Montag, 14. Oktober 2019

Konzern zieht vor Gericht der Europäischen Union Thyssenkrupp klagt gegen Verbot der Stahlfusion

Thyssenkrupp schmiedete an der Fusion mit Tata Steel, doch die Wettbewerbskommission der EU grätschte dazwischen
Marcel Kusch/dpa
Thyssenkrupp schmiedete an der Fusion mit Tata Steel, doch die Wettbewerbskommission der EU grätschte dazwischen

Der Industriekonzern Thyssenkrupp reicht wie angekündigt Klage beim Gericht der Europäischen Union (EuG) gegen das Verbot der Stahlfusion mit Tata Steel ein. Das Unternehmen halte die Entscheidung der EU-Kommission, den Zusammenschluss wegen Wettbewerbsbedenken zu untersagen, für falsch, erklärte Vorstand Donatus Kaufmann am Donnerstag.

"Die Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie ist nach wie vor richtig und notwendig, das zeigt auch die aktuell für die Stahlhersteller kritische Marktsituation", ergänzte Kaufmann. Die Überkapazitäten und der hohe Importdruck aus Asien schafften ein Umfeld, in dem das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel den Wettbewerb nicht beeinträchtigt hätte. "Deshalb reichen wir Klage ein."

Die EU-Kommission hatte im Juni den geplanten Zusammenschluss der Stahlsparte von Thyssenkrupp mit dem europäischen Geschäft von Tata Steel untersagt, weil sie den Wettbewerb bei bestimmten Stahlsorten für gefährdet hielt. Die von Thyssenkrupp und Tata Steel gemachten Zugeständnisse hielt die Behörde für nicht ausreichend. Thyssenkrupp bekräftigte am Donnerstag, diese Bedenken nicht zu teilen.

Für Thyssenkrupp hatte das Platzen des Geschäfts unmittelbare Folgen. Das Management unter Führung von Guido Kerkhoff musste einen Strategieschwenk vornehmen und die geplante Aufteilung des Unternehmens in zwei Gesellschaften absagen. Die Abhängigkeit vom volatilen und kapitalintensiven Stahlgeschäft ist damit wieder gestiegen. Kerkhoff stieß daher einen umfassenden Umbau an und sucht nun für verschiedene Industriegeschäfte Partner. Um Geld in die Kasse zu bekommen, will man das Aufzuggeschäft an die Börse bringen, allerdings bemühen sich nach Informationen von manager magazin Finanzinvestoren intensiv um die Sparte.

rei/dpa

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