Sonntag, 26. Mai 2019

Vorzeitiger Rückzug ThyssenKrupp-Aufseher Keitel wirft hin

Hans-Peter Keitel: Abschied aus dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat

Der Industriekonzern ThyssenKrupp kommt nicht zur Ruhe. Aufsichtsratsmitglied Hans-Peter Keitel (71) legt seinen Posten zur Hauptversammlung im Februar vorzeitig nieder, ein Jahr vor Ablauf seiner Amtszeit. Wie mm-online aus dem Umfeld Keitels erfuhr, hat der langjährige Topmanager (Hochtief) und Spitzenfunktionär (Bundesverband der Deutschen Industrie) seinen Rückzug kurz vor Weihnachten in einem Brief an den amtierenden Aufsichtsratsvorsitzenden Bernhard Pellens angekündigt.

Ärger hat sich bei Keitel aufgestaut. Er wolle, so die Begründung für seine Demission, das strategische und personelle Chaos im Konzern nicht mehr mittragen.

Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen befindet sich derzeit in rauem Fahrwasser. Auf vielen Geschäftsfeldern zeigen sich operative Schwächen, die Aufteilung des Konzerns in zwei Teile kostet viel Geld und bindet Managementkapazitäten.

Die nach den Rücktritten der Kontrolleure René Obermann und Ulrich Lehner (Vorsitz) frei gewordenen Posten werden zur Hauptversammlung neu besetzt. Um die Lehner-Nachfolge bewirbt sich die Berufsaufsichtsrätin und frühere Bosch-Angestellte Martina Merz. Auf den zweiten freien Stuhl will sich Wolfgang Colberg setzen, derzeit als Senior Advisor beim Finanzinvestor CVC unter Vertrag.

Beide Personalentscheidungen hält Keitel nach mm-Informationen für nicht überzeugend.

Der erfahrene Manager ist nicht irgendein Kontrolleur: Er wacht seit 2010 über ThyssenKrupp, sitzt im Aufsichtsratspräsidium und in wichtigen Ausschüssen. Beim Hambach-geschädigten Energiekonzern RWE ist er Ratsherr. Aus dem Aufsichtsrat und Gesellschafterausschuss des Anlagenbauers Voith, die er anführt, zieht er sich im Frühjahr altersbedingt zurück.

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