Angebot für Stahlsparte aktualisiert Liberty Steel macht Thyssenkrupp weitere Zusagen

Die Liberty-Gruppe des britischen Unternehmers Sanjeev Gupta macht weitreichende Zusagen für Standorte und Jobs der Stahlsparte von Thyssenkrupp. Mehr Geld für die avisierte Übernahme gibt es offenbar auch - und eine spektakuläre Vision für grünen Stahl.
Favorit: Liberty-Steel-Gründer Sanjeev Gupta

Favorit: Liberty-Steel-Gründer Sanjeev Gupta

Foto: Russell Cheyne / REUTERS

Ein Vierteljahr nach dem ersten Vorstoß  hat der britische Stahlhersteller Liberty Steel sein Angebot für die schwächelnde Stahlsparte von Thyssenkrupp konkretisiert. Ein Bündnis der beiden Unternehmen sei die richtige Antwort, teilte Liberty am Montag mit. Dies habe sich bei den Gesprächen und bei der Prüfung der Bücher bestätigt. Thyssenkrupp kündigte an, die Offerte gründlich zu prüfen. Details nannten beide Konzerne nicht. Liberty Steel hatte Mitte Oktober ein unverbindliches Angebot vorgelegt. Zusammen würden sie den zweitgrößten europäischen Stahlkonzern nach Arcelormittal schmieden.

Die Gespräche mit Thyssenkrupp, den Aktionären und den Arbeitnehmervertretern würden fortgesetzt, kündigte Liberty an. Die Stahlsparte von Thyssenkrupp beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter und schreibt zurzeit hohe Verluste. Konzernchefin Martina Merz (57) prüft mehrere Optionen für das Geschäft, darunter Insidern zufolge auch einen Börsengang. Merz muss sich Anfang Februar auf der Hauptversammlung den Aktionären stellen. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, Liberty-Eigentümer Sanjeev Gupta (49) habe sich von seiner Hausbank einen höheren Finanzierungsspielraum zusagen lassen.

Nur noch grüner Stahl schon 2030

Arbeitnehmervertreter und die IG Metall hatten die Pläne von Liberty abgelehnt und sich für eine Staatsbeteiligung ausgesprochen. Hierfür gab es aber bislang weder vom Land NRW noch vom Bund Zusagen. Auch der Konzern verwarf diese Idee. Zu dem aktualisierten Angebot war vonseiten der Arbeitnehmervertreter zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Ein Insider sagte, Liberty habe zugesagt, dass die Werke von Thyssenkrupp besser ausgelastet würden. Die Montanmitbestimmung solle ebenso erhalten bleiben wie der 2020 vereinbarte Tarifvertrag Zukunft. Beides würde den 27.000 Stahlkochern Schutz und Sicherheiten bei einem Eigentümerwechsel bieten. Der Tarifvertrag schützt die Stahlkocher etwa bis 2026 vor betriebsbedingten Kündigungen. Ein Verzicht darauf wäre aus Sicht der IG Metall und Betriebsräte allerdings auch völlig inakzeptabel. Das "Handelsblatt" berichtete  zudem, Gupta sichere den Erhalt aller Standorte zu, auch des von der Schließung bedrohten Werks Bochum. Verglichen mit der Perspektive eines Verbleibs im Konzern, so das Signal, blieben tausende Jobs mehr erhalten.

Gegenüber der Zeitung weckte Gupta noch weitergehende Hoffnung auf die Zukunft: Liberty wolle die gesamte Stahlproduktion im Konzern schon 2030 auf "grünen Stahl" mit der Verbrennung von klimaneutral erzeugtem Wasserstoff statt Kohle umstellen. Thyssenkrupp hat bereits ambitionierte Wasserstoffprojekte, die voraussichtlich Milliarden kosten und nur mit staatlichen Zuschüssen möglich sind - hofft damit jedoch in diesem Jahrzehnt nur ein Viertel der bisherigen Stahlproduktion am Standort Duisburg klimaneutral ersetzen zu können.

Der Stahlindustrie machen seit Jahren Überkapazitäten, Preisdruck und immer schärfere Klimaschutzauflagen zu schaffen. Die Corona-Krise mit den Einbrüchen bei Kunden wie den Autoherstellern und dem Maschinenbau hat die Branche noch tiefer in die Krise rutschen lassen. Eine Konsolidierung lässt seit Jahren auf sich warten. Eine Fusion von Thyssenkrupp und Tata Steel Europe war am Widerstand der EU-Wettbewerbshüter gescheitert.

ak/Reuters
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