Druck von Aktionären Toshiba zerlegt sich selbst

Einer der führenden japanischen Industrieriesen löst sich auf. Nach Atomkraftdebakel, Bilanzskandal und Streit mit internationalen Aktionären will Toshiba drei kleinere Unternehmen bilden.
Machtverlust: Toshiba-Zentrale in Tokio

Machtverlust: Toshiba-Zentrale in Tokio

Foto: KAZUHIRO NOGI / AFP

Der japanische Technologieriese Toshiba will sich in drei börsennotierte Unternehmen aufspalten. Das gab das Traditionsunternehmen am Freitag bekannt. Unter starkem Druck ausländischer Aktionäre hofft die seit längerem strauchelnde Unternehmensgruppe, mit diesem für Japan beispiellosen Schritt die Profitabilität in Schlüsselbereichen künftig zu stärken. Der 1875 gegründete Konzernriese gehört zu den bekanntesten Namen der japanischen Wirtschaft. Der desaströse Ausflug in das US-Atomkraftgeschäft und ein Bilanzskandal hatten Toshiba jedoch Mitte des vergangenen Jahrzehnts an den Rand des Abgrunds gebracht.

Bis 2023 sollen das Energie-, Infrastruktur- und Digitalgeschäft einerseits und die Halbleiter- und Festplattensparte andererseits abgespalten und separat an die Börse gebracht werden, wie Toshiba am Freitag mitteilte. Übrig bleiben dann das Kerngeschäft mit der Druckersparte (Toshiba Tec) sowie die 41-prozentige Beteiligung am Speicherchiphersteller Kioxia. Letztere will Toshiba jedoch auch zu Geld machen. Die Mehrheit an der 2018 ausgegliederten Tochter hält der Finanzinvestor Bain Capital. Zur Energiesparte zählt auch einer der verbliebenen Ausrüster für Kernkraftwerke, der unter anderem mit den Aufräumarbeiten nach dem Reaktorunglück von Fukushima 2011 beschäftigt ist. Den führenden US-Nuklearkonzern Westinghouse musste Toshiba bereits 2018 nach einer Insolvenz infolge einer Kostenexplosion bei Kraftwerksneubauten abgeben.

Von einer Krise in die nächste

Das Konglomerat hangelt sich seit einem Bilanzierungsskandal 2015 von Krise zu Krise. Zwei Jahre später sicherte sich Toshiba von mehr als 30 ausländischen Investoren eine 5,4 Milliarden Dollar schwere Kapitalerhöhung - damit kamen aber auch die aktivistischen Investoren an Bord. Die Spannungen zwischen ihnen und dem Vorstand beherrschen seither die Schlagzeilen. Aktionäre erzwangen eine Untersuchung, die im Juni zu dem Schluss kam, dass Toshiba und das Handelsministerium gemeinsam versucht hätten, Einfluss ausländischer Investoren auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr zu verhindern. Darauf mussten zwei Spitzenmanager ihren Posten räumen. Konzernchef Satoshi Tsunakawa hatte zwar die Beziehung zum METI damit gerechtfertigt, dass Toshibas Geschäfte bedeutsam für die nationale Sicherheit Japans seien. Toshiba sei allerdings "zu weit" gegangen.

"Nur drei mittelmäßige, mittelgroße Unternehmen"

Toshiba erklärte nach einer weiteren Untersuchung, dass Manager um den ehemaligen Vorstandschef Nobuaki Kurumatani unethisch, aber nicht illegal agiert hätten. Der Bericht moniert eine zu starke Abhängigkeit vom Handelsministerium. Die Probleme rührten auch von einer "Überängstlichkeit gegenüber ausländischen Fonds" und einem "fehlenden Willen, eine vernünftige Beziehung zu ihnen zu entwickeln". Kurumatani war im April abrupt im Zusammenhang mit internen Streitigkeiten wegen eines milliardenschweren Übernahmeangebots durch den britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners zurückgetreten.

Toshiba hofft Insidern zufolge die aktivistischen Aktionäre wie Elliott, Third Point and Farallon zum Ausstieg zu bewegen. Das Unternehmen erklärte am Freitag, bei der Aufspaltung gehe es darum, Wert für die Aktionäre zu schaffen. Doch einige Toshiba-Investoren sind davon Anteilseignerkreisen zufolge nicht überzeugt. "Eine Aufspaltung ist sinnvoll, wenn die Bewertung eines hoch wettbewerbsfähigen Geschäfts von anderen Geschäftsbereichen überlagert wird", sagte Chefstratege Fumio Matsumoto von Okasan Securities. "Aber wenn es solch ein Geschäft nicht gibt, schafft man mit einer Aufspaltung nur drei mittelmäßige mittelgroße Unternehmen."

Toshiba besteht gegenwärtig aus sieben Unternehmensgruppen, darunter eine für Infrastruktur wie öffentliche Transportsysteme, eine Energiesparte für den Bau von Heiz- und Atomkraftwerken und eine Elektronikeinheit, die Festplatten und Halbleiter produziert. Toshiba will die Börsennotierung der zwei auszugliedernden Unternehmen in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2023 (bis 31. März) abschließen.

Erst vor wenigen Tagen hatte auch der US-Industriekonzern General Electric (GE) mitgeteilt, sich ebenfalls in drei Unternehmen aufzuspalten. GE und Toshiba sind seit langem Partner und kooperieren in Bereichen wie Offshore-Windkraftanlagen. Bei General Electric sollen künftig Gesellschaften entstehen für die Luftfahrt, Medizin und ein weiteres Unternehmen, welches die Geschäfte rund um erneuerbare Energien, Energieerzeugung und Digitalisierung umfasst.

ak/dpa-afx, Reuters
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