Dienstag, 22. Oktober 2019

Dritte Gewinnwarnung von Thomas Cook Tui-Rivale landet hart, Aktie bricht ein

Thomas Cook mit höherem Verlust wegen Brexit, steigenden Kosten und Preiskampf

Brexit, Preiskampf und steigende Kosten lassen den Gewinn des britischen Reisekonzerns Thomas Cook Börsen-Chart zeigen im zweiten Halbjahr erneut schrumpfen. Nach einem höheren operativen Verlust in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2018/19 werde der Betriebsgewinn in der zweiten Jahreshälfte unter Vorjahr liegen, warnte Thomas Cook am Donnerstag in London.

Die dritte Gewinnwarnung in weniger als einem Jahr ließ die Aktien an der Londoner Börse in der Spitze um gut 20 Prozent auf 17,77 Pence einbrechen, den tiefsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Seit Mai 2018 hat das Papier fast 90 Prozent verloren. An der Börse ist Thomas Cook umgerechnet gerade noch rund 340 Millionen Euro wert. Thomas Cook will sich durch den Verkauf seiner Airlines neue Finanzkraft verschaffen - zu den möglichen Käufern gehört die Lufthansa. Sie ist vor allem am deutschen Ferienflieger Condor interessiert.

Thomas Cooks größter Rivale Tui Börsen-Chart zeigen, dessen Aktie seither ebenfalls heftig gebeutelt wurde, kommt auf rund 5,5 Milliarden Euro. Tui hatte vor wenigen Tagen ebenfalls vor einem Gewinneinbruch gewarnt. Rückläufige Buchungen und das Flugverbot für die Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max macht dem Konzern zu schaffen.

Briten verschieben wegen Brexit ihre Reispläne

Vor allem der Brexit verdirbt dem ältesten Reisekonzern der Welt das Geschäft am Heimatmarkt Großbritannien. Es gebe kaum Zweifel, dass viele Briten wegen des EU-Austritts des Landes ihre Urlaubspläne verschöben, sagte Konzernchef Peter Fankhauser. Aber auch andernorts in Europa, vor allem in Deutschland, hielten sich Konsumenten zurück. In Schweden seien Flugreisen wegen der Klimaschutzbewegung, die von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ausgelöst wurde, weniger gefragt."Wir sind in einem sehr harten Geschäftsumfeld."


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Selbst das reduzierte Sommerangebot ist gerade zur Hälfte verkauft

Vom Sommergeschäft, für das Thomas Cook das Angebot gegenüber dem Vorjahr schon reduzierte, seien erst 57 Prozent verkauft. Die Reisebuchungen für den Sommer lägen zwölf Prozent unter Vorjahr. "Wir haben schon zu einem frühen Zeitpunkt ein hohes Rabattniveau", sagte Fankhauser. Zugleich stiegen Treibstoffkosten für die Thomas Cook Airlines und Hotelpreise.

"Für die Kunden gibt es diesmal großartige Deals, für sie wird der Sommer zum Paradies", sagte Fankhauser mit Blick auf die Rabattschlachten. Doch was den Urlaubern gefallen dürfte, ist für das Unternehmen und seine Anteilseigner gar nicht gut. Hatte das Management bisher gehofft, den operativen Gewinn (bereinigtes Ebit) im Sommerhalbjahr zumindest stabil zu halten, so ist es damit nun vorbei.

Verlust im ersten Halbjahr deutlich gestiegen

Im ersten Halbjahr stieg der saisonal übliche operative Verlust daher auf 245 Millionen Pfund (281 Millionen Euro), im Vorjahr stand ein Minus von 170 Millionen Pfund. Schon im vergangenen Geschäftsjahr war der Betriebsgewinn fast um ein Fünftel auf 250 Millionen Pfund eingebrochen.

rtr/dpa/akn

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