Luftfahrt-Investor trennt sich von Anteil David Neeleman macht Weg zur Rettung der TAP frei

Der portugiesische Staat springt bei der Airline TAP als Retter ein und baut seinen Anteil auf 72,5 Prozent aus. Dazu musste er aber lange mit dem umtriebigen Luftfahrt-Unternehmer David Neeleman verhandeln.
David Neeleman: Dieser Mann hat nur Flugzeuge im Kopf. Der brasilianisch-amerikanische Unternehmer hat fünf Airlines gegründet und gibt nun seinen Anteil von 22,5 Prozent an der TAP Air Portugal an den portugiesischen Staat ab.

David Neeleman: Dieser Mann hat nur Flugzeuge im Kopf. Der brasilianisch-amerikanische Unternehmer hat fünf Airlines gegründet und gibt nun seinen Anteil von 22,5 Prozent an der TAP Air Portugal an den portugiesischen Staat ab.

Foto: Rafael Marchante/ REUTERS

Der brasilianisch-amerikanische Airline-Unternehmer David Neeleman (60) gibt sein großes Investment in Europa auf. Der Gründer fünf verschiedener Fluggesellschaften wird seinen 22,5-prozentigen Anteil an TAP Air Portugal im Zuge einer staatlichen Rettung abgeben, erklärte die portugiesische Regierung am späten Donnerstagabend.

Der Staat stocke seinen Anteil an der durch die Corona-Pandemie schwer angeschlagenen Fluggesellschaft von 50 auf 72,5 Prozent auf, nachdem man sich nach langen Verhandlungen mit Neeleman geeinigt habe, sagte Finanzminister João Leão in Lissabon.

Fotostrecke

Lufthansa im Vergleich: Diese Airlines bekommen Staatshilfe

Foto: Ralph Orlowski / Reuters

"Dies ist eine wichtige Vereinbarung und eine gute Lösung für TAP", zitierte die Zeitung "Publico" den Minister für Infrastruktur, Pedro Nuno Santos.

Der Vereinbarung zufolge reduziert sich der Anteil des Konzerns Atlantic Gateway von bisher 45 auf 22,5 Prozent. In diesem Konsortium hatte Neeleman seine Anteile mit dem portugiesischen Unternehmer Humberto Pedrosa gebündelt. Beide zusammen hatten 2015 als Teil einer Privatisierung im Zuge der Euro-Krise die TAP-Mehrheit vom Staat übernommen. Pedrosa soll auch künftig seine Beteiligung behalten. 5 Prozent des Aktienkapitals werden weiterhin von Mitarbeitern gehalten.

Für Neelemans Anteil zahlt der Staat den Angaben zufolge 55 Millionen Euro. Zuvor hatte Atlantic Gateway einen Notkredit des Staats von 1,2 Milliarden Euro blockiert, der mit Auflagen verbunden gewesen wäre. Um den Weg zur jetzigen Lösung freizumachen, musste die von Neeleman gegründete brasilianische Billigfluggesellschaft Azul ihr Recht aufgeben, ein 2016 gewährtes 90-Millionen-Euro-Darlehen in TAP-Aktien umzuwandeln.

Neeleman war auch Mitbegründer der ehemaligen Morris Air, die 1993 von Southwest Airlines aufgekauft wurde. 1999 wiederum startete er mit New Air eine Billigfluggesellschaft, die später in JetBlue Airways umgetauft wurde, die er aber 2007 verließ.

Nun also gibt Neeleman sein großes Investment in Europa ab. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, das die Lufthansa und United Airlines erwogen haben sollen, den portugiesischen Rivalen TAP gemeinsam zu übernehmen. Doch die Corona-Pandemie hat alles verändert: Die Lufthansa ist plötzlich selbst ein Sanierungsfall, muss tausende Stellen abbauen, und würde ohne staatliche Beteiligung wohl nicht überleben.

Lufthansa hatte mal Interesse an der TAP

Ob die Lufthansa überhaupt zum Zuge gekommen wäre, ist indes offen. Zumindest hätte sie mit erheblichem Widerstand rechnen müssen. Denn die TAP geniest in der sozialistisch geführten portugiesischen Regierung einen hohen Stellenwert.

Letztere hatte zuletzt mit einer Zwangsverstaatlichung der Airline gedroht, falls keine Einigung mit den privaten Investoren zustande kommen sollte. Auch eine Insolvenz war zeitweilig in Erwägung gezogen worden. Infrastrukturminister Santos hatte kürzlich bekräftigt: "TAP ist für Portugal zu wichtig, als dass das Land sich den Luxus leisten könnte, das Unternehmen zu verlieren." Immerhin kämen 60 Prozent der Touristen mit der nationalen Airline ins Land.

rei/ak/dpa/reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.