Montag, 11. November 2019

Vor der Aufspaltung Thyssenkrupp kämpft mit Einbußen

Hochofen im Werk Schwelgern von Thyssenkrupp: Das Ergebnis der Stahlsparte ist eingebrochen

Thyssenkrupp hat im ersten Geschäftsquartal gut ein Viertel weniger Gewinn eingefahren. Das Ergebnis der Stahlsparte, die abgestoßen werden soll, brach ein. Selbst die lukrative Aufzugssparte schwächelte. Nach der Aufspaltung in zwei Unternehmen strebt Thyssenkrupp eine schlankere Führungsstruktur an.

Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen strebt nach der Teilung in zwei Unternehmen eine schlankere Führungsstruktur an. Für die neuen Unternehmen Industrials und Materials sollen die Vorstandsressorts auf jeweils drei reduziert und zentrale Funktionen zusammengelegt werden, teilte der Konzern am Dienstag in Essen mit.

Bis zum Geschäftsjahr 2020/21 will Thyssenkrupp die Verwaltungskosten für beide Unternehmen auf unter 300 Millionen Euro senken - von derzeit rund 380 Millionen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es durch die Teilung nicht geben. Investoren hatten immer wieder die hohen Verwaltungskosten kritisiert.

Kerkhoffs Konzernkneipe - lasst uns drüber sprechen

Vor der geplanten Aufspaltung des Mischkonzerns kämpft Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff mit Einbußen und zunehmenden Risiken für die Konjunktur. Das Unternehmen bestätigte zwar am Dienstag seine Prognose für steigende Gewinne im Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September), fügte jedoch hinzu: "Gleichzeitig nehmen aber konjunkturelle und politische Unsicherheiten zu."

Operativ fuhr der Konzern im ersten Quartal einen um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 333 Millionen Euro ein - das ist ein Minus von 26 Prozent.

Kerkhoff hob hervor, dass der Mischkonzern mit rund 160.000 Beschäftigten beim Auftragseingang und beim Umsatz zulegen konnte. Auch der Überschuss sei mit 145 Millionen Euro höher ausgefallen als im Vorjahr. Damals war das Ergebnis durch die Steuerreform in USA belastet worden.

Ergebnis der Stahlsparte eingebrochen

Kerkhoff hatte allerdings bereits auf der Hauptversammlung am 1. Februar die Anleger auch auf Einbußen vorbereitet. Das bereinigte Ebit sei zum Auftakt des Geschäftsjahres "erwartungsgemäß unter dem hohen Wert des Vorjahres" ausgefallen, bekräftigte er nun.


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Das Geschäft mit Autoteilen schwächelte ebenso wie der seit Jahren kriselnde Anlagenbau, der mit einem Fehlbetrag von 13 Millionen Euro in die Verlustzone rutschte. Das Ergebnis im Werkstoffhandel schmolz mit 22 Millionen Euro auf weniger als die Hälfte zusammen und selbst die lukrative Aufzugssparte fuhr mit 204 Millionen Euro 16 Millionen Euro weniger als zuvor ein.

Die Stahlsparte, die in ein Joint Venture mit Tata Steel abgestoßen werden soll, kam gerade noch auf ein operatives Ergebnis von 38 Millionen Euro. Vor Jahresfrist war es mehr als viermal soviel gewesen. Sie hatte im Herbst mit Lieferschwierigkeiten wegen des Rhein-Niedrigwassers zu kämpfen.

rei/Reuters/dpa

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