Schuldenlast drückt Energieversorger Steag stellt sich zum Verkauf

Energie ist teuer und die Gelegenheit damit günstig: Die Eigentümer von Steag wollen den Engeiekonzern verkaufen. Ob sie das Unternehmen als Ganzes losschlagen können, ist allerdings unsicher.
Steag-Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen: Die kommunalen Eigentümer wollen verkaufen

Steag-Kraftwerk in Nordrhein-Westfalen: Die kommunalen Eigentümer wollen verkaufen

Foto: Bernd Thissen / dpa

Die kommunalen Eigentümer des fünftgrößten deutschen Energiekonzerns Steag haben den Versorger ins Schaufenster für einen Verkauf gestellt. Die kommunale Beteiligungsgesellschaft KSBG, in der sechs Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet ihre Steag-Anteile gebündelt haben, und Steag hätten entschieden, einen Verkaufsprozess zu starten, teilte ein Sprecher des Energiekonzers auf Anfrage mit. Ziel sei es, Steag als Ganzes zu veräußern und nicht etwa in Teilen.

Zuvor hatte das "Handelsblatt"  darüber berichtet. In der Beteiligungsgesellschaft KSBG haben die Stadtwerke Duisburg, Dortmund, Bochum, Essen, Oberhausen and Dinslaken ihre Steag-Anteile gebündelt. Die KSBG ist seit 2014 alleinige Gesellschafterin des Unternehmens. Der Konzern ist hoch verschuldet: Ende vergangenen Jahres betrugen die Nettoverschuldung 485 Millionen Euro und 1,23 Milliarden Euro an Pensionsrückstellungen.

Dem Bericht zufolge soll in Kürze eine Investmentbank mandatiert werden. Mögliche Bieter für den Versorger mit Sitz in Essen sollen im Herbst angesprochen werden. Das Unternehmen könne bei einem Deal mit mehr als zwei Milliarden Euro bewertet werden.

Eigentümer prüfen auch einen Teilverkauf

Da es für den Gesamtkonzern angeblich wenig Interesse gebe, soll parallel die Möglichkeit eines Teilverkaufs ausgelotet werden. Als mögliche Käufer für das Gesamtunternehmen kämen sogenannte Terminal-Value-Investoren in Betracht. Diese könnten Steag billig übernehmen und eine Wette darauf eingehen, mit den Einkünften bis zur endgültigen Stilllegung der Kohleaktivitäten noch ausreichend Gewinn zu machen, schrieb die Zeitung.

Im vergangenen Jahr hatte der Energiekonzern mit seinen rund 5700 Beschäftigten den Umsatz um gut 37 Prozent auf knapp 2,8 Milliarden Euro erhöht. Im operativen Geschäft nahm das Ergebnis (Ebit) um ein Fünftel auf 234 Millionen Euro zu. Neben den Kohlekraftwerken, dem "schwarzen" Teil des Unternehmens, betreibt Steag auch "grüne" Wind- und Solaranlagen. Dazu kommen unter anderen Müllverbrennungsanlagen und Energiedienstleistungen.

Steag könnte jetzt wie einige andere Kohlekraftwerksbetreiber allerdings davon profitieren, dass mit Öl oder Kohle befeuerte sogenannte Kraftwerke in Resereve wieder hochgefahren werden, um in der Gaskrise Gas zur Stromerzeugung einzusparen. Das Wiederanfahren für mehrere Monate ist für Kraftwerksbetreiber wirtschaftlich interessant, weil die Strom-Großhandelspreise derzeit hoch sind. Gleichzeitig ist ausreichend Steinkohle auf dem Weltmarkt vorhanden.

Steag will Stromerzeugung aus Kohlekraftwerksblöcken hochfahren

Steag erklärte in diesem Zusammenhang die "feste Absicht", mit 2300 Megawatt Erzeugungsleistung in den Markt zurückzukehren. Darin enthalten sind zwei Blöcke im Saarland, die bereits in der Reserve sind, und zwei weitere Blöcke im Saarland und in Nordrhein-Westfalen, die Ende Oktober eigentlich stillgelegt werden sollten.

Gleich seinen Wettbewerbern ist auch Steag mit Preisschwankungen und Marktturbulenzen konfrontiert, ausgelöst durch die Kürzung der russischen Gasexporte nach Europa und die weltweit angespannten Energiemärkte im Zuge der Erholung nach der Covid-Krise.

rei/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.