weit gehende Schritte. ShareSoc zum Beispiel vertritt in Großbritannien die Rechte individueller Anteilseigner und schlägt vor, die Gehälter der "Executives" kurzerhand um 50 Prozent zu kürzen.

Bob Dudley wäre da möglicherweise ein Kandidat, aber sicherlich auch Martin Sorrell. Sorrell ist Chef des Werbegiganten WPP . Im Juni muss er sich seinen Investoren stellen. 70 Millionen Pfund hat er im vergangenen Jahr verdient. Ein Investor, wie es die "FT" schreibt, formuliert es so: "Das Problem ist nicht, dass ein Unternehmen sich schlecht entwickelt. Es ist einfach die schiere Größe des Pakets für manche CEOs. Stehen Martin Sorrell bei WPP wirklich 70 Millionen Pfund zu, Bob Dudley bei BP 13 Millionen?"

Martin Sorrell, WPP

Sir Martin Sorrell, WPP

Sir Martin Sorrell, WPP

Foto: © Ruben Sprich / Reuters/ REUTERS

Eine Frage, die offenbar immer mehr Menschen stellen. Immerhin verdient beispielsweise Sorrell das 1.444-fache des durchschnittlichen WPP-Angestellten, notiert "CNN Money". 

Und ein durchschnittlicher FTSE-Vorstandsvorsitzender wiederum erhält inzwischen das 150-fache des Gehalts eines normalen Angestellten. In den 90er Jahren lag dieser Multiplikator noch bei 50.

Mark Cutifani, Anglo American

Mark Cutifani, Anglo American

Mark Cutifani, Anglo American

Foto: REUTERS

Die Frage nach der Legitimation wird auf der Straße gestellt, wo über die "fat cats" gemurrt wird, die Männer und Frauen mit den dicken Schecks in den Vorstandsetagen. Die Frage wird aber auch von professionellen Stimmrechtsberatern gestellt, wie zum Beispiel Glass Lewis. 5 Prozent der Stimmen im britischen Markt vertritt das Haus - und hat geraten, gegen BP und Shire zu stimmen.

Zumal manche Vorstände offenbar sich selbst die Messlatte so legen, wie sie mögen. Die "FT" beispielsweise berichtet, Mark Cutifani (Vorstand von Anglo American ) wurde harsch kritisiert, nachdem er ein Performance-Ziel gesenkt habe - und es so seinen Top-Kollegen erleichtert habe, ihre Boni zu verdienen.

John Cryan, Deutsche Bank

John Cryan, Deutsche Bank

John Cryan, Deutsche Bank

Foto: KAI PFAFFENBACH/ REUTERS

Auch in Deutschland werden diese Fragen inzwischen gestellt. Beispiel Deutsche Bank  - vergangene Woche lehnten die Aktionäre das neue Vergütungssystem für den Vorstand ab. Das Votum der Aktionäre ist in diesem Punkt zwar nicht bindend. Aufsichtsratschef Paul Achleitner deutete jedoch an, es bei der Ausgestaltung der Bonus-Regeln zu berücksichtigen.

Rakesh Kapoor, Reckitt Benckiser

Rakesh Kapoor, Reckitt Benckiser

Rakesh Kapoor, Reckitt Benckiser

Foto: © Reuters Staff / Reuters/ Reuters

Auch für Rakesh Kapoor ließ sich 2015 finanziell gut an - und die Kritik hallte entsprechend laut. Kapoor ist Vorstand von Reckitt Benckiser  und erhielt für das vergangene Jahr doppelt so viel Geld wie zuvor, nämlich 23 Millionen Pfund.

Stern vom "High Pay Centre" fragt daher: "Hat sich der Zustand des Unternehmens um 100 Prozent gebessert? Geht es den Angestellten um 100 Prozent besser? Da gibt es eine ziemliche Verzerrung, weil ein Individuum eine außergewöhnliche Belohnung zu erhalten scheint."