Mittwoch, 27. Mai 2020

Nur noch zwei Bieter für Aufzuggeschäft Kone sät Zweifel an Stabilität von Thyssenkrupp - Aktie stürzt

Thyssenkrupp: Kone steigt aus Bieterrennen um Thyssens Aufzugsparte aus. Noch zwei Finanzinvestoren sind dabei
picture alliance/dpa
Thyssenkrupp: Kone steigt aus Bieterrennen um Thyssens Aufzugsparte aus. Noch zwei Finanzinvestoren sind dabei

Die Krise des Traditionskonzerns Thyssenkrupp spitzt sich zu: Die Aktien von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen sind am Mittwoch abermals gefallen. Am Nachmittag notierten sie mit minus 2,2 Prozent nur noch knapp über 10 Euro. Sie weiteten damit ihre Vortagesverluste aus und zählten zu den größten Verlierern im MDax Börsen-Chart zeigen. Allein in dieser Woche hat die Aktie von Thyssenkrupp gut 10 Prozent an Wert verloren.

Der Industriekonzern hatte am Vortag mitgeteilt, künftig nur noch mit zwei Konsortien aus Finanzinvestoren über den Verkauf der Aufzugsparte zu verhandeln. Noch mit dabei sind ein Gespann aus Blackstone, Carlyle und Canadian Pension Plan sowie eines aus Advent und Cinven. Der strategische Käufer Kone ist damit vorerst aus dem Rennen.

Die Finnen bestreiten die Sicht von Thyssenkrupp, ihr höheres Gebot sei an kartellrechtlichen Bedenken gescheitert. Vielmehr meldete Kone seinerseits Zweifel an der finanziellen Stabilität des Ruhrkonzerns an. "Wir konnten nicht weiter gehen", begründete Kone-Chef Hendrik Ehrnrooth im Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" den Rückzug von Kone.

"Nach der Rating-Abstufung durch Moody's am Montag war für uns klar, dass das finanzielle Risiko zu groß würde", beschrieb der Kone-Chef in dem Interview seine Sicht der Dinge. Sein Unternehmen sei zu einem Abschlag von 2,5 Milliarden Euro bereit gewesen, doch "wenn Thyssenkrupp zwischen der Unterzeichnung und dem Vollzug der Übernahme insolvent werden würde, hätten wir dieses Geld verloren. Dieses Risiko wurde uns zu groß."

Thyssenkrupp sieht es als Affront, dass der Wettbewerber eine Pleite ins Spiel bringt. Die "FAZ" zitiert aus einem Schreiben von Finanzvorstand Johannes Dietsch an die Führungskräfte. Thyssenkrupp verfüge über 5,1 Milliarden Euro liquide Mittel und habe Kone aufgefordert, solche Aussagen zu unterlassen.

Ziel ist aus Sicht von Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen ein Mehrheits- oder Vollverkauf der Sparte. Der Ruhrkonzern ist auf Einnahmen aus dem Verkauf der Aufzugsparte dringend angewiesen, um seine Schulden zu bedienen. Das Jahr 2019 hatte Thyssenkrupp mit tiefroten Zahlen beendet.

ThyssenKrupp Chefin Martina Merz: Allein unter Memmen

Dass der Industriekonzern die Aufzugsparte an Finanzinvestoren verkaufen wolle, sei keine Überraschung, schrieb Analyst Christian Obst von der Baader Bank. Dies sei der sicherste und einfachste Weg, das Geschäft zu Geld zu machen. Allerdings würde sich der Konzern mit einem Komplettverkauf oder dem Verkauf eines Großteils der Sparte von einem Gewinnbringer verabschieden. Er habe hingegen damit gerechnet, dass der Verkauf eines Minderheitsanteils ausreiche, um den Konzernumbau zu finanzieren und gleichzeitig auch zukünftig von den Einnahmen und einer Höherbewertung der Aufzugsparte zu profitieren.

Auf einen weiteren Aspekt verwies Sven Diermeier von Independent Research: Bei einem Verkauf des Aufzuggeschäfts an Finanzinvestoren dürfte der Personalabbau nicht so umfangreich sein wie bei einem Verkauf an die finnische Kone. "Dies dürfte im Sinne der Gewerkschaften sein", vermutete der Analyst. Am Markt dürfte die Enttäuschung überwiegen, dass mit Kone der Bieter mit dem wohl höchsten Kaufpreisangebot zunächst nicht zum Zuge komme.

Unterdessen büßten auch die Aktien des Stahlhändlers Klöckner & Co 5,7 Prozent ein. Im Sommer vergangenen Jahres kursierten Spekulationen, Thyssenkrupp könne den Duisburger Stahlhändler übernehmen oder seine Werkstoffsparte mit KlöCo zusammenlegen. Klöckner-Aktien reagierten seinerzeit mit einer Kurs-Rally auf diese Überlegungen. Doch offenbar liegen auch diese Fusions-Überlegungen derzeit auf Eis.

la/ak/dpa

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung