Montag, 6. April 2020

Nationalismus Takeda-Aktionäre revoltieren gegen Chef aus Frankreich

Christophe Weber: Der Takeda-COO und designierte neue Präsident stößt als Nicht-Japaner im Konzern auf Widerstand

Revolution beim japanischen Pharmariesen Takeda: Die Gründerfamilie und zahlreiche Führungskräfte laufen Sturm gegen den neuen Chef aus Frankreich. Dessen einziges Problem: Er ist kein Japaner.

Hamburg/New York - Es ist ein Streit, der in anderen Ländern undenkbar wäre. In Japan läuft die Gründerfamilie des japanischen Pharmakonzerns Takeda samt einer ganzen Reihe ehemaliger Führungskräfte Sturm dagegen, dass ein Franzose künftig den größten asiatischen Pharmahersteller übernehmen soll. Er wäre der erste Ausländer in der mehr als 230-jährigen Firmengeschichte.

Stein des Anstoßes: Die für Freitag geplante Berufung des Franzosen und aktuellen COOs Christophe Weber zum Präsidenten des Arzneimittelherstellers und damit zum designierten Nachfolger des aktuellen Chefs Yasuchika Hasegawa. Dieser will sich 2015 vom CEO-Posten zurückziehen. Weber soll ihn beerben. Hasegawa führt Takeda bereits seit mehr als zehn Jahren.

Takeda solle ein "global wirklich wettbewerbsfähiges Unternehmen" werden, hatte der Arzneimittelhersteller anlässlich der Berufung Webers, eines ehemaligen Managers bei GlaxoSmithKline Börsen-Chart zeigen angekündigt. Dafür seien "für jede Position globale Standards beim Talent" nötig.

Doch nun formiert sich Widerstand gegen die Personalie. Laut "Financial Times" und der japanischen Zeitung "Yomiuri Shimbun" haben mehr als 110 Investoren und ehemalige Führungskräfte einen Brief unterzeichnet, der die Berufung von Nicht-Japanern in Führungspositionen in Frage stellt.

"Die Globalisierung des Unternehmens ist eine falsche Globalisierung", zitierte die "Financial Times" einen Sprecher der Initiative, den früheren Manager Yujiro Hara. "Es sollte als japanisches Unternehmen globalisiert werden."

Franzosen und Deutscher im Top-Management

Schon jetzt seien das Finanzressort, Personal und Einkauf in der Hand von Ausländern. "Das können wir nicht akzeptieren." Takeda-CFO François-Xavier Roger stammt wie Weber aus Frankreich. Chief Commercial Officer ist der Deutsche Frank Morich, ein ehemaliger Bayer-Manager.

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