Schwedischer Finanzinvestor Cevian kehrt Thyssenkrupp den Rücken

Der Finanzinvestor Cevian zieht sich nach fast zehn Jahren vom Industriekonzern Thyssenkrupp zurück. Erst kürzlich hatte Vorstandschefin Martina Merz bekannt gegeben, erstmals nach vier Jahren wieder eine Dividende zu zahlen.
Neuaufstellung: Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz

Neuaufstellung: Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz

Foto: Oliver Berg / dpa

Cevian Capital hat seine Beteiligung an Thyssenkrupp bis auf einen Restanteil von unter einem Prozent reduziert, teilte der schwedische Finanzinvestor am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters mit. Cevian habe die Entscheidung im Zuge seiner regelmäßigen Portfolioanpassung getroffen.

Die Schweden hatten ihren Anteil bereits im vergangenen Jahr auf 7,9 Prozent fast halbiert und Ende September 2022 nur noch einen Anteil von 6,6 Prozent gemeldet. Mit dem Verkauf dürften sie gut 180 Millionen Euro erlöst haben.

Nach der Nachricht über den Rückzug rutschte der Thyssen-Aktienkurs  zeitweise mehr als 4 Prozent ins Minus auf 5,20 Euro. Cevian hatte im September 2013 erstmals eine Beteiligung bei dem Ruhrkonzern gemeldet – zu einer Zeit, als der Aktienkurs bei 17 bis 19 Euro lag.

Der Investor baute seine Beteiligung auf bis zu 18 Prozent aus und war über Jahre der zweitgrößte Einzelaktionär nach der Krupp-Stiftung, die auch heute noch rund 21 Prozent hält. Die Jahre waren geprägt von Restrukturierungen, Jobabbau, Beteiligungsverkäufen, Strategiewechseln und schließlich der Neuaufstellung unter der amtierenden Vorstandschefin Martina Merz (59).

Uneinigkeit über Strategie des Traditionskonzerns

Mit Jens Tischendorf und seit 2020 mit seiner Nachfolgerin Friederike Helfer sind die Schweden noch im Aufsichtsrat vertreten. Dort wurde in den vergangenen Jahren immer wieder über die Struktur und Strategie des Traditionskonzerns gerungen. Cevian-Gründer Lars Förberg forderte vom Management, den Konzern wettbewerbsfähiger aufzustellen und die Kosten zu senken. Die Arbeitnehmervertreter blickten stets kritisch auf den Großaktionär, den sie als rein profitorientierten "Heuschrecken"-Investor wahrnahmen.

Thyssenkrupp ist nicht die einzige Beteiligung Cevians in Deutschland. Der Investor hält auch 26,67 Prozent der Anteile am Industriedienstleister Bilfinger. Die Aktie hat seit der ersten Meldung einer Beteiligung von Cevian im Jahr 2011 ebenfalls an Wert verloren.

Besser lief es nach dem Einstieg mit 10 Prozent beim Düsseldorfer Kranbauer Demag Cranes. Cevian stieg nach nur einem Jahr im August 2011 wieder aus, nachdem der US-Baumaschinenkonzern Terex Demag übernommen hatte. Cevian hatte seinen Einsatz verdoppelt.

hr/reuters
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