Mitarbeiter billigen Tarifvertrag Thyssenkrupp nimmt Hürde auf Weg zur Stahlfusion

Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger kann die geplante Stahlfusion mit Tata Steel vorantreiben: 92,2 Prozent der Stahlkocher stimmten für einen entsprechenden Tarifvertrag.
Stahlarbeiter von Thyssenkrupp: Der Fusion des Stahlgeschäfts mit Tata Steel stehen sie kritisch gegenüber, jetzt stimmten sie mehrheitlich einem neuen Tarifvertrag zu, der ihnen im Falle der Fusion über Jahre den Arbeitsplatz sichern soll

Stahlarbeiter von Thyssenkrupp: Der Fusion des Stahlgeschäfts mit Tata Steel stehen sie kritisch gegenüber, jetzt stimmten sie mehrheitlich einem neuen Tarifvertrag zu, der ihnen im Falle der Fusion über Jahre den Arbeitsplatz sichern soll

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Die Mitarbeiter der Stahlsparte von Thyssenkrupp haben den Weg für eine mögliche Fusion mit der Sparte des indischen Konkurrenten Tata freigemacht. Wie die Gewerkschaft IG Metall am Montag mitteilte, stimmten 92,2 Prozent ihrer Mitglieder bei Thyssenkrupp Steel für den Ende Dezember ausgehandelten Tarifvertrag, der eine langfristige Arbeitsplatz- und Standortgarantie vorsieht.

Mit 71,3 Prozent Beteiligung und einer Annahme der Vereinbarung an jedem einzelnen Standort seien alle Voraussetzungen erfüllt. Anleger goutierten die Zustimmung positiv: Die Aktie von Thyssenkrupp zählte zu den wenigen Gewinnern im Dax, der am Nachmittag gut 1 Prozent verlor.

Thyssenkrupp will seine europäische Stahlsparte mit der des Konkurrenten Tata Steel verschmelzen und so den zweitgrößten europäischen Stahlproduzenten nach ArcelorMittal schmieden. Die Gewerkschaft und die Beschäftigten stehen der Fusion in einem Joint Venture kritisch gegenüber. Die Sorge vor umfangreichen Entlassungen sollte der ausgehandelte Tarifvertrag nehmen.

Betriebsrat und Gewerkschaft hatten zuvor für eine Zustimmung zu dem Tarifvertrag geworben, der nach massiven Protesten von Seiten der Belegschaft ausgehandelt worden war. Trotz des Widerstands will das Unternehmen weiterhin an der geplanten Verlagerung des Firmensitzes des Gemeinschaftsunternehmens in die Niederlande festhalten.

Aufsichtsrat muss Fusion besiegeln - Zusammenschluss wohl Ende 2018

Die breite Zustimmung der Mitarbeiter dürfte Konzernchef Heinrich Hiesinger Luft verschaffen, den Konzern stärker auf die Industriesparte mit Geschäften wie Aufzügen und Autokomponenten zu konzentrieren. Dieser Bereich macht mittlerweile den Löwenanteil des Geschäfts aus.

In den kommenden Wochen sollen nun Gutachten zu der Fusion vorgelegt werden, bei denen es unter anderem um die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Zusammenschlusses gehen soll. Nach den Plänen des Konzerns soll die Fusion nach der Zustimmung durch den Aufsichtsrat noch im Frühjahr besiegelt werden. Der endgültige Zusammenschluss könnte dann zum Jahresende erfolgen.


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Hiesinger stand in den vergangenen Monaten nicht nur von Seiten der Arbeitnehmervertreter unter Druck, sondern auch durch die Anteilseigner. Besonders Großaktionär Cevian hatte zuletzt am Rande der Hauptversammlung im Januar kritisiert, dass der Umbau nicht schnell genug vorangehe. Cevian-Chef Lars Förberg hatte sogar eine Zerschlagung des Konzerns ins Spiel gebracht.

rei/afp/Reuters
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