Kostenexplosion Bahn-Mitarbeiter warnten vor Korruption bei Stuttgart 21

Haben sich die Kosten für das umstrittene Großprojekt Stuttgart 21 auch durch Korruption vervielfacht? Das behaupteten laut einem Bericht der "Financial Times" zwei interne Hinweisgeber. Einer von ihnen wurde entlassen. Die Bahn bestreitet die Korruptionsvorwürfe.
Teure Tieferlegung: Baustelle von Stuttgart 21 im Jahr 2016

Teure Tieferlegung: Baustelle von Stuttgart 21 im Jahr 2016

Foto: Silas Stein/ dpa

Zwei Mitarbeiter haben die Deutsche Bahn offenbar erfolglos vor Korruption beim Großprojekt Stuttgart 21 gewarnt. Das berichtet die britische "Financial Times " ("FT") unter Berufung auf interne Dokumente sowie Insider. Demnach erhielt die Compliance-Abteilung der Bahn 2016 mehrfach interne Hinweise, wonach ein erheblicher Teil der Kostenexplosion des Projekts auf massives Missmanagement und mögliche Korruption zurückzuführen sei.

Bei den Hinweisgebern handelte es sich dem Bericht zufolge um zwei Ingenieure, die am Projekt beteiligt waren. Wenige Wochen nach einem ersten Treffen mit Compliance-Vertretern sei einer der beiden Männer entlassen worden, der andere habe daraufhin aus Sorge vor Vergeltung den Kontakt abgebrochen. Der gefeuerte Ingenieur habe erfolgreich auf Wiedereinstellung geklagt, sei dann aber abermals entlassen worden.

Kosten für Stuttgart 21 haben sich beinahe vervierfacht

Die anfangs auf rund 2,5 Milliarden Euro veranschlagten Kosten von Stuttgart 21 werden mittlerweile auf 8,2 Milliarden Euro taxiert. Einer der Whistleblower schätzte laut "FT" , dass allein 600 Millionen Euro des Preisanstiegs durch unnötige Kosten verursacht wurde.

Beide Hinweisgeber warfen laut "FT" hochrangigen Managern überflüssige Aufträge vor und vermuteten, dass diese dafür Gegenleistungen erhielten. Als Beispiel hätten sie ein elektrisches Umspannwerk genannt, das nicht Teil der ursprünglichen Planungen gewesen sei. Einer der Ingenieure sei von seinen Vorgesetzten dazu gedrängt worden, den Auftrag im Wert von rund 2,5 Millionen Euro zu vergeben, obwohl eine Alternativlösung für nur 30.000 Euro verfügbar war.

In diesem Fall habe sich der Mitarbeiter erfolgreich gegen das Ansinnen gewehrt. In anderen Fällen hätten hochrangige Manager aber die Hinweise auf unnötige Kosten ignoriert – etwa als es um die Verlegung einer U-Bahn-Haltestelle ging, deren Kosten normalerweise mit der Kommune geteilt worden wären. Die Whistleblower äußerten den Verdacht, dass die Verantwortlichen es vermeiden wollten, die Aufmerksamkeit auf überflüssige Ausgaben zu lenken.

Die Deutsche Bahn erklärte gegenüber der "Financial Times", eine mehr als einjährige Untersuchung der vermeintlichen Unregelmäßigkeiten habe kein Fehlverhalten zutage gebracht. Der Schutz von Whistleblowern sei dem Konzern sehr wichtig. Die Entlassung des eine Ingenieurs habe in keinerlei Zusammenhang mit dessen Hinweisen gestanden.

Der Fall sei von der Konzernsicherheit der Bahn untersucht worden, rechtfertigt sich die Bahn auf Anfrage des "Handelsblatts"  zu den Vorwürfen. Dabei konnte keiner der Vorwürfe bestätigt werden, hieß es. Einem der Whistleblower, einer Mitarbeiterin, sei zwar gekündigt worden, aber aus anderen Gründen. Laut der Entscheidung eines Arbeitsgerichts in Stuttgart sei die Kündigung rechtmäßig gewesen, einen Zusammenhang zwischen der Trennung von der Mitarbeiterin und den internen Untersuchungen habe das Gericht verneint.

wed/Daniel Böcking, DER SPIEGEL
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