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ThyssenKrupp: Berthold Beitz ist tot

Foto: Roland Weihrauch/ dpa

Berthold Beitz gestorben ThyssenKrupp verliert den letzten Ruhrbaron

Er hatte bei ThyssenKrupp seit Jahrzehnten das letzte Wort und war eine der ungewöhnlichsten Figuren der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nun ist Berthold Beitz im Alter von 99 Jahren gestorben. Damit tritt der letzte Industriekapitän des Wirtschaftswunders ab.

Düsseldorf - Der schon zu Lebzeiten zur Legende gewordene ThyssenKrupp -Patriarch Berthold Beitz ist tot. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ist gestern im Alter von 99 Jahren gestorben, teilte der Konzern mit.

Beitz galt als einer der wichtigsten Manager der deutschen Nachkriegsgeschichte und bis zuletzt als starker Mann des größten deutschen Stahlkonzerns. "Beitz hat das letzte Wort", hieß es immer wieder bei ThyssenKrupp . Dabei galt der Manager als einer jener Patriarchen, die auch die Belange seiner Arbeiter im Blick behalten.

Beitz wurde 1913 in Zemmin im Westen Vorpommerns geboren. Nach Abitur und Banklehre stieg er bei der Ölfirma Shell ein und machte dort Karriere. Im zweiten Weltkrieg war Beitz kaufmännischer Leiter der Kaparten Öl AG im besetzten Polen. Dort rettete er jüdische Arbeiter vor der SS und ging dabei auch persönlich Risiken ein.

Anfang der 1950er-Jahre begegnete Beitz eher zufällig Alfied Krupp. Den beindruckte Beitz offenbar so sehr mit seinem überzeugenden Auftreten, dass Krupp Beitz im Jahr 1953 zu seinem Generalbevollmächtigten ernannte.

Beitz' Tod trifft ThyssenKrupp in tiefer Krise

Nach dem Tod Alfieds und dem Erbverzicht des Krupp-Sohnes Arndt von Bohlen und Halbach wandelte Beitz den Konzern in eine Kapitalgesellschaft um. Beitz übernahm dabei den Vorsitz jener Stiftung, die Krupp-Alleineigentümerin wurde.

Der stets makellos gekleidete Manager führte den Stahlkonzern durch mehrere Krisen. Er setzte sich auch dafür ein, dass bei der Fusion von Krupp mit Thyssen im Jahr 1999 der Name Krupp erhalten blieb.

Sein Tod trifft das Unternehmen in der größten Krise seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999. Dabei hatte Beitz noch Anfang des Jahres an der Hauptversammlung in Bochum teilgenommen. Wie stets kerzengerade stehend hatte er dabei den langanhaltenden Applaus der Aktionäre entgegengenommen.

Wenig später musste der Aufsichtsratsvorsitzende Gerhard Cromme seinen Hut nehmen, den Beitz eigentlich als seinen Nachfolger an der Spitze der Krupp-Stiftung auserkoren hatte. Diese hält 25,3 Prozent der Anteile und gilt als Bollwerk gegen eine feindlichen Übernahme. ThyssenKrupp wird von Milliardenverlusten, Kartellverstößen und Korruptionsvorwürfen erschüttert.

"Ich habe Herrn Beitz als einen Menschen erlebt, dem die Zukunft des Unternehmens immer sehr am Herzen lag. Er hat uns im Vorstand in den letzten Jahren bei dem umfassenden Veränderungsprozess begleitet, bestärkt und dort, wo es nötig war, vorbehaltlos unterstützt", sagte ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger. Beitz sei ein großes Vorbild für die Mitarbeiter gewesen.

wed/rtr/dpa
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