Profiteur des Ukraine-Krieges Öl-Chaos beschert Handelsgigant Trafigura Milliardengewinn

Der weltweit zweitgrößte Ölhändler Trafigura profitiert massiv von den Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten durch den Ukraine-Krieg. Der rasant gestiegene Konzerngewinn liefert den Protagonisten einer "Übergewinnsteuer" neue Munition.
Ölfässer: In der Spitze kostete ein Barrel der Sorte Brent in den vergangenen Monaten rund 139 Dollar - auch Ölhändler profitierten davon

Ölfässer: In der Spitze kostete ein Barrel der Sorte Brent in den vergangenen Monaten rund 139 Dollar - auch Ölhändler profitierten davon

Foto: A3390 Kay Nietfeld/ dpa

Der weltgrößte private Metallhändler und weltweit zweitgrößte Öl-Händler, die Trafigura Gruppe, hat im abgelaufenen Geschäftshalbjahr (31. März) massiv von Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten profitiert. Bei einem Umsatz von 170 Milliarden Dollar stand unter dem Strich ein Nettogewinn von 2,7 Milliarden Dollar. Das ist ein Plus von 27 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres, teilte der niederländische Konzern mit Sitz in Singapur am Freitag mit . Vor allem rasant steigende Rohstoffpreise und Handelsvolumina hätten den Umsatz um 73 Prozent in die Höhe getrieben.

Trafigura verkaufte gegenüber dem ersten Geschäftshalbjahr durchschnittlich 14 Prozent mehr Erdöl und Erdölprodukte, das Volumen wuchs auf 7,3 Millionen Barrel pro Tag, während das Volumen von Nichteisenmetallen um 16 Prozent und das von Schüttgut-Mineralien um 13 Prozent zunahm. Der Preis für die Sorte Brent schnellte in dieser Phase im März auf bis zu 139 Dollar in die Höhe - der höchste Stand seit 14 Jahren. Zwar kamen die Preise zuletzt etwas zurück, doch liegt der Brentpreis immer noch rund 70 Prozent höher als vor einem Jahr.

Die Ergebnisse geben auch erstmals Einblick, wie der riesige Öl- und Rohstoffhändler die Turbulenzen auf den Märkten in den ersten fünf Wochen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bewältigt und genutzt hat. So begannen Käufer in Europa und den USA russisches Öl zu meiden, während Indien günstig russisches Öl verstärkt einkaufte. Seitdem haben Sanktionen die meisten Geschäfte europäischer Händler wie Trafigura mit Russland erheblich erschwert - auch weil die ukrainische Regierung auf die Chefs der Öl- und Rohstoffhändler von Vitol, Trafigura, Glencore und Gunvor massiven öffentlichen Druck ausübte.

So forderte im April Kiew die Chefs dieser Rohstoffhändler auf, ihre Geschäfte mit Russland zu beenden. "Die Händler befinden sich in einem Kreislauf der Finanzierung von Kriegsverbrechen und Völkermord an der ukrainischen Bevölkerung", zitierte die "Financial Times"  seinerzeit aus einer Mail an die Manager. Informationen der Zeitung zufolge hatten die genannten Unternehmen zwischen Kriegsbeginn und Ende März noch 20 Millionen Barrel Rohöl und Ölprodukte umgeschlagen, die in russischen Häfen geladen wurden.

Obwohl Trafigura keine Angaben dazu macht, wie viel Geld es vor und nach der russischen Invasion verdient hat, deuten laut "Wall Street Journal"  die Zahlen darauf hin, dass der Konzern von den extremen Marktverhältnissen profitiert hat, obwohl der Öl-Händler Teile des Russland-Geschäftes zuletzt aufgeben musste und der Preis für russisches Öl selbst deutlich absackte.

Der von der Ukraine-Krise profitierende Riese unter den Rohstoffhändlern dürfte damit Protagonisten einer "Übergewinnsteuer" weitere Argumente liefern. Denn während, Öl-Händler, Raffinerie-Betreiber und Mineralöl-Konzerne ihre Profite deutlich erhöhen können, leiden Unternehmen und Verbraucher erheblich unter steigenden Energiekosten. Wenn dann noch ein Steuerrabatt auf den Spritpreis wie derzeit in Deutschland bei den Verbrauchern nicht ankommt, sondern großteils in die Taschen der Öl-Konzerne fließt, werden die Stimmen nach einer möglichen Regulierung der Branche immer lauter.

Milliardenprojekt mit Rosneft in Arktis auf Eis gelegt

Trafiguar hat seinen Sitz in Singapur und wird vom schweizerischen Genf aus gesteuert. Vor der Invasion war der Konzern der größte westliche Exporteur russischen Öls, nachdem Trafigura eine enge Partnerschaft mit dem russischen Staatskonzern und Ölriesen Rosneft eingegangen war. Nach eigenen Angaben hat Trafigura eben einen Großteil dieser Geschäfte seit Ausbruch des Krieges eingestellt, um den von der EU und der Schweiz verhängten Sanktionen nachzukommen.

Offen bleibt die Zukunft eines milliardenschweren Ölprojekts in der Arktis, in das Trafigura umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln und 5,5 Milliarden Euro aus Krediten gesteckt hat. Das Unternehmen hat in diesem Zusammenhang seine 10-prozentige Beteiligung an Rosnefts Wostok-Ölprojekt eingefroren und erklärt, es wolle sich davon trennen - sehr wahrscheinlich mit Verlust, wie es heißt.

rei