Dienstag, 12. November 2019

Thyssenkrupp-Arbeitnehmer kündigen Widerstand an Thyssenkrupp einigt sich mit Tata auf Stahlfusion

Proteste gegen die geplante Fusion: Stahlarbeiter von Thyssenkrupp

Thyssenkrupp und Tata wollen ihr Stahlgeschäft zusammenlegen. Beide Konzerne unterzeichneten eine entsprechende Erklärung. Spätestens Ende 2018 soll der neue Konzern Thyssenkrupp Tata Steel seine Arbeit aufnehmen können. Zum Problem dürfte die Suche nach einem Kompromiss mit den Betriebsräten werden, die massiven Widerstand gegen die Pläne angekündigt haben.

Nach anderthalbjährigen Verhandlungen treiben Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen und Tata Steel ihre Pläne für eine Fusion der Stahlgeschäfte entschieden voran. Die Konzerne haben eine Absichtserklärung für ein Joint Venture ihrer europäischen Stahlaktivitäten unterzeichnet, teilten die Unternehmen am Mittwoch mit. "Ziel ist es, einen führenden europäischen Flachstahlanbieter zu schaffen."

Beide Konzerne sollen an dem Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in den Niederlanden je 50 Prozent halten. Die neue Firma wäre der zweitgrößte europäische Stahlkonzern nach ArcelorMittal Börsen-Chart zeigen. Anleger reagierten begeistert, die Aktie legte am Morgen 4,75 % zu.

"Mit dem geplanten Joint Venture geben wir den europäischen Stahlaktivitäten von Thyssenkrupp und Tata eine nachhaltige Zukunftsperspektive", sagte Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger. "Wir haben mit Tata einen Partner gefunden, der strategisch und kulturell sehr gut zu uns passt."

4000 Jobs stehen auf der Kippe

Das Unternehmen mit dem Namen Thyssenkrupp Tata Steel solle rund 48.000 Mitarbeiter beschäftigen. Es komme auf einen Pro-forma-Umsatz von 15 Milliarden Euro. ThyssenKrupp und Tata versprechen sich Synergieeffekte von 400 bis 600 Millionen Euro. Durch den Zusammenschluss würden bis zu 2000 Jobs in der Verwaltung wegfallen und möglicherweise bis zu 2000 weitere Stellen in der Produktion. Die Lasten sollen beide Partner etwa zu gleichen Teilen tragen.

Die Verhandlungen wollen Thyssen und Tata bis Anfang 2018 abschließen, die gesamte Transaktion soll bis Ende 2018 nach Zustimmung der Fusionskontrollbehörden komplett über die Bühne gebracht werden.

Am Freitag wollen die Stahlkocher von Thyssenkrupp in Bochum gegen die Pläne demonstrieren. Die IG Metall erwartet mehrere tausend Teilnehmer. Die IG Metall und die Betriebsräte hatten am Dienstag zwar eine Zustimmung zu den Plänen nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen. Sie fordern aber unter anderem Garantien für die Sicherung der Arbeitsplätze und der Standorte der Stahlsparte. Diese beschäftigt rund 27.000 Mitarbeiter.

IG Metall: Garantien für die Beschäftigten, sonst wird das nichts

Die IG Metall erklärte am Mittwochmorgen, der Vorstand könne eine Absichtserklärung auch ohne Zustimmung des Aufsichtsrates unterzeichnen. "Herrn Hiesinger muss aber klar sein, dass er am Ende für die Umsetzung einer Fusion die Zustimmung des Aufsichtsrates braucht", sagte der IG Metall-Vertreter im Kontrollgremium von Thyssenkrupp Steel Europe, Detlef Wetzel. An der Haltung der Arbeitnehmervertreter habe sich nichts geändert, so der frühere Chef der IG Metall. "Wir wollen Sicherheit mit Blick auf die Risiken. Wir fordern Garantien für die Beschäftigten. Wenn das nicht passiert, dann wird das nichts."

Hat eine harte Auseinandersetzung mit Betriebsräten und womöglich noch so manchem Investor vor sich: Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger
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Hat eine harte Auseinandersetzung mit Betriebsräten und womöglich noch so manchem Investor vor sich: Thyssenkrupp-Chef Heinrich Hiesinger

Will Konzernchef Hiesinger seine Fusionspläne durch den Aufsichtsrat bekommen, wird er den Arbeitnehmervertretern gegenüber Zugeständnisse machen müsse, um sie noch auf seine Seite zu ziehen. Das könnte auch dringend notwendig werden - denn die Stimmen aller Vertreter der Kapitalseite sind ihm keinesfalls sicher. Als Wackelkandidat gilt etwa der schwedische Großaktionär Cevian, der Gerüchten zufolge bereits mit einer Zerschlagung des Gesamtkonzerns liebäugeln soll. Umgekehrt könnte Hiesinger Cevian vergrätzen, machte er den Arbeitnehmern zu kostspielige Zugeständnisse.

Auch der Betriebsrat der Thyssenkrupp-Stahlsparte kritisierte die Fusionspläne. "Der Vorstand hat gegen alle Warnungen alles auf eine Karte gesetzt. Das bedeutet nicht, dass wir das gutheißen", sagte der Betriebsratschef der Stahlsparte, Günter Back. Der Betriebsrat habe jetzt die Aufgabe, diese aus seiner Sicht falsche Entscheidung mitzugestalten. Ziel müsse es dabei sein, "das Schlimmste" zu vermeiden.

Back zeigte sich überzeugt, dass es bei einer Fusion nicht bei dem angekündigten Abbau von rund 2000 Stellen bei Thyssenkrupp in Deutschland bleiben werde. Am Ende würden einem Zusammenschluss "wesentlich mehr" Arbeitsplätze zum Opfer fallen, meinte er.

Wer will was? Der Fünfer-Kampf um die Zukunft von Thyssenkrupp

Rei/dpa/Reuters

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