Nationalismus Takeda-Aktionäre revoltieren gegen Chef aus Frankreich

Revolution beim japanischen Pharmariesen Takeda: Die Gründerfamilie und zahlreiche Führungskräfte laufen Sturm gegen den neuen Chef aus Frankreich. Dessen einziges Problem: Er ist kein Japaner.
Christophe Weber: Der Takeda-COO und designierte neue Präsident stößt als Nicht-Japaner im Konzern auf Widerstand

Christophe Weber: Der Takeda-COO und designierte neue Präsident stößt als Nicht-Japaner im Konzern auf Widerstand

Foto: AFP

Hamburg/New York - Es ist ein Streit, der in anderen Ländern undenkbar wäre. In Japan läuft die Gründerfamilie des japanischen Pharmakonzerns Takeda samt einer ganzen Reihe ehemaliger Führungskräfte Sturm dagegen, dass ein Franzose künftig den größten asiatischen Pharmahersteller übernehmen soll. Er wäre der erste Ausländer in der mehr als 230-jährigen Firmengeschichte.

Stein des Anstoßes: Die für Freitag geplante Berufung des Franzosen und aktuellen COOs Christophe Weber zum Präsidenten des Arzneimittelherstellers und damit zum designierten Nachfolger des aktuellen Chefs Yasuchika Hasegawa. Dieser will sich 2015 vom CEO-Posten zurückziehen. Weber soll ihn beerben. Hasegawa führt Takeda bereits seit mehr als zehn Jahren.

Takeda solle ein "global wirklich wettbewerbsfähiges Unternehmen" werden, hatte der Arzneimittelhersteller anlässlich der Berufung Webers, eines ehemaligen Managers bei GlaxoSmithKline  angekündigt. Dafür seien "für jede Position globale Standards beim Talent" nötig.

Doch nun formiert sich Widerstand gegen die Personalie. Laut "Financial Times"  und der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun"  haben mehr als 110 Investoren und ehemalige Führungskräfte einen Brief unterzeichnet, der die Berufung von Nicht-Japanern in Führungspositionen in Frage stellt.

"Die Globalisierung des Unternehmens ist eine falsche Globalisierung", zitierte die "Financial Times" einen Sprecher  der Initiative, den früheren Manager Yujiro Hara. "Es sollte als japanisches Unternehmen globalisiert werden."

Franzosen und Deutscher im Top-Management

Schon jetzt seien das Finanzressort, Personal und Einkauf in der Hand von Ausländern. "Das können wir nicht akzeptieren." Takeda-CFO François-Xavier Roger stammt wie Weber aus Frankreich. Chief Commercial Officer ist der Deutsche Frank Morich, ein ehemaliger Bayer-Manager.

"Keine Ahnung von der japanischen Gesundheitsindustrie"

Auch von der Takeda-Familie selbst kam Kritik an der geplanten Personlaie. "Weber hat überhaupt keine Ahnung von der japanischen Gesundheitsindustrie", zitierte die Zeitung "Yomiuri Shimbun" ein nicht näher bezeichnetes Familienmitglied, das den Brief ebenfalls unterschrieben hatte. "Er weiß nichts über die Tradition und Kultur von Takeda." Jemanden wie ihn als Präsidenten zu installieren sei schlicht "absurd".

Unter dem aktuellen Chef Hasegawa, dem ersten CEO ohne persönliche Verbindungen zur Gründungsfamile Takeda, hatte der japanische Pharmakonzern sein internationales Geschäft massiv ausgeweitet. 2008 kauften die Japaner den US-Biotechkonzern Millennium Pharmaceuticals, 2011 für 20 Milliarden Dollar den Schweizer Arzneimittelhersteller Nycomed. Mittlerweile beschäftigt der Konzern mehr als 31.000 Menschen weltweit.

Bei Takeda selbst wollte man sich zu den Vorgängen nicht äußern. Dass die Proteste Erfolg haben dürften, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Laut "FT" vereinen die Unterzeichner maximal 2 Prozent der Aktien auf sich.

Allerdings sind Ressentiments gegen ausländische Führungskräfte in Japan offensichtlich nicht ungewöhnlich. Mit Nissan-Renault-Chef Carlos Ghosn und dem aus Korea stammenden Chang-Woo Han an der Spitze des Unterhaltungsunternehmens Maruhan haben gerade einmal zwei der größten japanischen Konzerne ausländische Chefs.

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