Übernahme von Syngenta zieht sich hin Chemchina braucht mehr Zeit - und verschafft Bayer Atempause

Chemchina will den Schweizer Chemiekonzern Syngenta schlucken - und bedingt sich dafür in den USA mehr Zeit aus

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BASF und Bayer unter Zugzwang: Übernahmefieber in der Chemiebranche

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Die deutschen Chemieriesen BASF  und Bayer  können mal kurz Luftholen: Ihre aggressive chinesische Konkurrenz kommt mit den Fusionsplänen doch langsamer voran als geplant.

Der Staatskonzern Chemchina hatte bereits im Februar die Übernahme des Schweizer Pflanzenschutz-Weltmarktführers Syngenta angekündigt - für rund 43 Milliarden Euro. Doch der Deal, so er denn klappt, verzögert sich nun weiter.

Das chinesische Unternehmen beanspruche noch mehr Zeit für eine Überprüfung der Übernahme durch die US-Behörden, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Chemchina habe den Antrag bei der US-Regierungsbehörde, welche Übernahmen durch ausländische Investoren überprüft, neu eingereicht.

Überprüfungs-Frist beginnt nun von neuem zu laufen

Gemäß dem Bloomberg-Bericht dauert eine solche Überprüfung durch das Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) bis zu 75 Tage. Bei einer Neueinreichung begänne diese Frist von neuem. Die Behörde kann dem US-Präsidenten die Blockierung der Transaktion beantragen, falls diese ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen würde.

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Weder Vertreter von Chemchina noch von Syngenta wollten die Nachricht kommentieren, hieß es. Chemchina hatte im März das offizielle Kaufangebot für Syngenta vorgelegt und bietet 465 US-Dollar in bar je Syngenta-Namensaktie zuzüglich einer Dividende von 16 CHF pro Anteilschein.

Chemchina streckt seine Fühler aber nicht nur Richtung Schweiz aus: Wie manager magazin in seiner jüngsten Ausgabe berichtet, interessieren sich die Chinesen auch für eineÜbernahme des deutschen Technologieunternehmens SGL Carbon, das sich schon länger im Krisenmodus befindet.

Die weltweite Chemiebranche befindet sich aktuell in einem tiefgreifenden Umbruch: Denn Fusionen lassen neue Branchenriesen entstehen. So schlossen sich im Dezember die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont zu einem neuen Großkonzern zusammen - mit 130 Milliarden Dollar war es die größte Chemiefusion aller Zeiten.

BASF lässt sich "nicht ins Bockshorn jagen"

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Bayer versucht gerade eine Übernahme des US-Saatgut- und Düngemittelriesen Monsanto, noch sind beide Unternehmen allerdings über den Preis uneins. Ende Mai boten die Leverkusener 122 Dollar je Monsanto-Aktie, also insgesamt 62 Milliarden Dollar. Das hat Monsanto als zu niedrig abgelehnt. Bayer hat sich Berichten zufolge zuletzt Finanzierungszusagen von Banken gesichert und kann sein Angebot so auf mindestens 75 Milliarden Euro erhöhen.

Der deutsche Chemieriese BASF gibt sich von dem Übernahmereigen seiner Konkurrenten erst mal unbeeindruckt. "Wir sind nicht in die Ecke getrieben", erklärte BASF-Vorstand Martin Brudermüller vor wenigen Tagen. Man lasse sich von den Fusionen im Agrosektor nicht ins Bockshorn jagen. Künftig wolle man schneller und effizienter forschen, erklärten die Ludwigshafener zuletzt. Vom Zusammengehen mit einem Konkurrenten war dabei nicht die Rede. Doch ob sich der deutsche Chemieriese der Übernahmewelle unter den Branchenriesen verschließen kann, muss sich noch weisen.

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mit Material von dpa-afx