Donnerstag, 19. September 2019

Interesse offiziell bestätigt Kone wirbt um Aufzugsparte von Thyssenkrupp

Thyssenkrupps Aufzug Testturm in Rottweil: Konkurrent Kone hat Interesse an der Aufzugsparte
obs/ThyssenKrupp Elevator AG/Philipp Brem
Thyssenkrupps Aufzug Testturm in Rottweil: Konkurrent Kone hat Interesse an der Aufzugsparte

Nachdem Thyssenkrupp Börsen-Chart zeigen für die profitable Aufzugsparte nun auch einen Komplettverkauf prüft, hat der finnische Konzern Kone als erstes Unternehmen offiziell Interesse bekundet. "Beide Firmen sind sehr komplementär aufgestellt", sagte Kone-Vorstandschef Henrik Ehrnrooth dem "Handelsblatt". Im erwarteten Wettbewerb mit Finanzinvestoren rechnet er sich daher gute Chancen aus: "Die Kombination von Kone und Thyssenkrupp Elevator ist diejenige, die industriell am meisten Sinn ergibt. Ich denke, dass das am langen Ende den Ausschlag geben wird."

Kone gehört neben Thyssenkrupp Elevator, dem Schweizer Unternehmen Schindler sowie dem US-Konzern Otis zu den vier Unternehmen, die die Branche global anführen. Ehrnrooth eröffnet mit seinen Aussagen das Buhlen um die Aufzugsparte, für die der kriselnde Industriekonzern derzeit die Optionen auslotet. Das Unternehmen will sich auf das Stahlgeschäft fokussieren und hat "einen strukturierten Prozess für die Bewertung von Angeboten von strategischen Investoren und Finanzinvestoren eingeleitet", teilte eine Sprecherin am Mittwoch mit. Bereits im August hatte manager magazin berichtet, dass die Aufzugsparte auf großes Interesse von Finanzinvestoren stoße. Für Private-Equity-Gesellschaften sei der Fall eine einmalige Gelegenheit. Auch ein Börsengang wird geprüft. Da dieser im im aktuellen Umfeld aber schwer realisierbar ist, hat die Konzernführung parallel mögliche Interessenten per Brief zur Abgabe eines Angebots aufgefordert. Die Sparte gilt als Ertragsperle und wird deutlich höher bewertet als der Gesamtkonzern.


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Mit Details, wie sein Angebot aussehen würde, hielt der Kone-Chef sich zurück. "Ich denke nicht, dass Geld ein Hindernis sein würde", betonte Ehrnrooth aber. Das Unternehmen ist weitgehend im Familienbesitz. Nach Angaben aus Finanzkreisen könnten die Offerten bei über 15 Milliarden Euro liegen. Sorge über ein Veto der EU-Kommission hat Kone-Manager Ehrnrooth nach eigener Aussage nicht: "Wir haben verschiedene Szenarien bewertet und sind der Meinung, dass eine Fusion aus kartellrechtlicher Sicht möglich ist", sagte er. "Der Markt ist sehr fragmentiert, der Wettbewerb würde aus unserer Sicht nicht eingeschränkt."

Ein Börsengang oder Verkauf des lukrativen Aufzugsgeschäfts ist Teil des groß angelegten Umbau des Konzerns, der schon länger unter der Krise der Stahlbranche leidet. Den neuen Kernbereich soll das Werkstoffgeschäft gemeinsam mit der Stahlproduktion bilden, die ursprünglich durch eine Fusion mit Tata Steel Europa vom Hof gebracht werden sollte. Das Vorhaben war aber am Veto der Wettbewerbshüter gescheitert. Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Thyssenkrupp im Leitindex Dax Platz für MTU machen muss.

jl

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