Schwacher Ausblick Thyssenkrupp zahlt nach vier Jahren wieder Dividende – und warnt vor Gewinnrückgang

Vor allem bei Stahl und im Werkstoffhandel machte Thyssenkrupp im Geschäftsjahr 2021/22 gute Geschäfte – und zahlt nach einem deutlichen Gewinnanstieg wieder eine Dividende. Vorstandschefin Martina Merz blickt aber verhalten in die Zukunft.
Verhaltener Blick auf das neue Geschäftsjahr: Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz

Verhaltener Blick auf das neue Geschäftsjahr: Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz

Foto: FRIEDEMANN VOGEL / EPA

Der Industriekonzern Thyssenkrupp will nach Zuwächsen im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit Jahren wieder eine Dividende ausschütten. Die Anleger sollen 15 Cent je Aktie erhalten, teilte das Unternehmen am Donnerstag zur Bilanzvorlage für das Geschäftsjahr 2021/22 (Ende September) mit. Zuletzt hatte der Traditionskonzern für das Geschäftsjahr 2017/18 eine Dividende von ebenfalls 15 Cent je Anteilsschein gezahlt.

Die Thyssenkrupp AG hat rund 200.000 Aktionäre. Größte Einzelaktionärin ist die Alfred Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung mit einem Anteil von rund 21 Prozent. Auf weitere institutionelle Anleger und Anleger mit größeren Aktienbeständen entfallen etwa 64 Prozent. Privatanleger halten rund 15 Prozent des Grundkapitals.

Dank starker Ergebnisse der Stahlsparte und im Materialhandelsgeschäft konnte Thyssenkrupp im vergangenen Geschäftsjahr das operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) auf 2,1 Milliarden Euro fast verdreifachen. Unter dem Strich blieben nach Anteilen Dritter 1,1 Milliarden Euro in der Kasse nach einem Verlust von 115 Millionen Euro im Vorjahr.

Beim Ausblick geht Thyssenkrupp unter anderem wegen der inzwischen gesunkenen Stahlpreise von einem schwierigen Geschäftsjahr 2022/23 aus. So erwartet das Unternehmen nur ein operatives Ergebnis im mittleren bis hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Für den Jahresüberschuss rechnet das Management mit einem mindestens ausgeglichenen Wert. Ursache hierfür seien geringere Preise bei Steel Europe und Materials Services. Hinzu kämen höhere Kosten etwa für Energie, die hohe Inflation und steigende Zinsen.

"Wir bereiten uns auch auf das schwierigste Szenario vor"

Thyssenkrupp-Finanzchef Klaus Keysberg

Vorstandschefin Martina Merz (59) erklärte: "Unser Schwung beim Veränderungsprozess wurde zwar gebremst, aber wir haben drei externe Schocks – Pandemie, Halbleitermangel und Krieg – vergleichsweise robust wegstecken können." Finanzchef Klaus Keysberg (57) betonte, es könne noch niemand sagen, wie groß die Herausforderungen würden und wie lange sie anhalten. "Wir bereiten uns aber auch auf das schwierigste Szenario vor", sagte er. Ziel bleibe bei dem vom Markt stark beachteten Free Cashflow vor M&A einen ausgeglichenen Wert zu erreichen. Trotz Verbesserungen lag dieser im abgelaufenen Geschäftjahr noch bei minus 476 Millionen Euro.

Abspaltung des Stahlgeschäfts steht in den Sternen

Im Stahlgeschäft konnte der deutsche Marktführer mit höheren Preisen eine schwächere Nachfrage der von Material- und Lieferengpässen heimgesuchten Automobilbranche wettmachen. Operativ fuhr die Sparte einen Gewinn von 1,2 Milliarden Euro ein – nach 116 Millionen Euro im Jahr zuvor.

Die Überlegungen für eine Abspaltung des Stahlgeschäfts kommen angesichts der unsicheren Rahmenbedingungen offenbar eher zurückhaltend voran. Thyssenkrupp gehe weiter davon aus, dass eine eigenständige Aufstellung dem Stahlgeschäft gute Zukunftsperspektiven eröffne. "Die konkrete Ausgestaltung muss aber aufgrund der aktuell unsicheren geopolitischen und gesamtwirtschaftlichen Lage offenbleiben."

rei/Reuters/DPA
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