Montag, 22. April 2019

Streit um Bodo Uebber als Chefaufseher Neuer Eklat im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp

Bodo Uebber: Der Daimler-Finanzchef ist als Aufsichtsratschef bei ThyssenKrupp vorgesehen - doch nun gibt es Streit um den Posten

Daimler Finanzchef Bodo Uebber wird zunächst nicht wie erwartet den Aufsichtsrat des Krisenkonzerns ThyssenKrupp verstärken. Nach Informationen von manager magazin konnte sich die Kontrolleursrunde heute bei einem Treffen nicht auf die Nominierung des Automanns für die Anfang Februar stattfindende Hauptversammlung verständigen. Lediglich die frühere Bosch-Managerin Martina Merz wird nun einen der beiden vakanten Posten in dem Gremium besetzen.

Die Personalentscheidung ist erstmal eine herbe Niederlage für Großaktionär Cevian (18 Prozent), dessen Vertreter Jens Tischendorf sich vehement für Uebber eingesetzt hatte. Dem Vernehmen nach störten sich vor allem die Arbeitnehmervertreter rund um Aufsichtsratsvize Markus Grolms daran, dass Uebber gleich nach der Wahl den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen wollte.

Sie halten an Amtsinhaber und Betriebswirtschafts-Professor Bernhard Pellens fest, auf den sich die Räte erst vor wenigen Wochen nach glückloser Suche als Nachfolger für den im Sommer zurückgetretenen Ulrich Lehner geeinigt hatten. Pellens ist bis 2020 bestellt und muss danach seinen Platz bei ThyssenKrupp ohnehin wegen langjähriger Tätigkeit räumen.

Uebber aber will die geplante Zweiteilung des Konzerns von Beginn an mitgestalten. Im Vorfeld des Treffens hatte sich der Daimler-Manager, dessen Vertrag bei dem Autokonzern Ende 2019 ausläuft, zudem für eine deutliche Anhebung der Aufsichtsratsvergütung bei ThyssenKrupp ausgesprochen, um der Arbeitsbelastung Rechnung zu tragen und um mehr Hochkaräter für die Kontrolleursrunde gewinnen zu können.

Für den Aufsichtsratsvorsitz hatte Uebber eine Verdoppelung der Jahresvergütung von 212.000 Euro vorgeschlagen, die Lehner per anno erhalten hatte. Möglicherweise sorgte auch das für Unmut. Am Ende erhielt Uebber jedenfalls zunächst nicht das einstimmige Votum der Räte, das er zur Voraussetzung für die Übernahme des Postens gemacht hatte. Möglicherweise wird sich der Aufsichtsrat aber noch einmal mit dem Thema befassen.

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