Montag, 21. Oktober 2019

Neue Chefin stellt Umbaupläne vor Thyssenkrupp stellt offenbar zwei Sparten zur Disposition

Martina Merz, neue Chefin bei Thyssenkrupp, will dem Top-Management in Kürze ihre Umbaupläne vorstellen

Kosten senken, Geschäfte besser aufstellen, Unternehmensteile verkaufen - dass beim Krisenkonzern Thyssenkrupp etwas passieren muss, war allen Beteiligten klar. Vorstandschef Guido Kerkhoff war nicht vergönnt, den Job zu Ende zu bringen. Nach 14 Monaten im Amt musste er auch auf Druck von Investoren gehen. Martina Merz übernahm Anfang vergangener Woche, wechselte den Chefaufseher-Sessel mit dem CEO-Stuhl - und setzt gleich ein dickes Ausrufzeichen:

So will die frühere Bosch-Managerin zwei Sparten des Konzerns schließen und auch bei der Holding sparen. Jeder dritte der 160.000 Mitarbeiter des Traditionskonzerns sei von dem geplanten Umbau betroffen, berichtet das "Handelsblatt" (€). Die Pläne, die angeblich noch der Vorstand um Kerkhoff ausgearbeitet haben soll, wolle sie am morgigen Dienstag 150 Top-Managern von Thyssenkrupp vorstellen.

Dem Bericht zufolge wolle sich Thyssenkrupp auf lange Sicht von den Sparten Komponentenfertigung ("Components") und Anlagenbau ("Industrial Solutions") trennen. Angedacht sei, zunächst mit Wettbewerbern Partnerschaften zu gründen und im nächsten Schritt dann die Sparten komplett zu verkaufen.

Die Komponentenfertigung hatte in den ersten neun Monaten des Jahres rund 158 Millionen Euro zum Vorsteuerergebnis (Ebit) beigetragen, der Anlagenbau hingegen hatte im selben Zeitraum 124 Millionen Euro Vorsteuerverlust angehäuft.

Nachdem Thyssenkrupp bereits seine Perle, die Aufzugsparte, zum Verkauf ins Schaufenster gestellt hat, konzentriere sich der Konzern letztlich auf das Stahlgeschäft, das erhalten bleiben soll. Der Konzern wollte den Bericht nicht kommentieren.

Kosten der Holding sollen um die Hälfte sinken

Der Umbau soll auch die Holding treffen, deren Kosten Merz um die Hälfte auf rund 200 Millionen Euro drücken und damit nahezu halbieren wolle. Allein dafür werde sich Thyssenkrupp von einigen hundert Mitarbeitern trennen müssen, heißt es in dem Bericht.

Merz wolle Thyssenkrupp damit effizienter und schneller neu aufzustellen. Mit der geplanten Auflösung der Sparten eröffne sich der Weg, weitere Teile abzugeben. Der Umbau sei der "Einstieg in den Ausstieg" zitiert das Blatt einen nicht genannten hochrangigen Manager des Konzerns. Mit Um- und Stellenabbau zumindest kennt sich Merz aus. In ihrer langen Zeit bei Bosch wurden die unter ihrer Führung stehenden Bereiche des Autozulieferers von Bosch verkauft.

Die wichtigste Aufgabe von Merz, die als Liebling der Finanzinvestoren gilt, die zunehmend Einfluss nehmen, dürfte aber der Verkauf oder der Börsengang der Aufzugssparte sein. Deren Wert schätzen Experten auf zwölf bis zu 17 Milliarden Euro.

Interesse an der Sparte hatte neben dem Konkurrenten Kone auch eine Reihe von Finanzinvestoren angemeldet. Mit den möglichen Erlösen wolle Thyssenkrupp Löcher im Pensionsplan stopfen und die Verbindlichkeiten des hochverschuldeten Konzerns reduzieren. Geld werde Thyssenkrupp dann aber auch in vielversprechende Bereiche des Stahlgeschäfts investieren, heißt es.

rei

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