Montag, 22. April 2019

Vivendi gegen Elliott - neuer Konzernchef berufen Machtkampf bei Telecom Italia spitzt sich zu

Telecom Italia: Neuer Konzernchef gekürt

Der Machtkampf bei Telecom Italia spitzt sich zu. Der Verwaltungsrat berief am Sonntagabend Luigi Gubitosi auf den Chefposten der verlustreichen Telecom Italia Börsen-Chart zeigen (Tim) - gegen den Willen des französischen Haupteigners Vivendi Börsen-Chart zeigen. Gubitosis Vorgänger Amos Genish rief nun zu einer Aktionärsrevolte auf.

Paul Singer, Gründer des US-Hedgefonds Elliott

Gubitosi wurde gegen die Stimmen von Vivendi, aber mit den Stimmen des US-Hedgefonds Elliot auf den Spitzenposten gehoben. Nun deutet sich an, dass ein aggressiverer Umbau bevorsteht als bislang geplant. Der französische Medienkonzern Vivendi hält derzeit 24 Prozent der Anteile und streitet seit Monaten mit dem Hedgefonds Elliott des US-Investors Paul Singer um den Kurs bei Tim. Elliott hält 8,8 Prozent an Tim.

Der 57-jährige Gubitosi ist derzeit einer von drei Sonderverwaltern, die im Mai 2017 die Aufsicht bei Alitalia übernommen hatten, nachdem ein Sanierungsplan für die Airline gescheitert war. Der Manager war schon Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RAI und des Tim-Konkurrenten Wind Telecommunications. Bei der Telecom Italia wurde Gubitosi im Mai von Elliott zunächst als externes Mitglied in den Verwaltungsrat berufen. Der US-Fonds hatte Vivendi im Mai die Kontrolle über das Gremium entrissen.

Nun folgt Gubitosi dem bisherigen Telecom-Italia-Chef Amos Genish nach, der am vergangenen Dienstag überraschend seinen Posten räumen musste. Hintergrund war ein Zerwürfnis über die Konzernstrategie, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen berichten. Mehrere von Elliott berufene Verwaltungsratsmitglieder wollten demnach, dass Genish sich stärker auf eine Ausgliederung der Festnetz-Sparte sowie Geschäftsverkäufe konzentriere.

Noch im April hatten 98 Prozent der Aktionäre Genishs Umstrukturierungsplan unterstützt, der die digitale Transformation des Unternehmens und die Verbesserung der Finanzlage in den Mittelpunkt stellt. Telecom Italia ächzt unter einem Schuldenberg von netto 25 Milliarden Euro und sieht sich mit einem gestiegenen Wettbewerbsdruck konfrontiert, insbesondere durch den Markteintritt des französischen Billiganbieters Iliad.


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Genish gehört auch nach seinem Rauswurf als Konzernchef noch dem Verwaltungsrat an. Er versucht nun, eine außerordentliche Hauptversammlung durchzusetzen. Dazu braucht er die Unterstützung von fünf Prozent der Eigner. Die Aktionäre sollen auf dem Treffen eine Grundsatzentscheidung über den drohenden Strategiewechsel fällen. Schließlich gehe es um eine Aufspaltung von Telecom Italia, sagte Genish vor Journalisten. Vivendi dürfte ihn nach Auskunft einer mit der Situation vertrauten Person in seinem Vorhaben unterstützen. Im Verwaltungsrat habe der französische Konzern gegen Gubitosi gestimmt, sagte ein Vivendi-Sprecher.

reuters/afp/akn

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