Freitag, 19. April 2019

Krise der Industrie-Ikone ThyssenKrupp enttäuscht mit Ergebnis, Aufspaltung kostet Millionen

Thyssenkrupp Stahlwerk Schwelgern bei Duisburg: Der Industriekonzern will sich mit einer Aufspaltung aus der Krise retten

Der Stahl- und Industriekonzern ThyssenKrupp sieht durch die geplante Aufspaltung erhebliche Kosten auf sich zukommen. Im neuen Geschäftsjahr 2018/19 (per Ende September) würden der Jahresüberschuss sowie der freie Mittelzufluss nach vorläufigen Berechnungen mit einem höheren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag belastet, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. ThyssenKrupp will sich in zwei Teile spalten: In ein Unternehmen für die Industriebereiche, sowie ein weiteres für die Werkstoffgeschäfte. Über die Spaltung soll die Hauptversammlung im Januar 2020 abstimmen.

Der von ThyssenKrupp Börsen-Chart zeigen vorgesehene Zeitplan sieht dabei vor, dass die neuen Unternehmen zum 1. Oktober 2019 weitgehend operativ selbstständig aufgestellt werden sollen. Den Spaltungsbericht will der Konzern dabei zur Bilanzpressekonferenz im kommenden Jahr vorlegen. Über die Besetzung der beiden Vorstandsteams soll im Frühjahr 2019 entschieden werden.

ThyssenKrupp erhofft sich durch die Teilung eine Wertsteigerung der einzelnen Geschäfte, etwa durch die Hebung stiller Reserven im Aufzuggeschäft. Zudem sollen die Unternehmen einzeln wettbewerbsfähiger werden und schnellere Entscheidungen treffen können.

Deutlich höhere Überschuss im neuen Geschäftsjahr erwartet

Trotz der Belastungen erwartet ThyssenKrupp für das neue Jahr einen deutlich höheren Jahresüberschuss im Vergleich zum Vorjahr. Ergebnissteigerungen der fortgeführten Geschäfte sowie positive Effekte aus dem erwarteten Abschluss des Stahl-Gemeinschaftsunternehmen mit Tata Steel sollen die Belastungen überkompensieren, hieß es. In der Prognose für das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) sind die Ergebnisse des Stahlgeschäfts nicht mehr enthalten. Das Gemeinschaftsunternehmen, dessen Genehmigung durch die europäische Wettbewerbsbehörde immer noch aussteht, sieht ThyssenKrupp dabei im Plan.

Im fortgeführten Geschäft erwartet ThyssenKrupp für das bereinigte Ebit einen Anstieg von vergleichbar 706 Millionen auf mehr als eine Milliarde Euro. Zu der Steigerung sollen auch die geplanten Einsparungen beitragen.

Überschuss im vergangenen Geschäftsjahr niedriger als erwartet

Im vergangenen Geschäftsjahr sank der Jahresüberschuss bereinigt um die verkauften Stahlaktivitäten in Amerika von 271 Millionen auf 60 Millionen Euro. Probleme bei Projekten im Anlagen- und Schiffbaugeschäft, Qualitätsprobleme bei der Komponentensparte, hohe Rohstoffkosten bei Aufzügen sowie Rückstellungen für das laufende Stahl-Kartellverfahren waren der Grund dafür.

ThyssenKrupp hatte deswegen Anfang November zum zweiten Mal die Prognose gesenkt. Der Jahresüberschuss fiel nochmals niedriger als von ThyssenKrupp mit zuletzt etwa 100 Millionen Euro prognostiziert aus. Die Aktionäre sollen trotzdem eine unveränderte Dividende von 0,15 Euro je Aktie erhalten.

Das bereinigte Ebit sank von 1,72 auf 1,55 Milliarden Euro. Ursprünglich hatte sich ThyssenKrupp einmal eine Bandbreite von 1,8 bis 2 Milliarden Euro beim Ebit gesetzt. Dabei erreichte der Konzern mit 890 Millionen Euro höhere Einsparungen als ursprünglich mit 750 Millionen Euro geplant.

Streit im Aufsichtsrat über Daimler-Finanzchef Uebber

ThyssenKrupp-Chef Guido Kerkhoff buhlt nach den Einbrüchen beim Ergebnis und Aktienkurs um das Vertrauen bei den verschreckten Investoren. "Wir bekennen uns klar zu unseren bestehenden Performance-Zielen. Mit den Geschäftsbereichen sind Maßnahmen vereinbart, um diese zu erreichen", kündigte der Manager bei der Vorlage der Zahlen an.

Kerkhoff kündigte an, das Stahl-Joint-Venture und die geplante Aufspaltung des Konzerns voranzutreiben und die Sparten auf Rendite zu trimmen. "Die Teilung reduziert die Komplexität und erlaubt es beiden Unternehmen, unabhängiger, schneller und zielgerichteter auf Kunden und Märkte zu reagieren und Investoren mit unterschiedlicher Ausrichtung anzusprechen."

Kerkhoff hat aber noch eine andere Baustelle: Nach Informationen von manager magazin konnte sich der Aufsichtsrat am Dienstag nicht auf die Berufung des Daimler-Finanzchefs Bodo Uebber einigen. Lediglich die frühere Bosch-Managerin Martina Merz wird nun einen der beiden vakanten Posten in dem Gremium besetzen.


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Wer hat bei Thyssenkrupp die Macht, Herr Pellens?


Dem Vernehmen nach störten sich vor allem die Arbeitnehmervertreter rund um Aufsichtsratsvize Markus Grolms daran, dass Uebber gleich nach der Wahl den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen wollte.

mg/rtr, dpa-afx

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