Donnerstag, 5. Dezember 2019

ThyssenKrupp-Demonstranten fordern sichere Arbeitsplätze "Schmuddelkinder" - was Thyssens Stahlkocher wütend macht

Mitarbeiter von Thyssenkrupp demonstrieren in Rheinhausen

Der krisengebeutelte Industriekonzern Thyssenkrupp bekommt die Sorgen seiner Mitarbeiter buchstäblich vor der Haustüre zu spüren: Vor einer Aufsichtsratssitzung der Stahlsparte machten sie ihrem Unmut in Duisburg lautstark Luft und forderten den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Thyssenkrupp will bis zu 2000 der insgesamt 27.000 Arbeitsplätze beim Stahl abbauen. Ein Tarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, läuft Ende des Jahres aus. Nach Angaben der IG Metall waren 6000 Mitarbeiter vor das Verwaltungsgebäude von Thyssenkrupp Steel in Duisburg gezogen.

Der Vorstand der Stahlsparte wollte in der Aufsichtsratssitzung sein Konzept für die Zukunft des größten deutschen Stahlproduzenten vorstellen. Die Arbeitnehmervertreter fordern, dass der Kündigungsschutz verlängert wird. Thyssenkrupp mit weltweit 162.000 Mitarbeitern hatte bereits den konzernweiten Abbau von 6000 Arbeitsplätzen angekündigt.

Der Ruhrkonzern steckt seit langem in der Krise und schreibt rote Zahlen. Zuletzt musste er sogar den führenden Börsenindex Dax Börsen-Chart zeigen verlassen. Auch die Stahlsparte steht unter Druck, weil die geplante Stahlfusion mit dem europäischen Zweig des indischen Stahlkonzerns Tata von der EU untersagt worden war. Der Bau von zwei Stahlwerken vor über zehn Jahren in Brasilien und den USA hatte den Konzern an den Rand des Ruins gebracht und belastet ihn noch heute.

Management sieht nur wenig Raum für Investitionen

Redner von IG Metall und Betriebsrat warfen dem Management vor, mit Blick auf die Fusion jahrelang notwendige Investitionen in den Stahl unterlassen zu haben. "Der Stahlbereich ist durch fehlende Investitionen der letzten Jahre regelrecht ausgehungert", sagte der frühere IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel, der stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender bei Thyssenkrupp Steel ist.

Das Unternehmen erklärte, angesichts der wirtschaftlichen Situation sei der finanzielle Spielraum begrenzt. Für den Stahlbereich seien aber bereits Investitionen von 570 Millionen Euro jährlich geplant. Arbeitnehmervertreter hatten eine fast dreimal so hohe Summe gefordert.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Thyssenkrupp Steel, Tekin Nasikkol, machte die Führung des Konzerns für die Misere beim Stahl verantwortlich. "Dieser Konzern wurde von unfähigen Managern zugrunde gewirtschaftet", sagte er. Jahrelang seien die Stahlarbeiter als "Schmuddelkinder des Konzerns" behandelt worden. Sogar Reparaturen seien unterlassen oder nur notdürftig durchgeführt worden. Dabei habe der Stahl in den vergangenen zehn Jahren 3,5 Milliarden Euro an Gewinnen in die Konzernkasse überwiesen. "Jetzt ist es an der Zeit, dass dieses Geld wieder zurückfließt", forderte Nasikkol.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung