SpaceX, Tesla, Hyperloop Die Welt des Elon Musk

Der neue Star unter den US-Unternehmern ist ein Südafrikaner. Elon Musk hat bereits Onlinehandel, Raketentechnik, Autoindustrie und die amerikanische Energieversorgung umgekrempelt. Jetzt will er in Kalifornien auch Schnellzüge und Flugzeuge überflüssig machen. Ein Überblick.
Von Kristian Klooß
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Hamburg - Elon Musk ist begeistert. "El miedo no anda en burro", was soviel bedeutet wie die "Angst reitet nicht auf einem Esel", twittert er, sei der "beste Spruch aller Zeiten". Der Unternehmer, der mehrfach die Furcht vor einer Pleite erleben musste, weiß wohl, wovon er spricht.

Und seine mehr als 300.000 Twitter-Follower? Sie glauben es auch zu wissen. Einer fragt: "Und was reitet sie dann?" Eine eigene Antwort bleibt der 42-Jährige Unternehmer und Milliardär zwar schuldig. Das macht aber nichts. Hat doch ein anderer Follower die Antwort schon parat: "Oh ja, die Angst sollte etwas Besseres reiten ;o)", schreibt er.

Und spätestens jetzt sind sich wieder alle einig: Was Elon Musk sagt, macht Sinn. Denn an Fortbewegungsmitteln, die besser wären als ein Esel, mangelt es in der Welt des Seriengründers nicht.

Im Gegenteil: Die Angst, aber auch andere Passagiere, haben sogar die Wahl zwischen einem batteriebetriebenen Sportflitzer, einer landefähigen und somit wieder verwendbaren Rakete oder einer Hypertempokapsel. Letzteres Projekt hatte Musk schon vor einem Monat ebenfalls über Twittter angekündigt. Jetzt hat er den so genannten "Hyperloop" im Silicon Valley auch offiziell präsentiert.

Wenn Musk wie inzwischen üblich von seinen Projekten twittert und spricht, sorgt dies schon seit Längerem bei Fachleuten für Staunen, bei Laien für Verwunderung und bei Anlegern für Begeisterung. So vervierfachte sich nicht nur der Aktienkurs seines Elektroautobauers Tesla  dank einer schwarzen Zahl in der Bilanz seit Jahresbeginn. Auch der Kurs des von ihm mit gegründeten und von seinem Cousin geleiteten Energieversorgers SolarCity  legte seit der Erstnotiz Ende vergangenen Jahres eine Verdreifachung hin.

Grund genug, einmal einen Blick auf die Welt des 42-Jährigen Visionärs zu werfen.

Aufbruch aus Südafrika: Elon Musk wird Unternehmer

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Als Sohn eines kanadischen Models und eines südafrikanischen Ingenieurs, war Elon Musk schon als Kind das, was Eltern gerne als hochbegabt bezeichnen. Während auf den Straßen Pretorias der Unmut der unterdrückten Bevölkerungsschichten im Apartheids-Regime ihren Höhepunkt erreichte, vertiefte er sich in Lexika und Science-Fiction-Comics. Schon als Jugendlicher baute er hobbymäßig Raketen. Mit zwölf programmierte er ein Weltraum-Computerspiel namens "Blastar" und verkaufte es für rund 500 Dollar an einen Videospieleverlag.

Als Siebzehnjähriger zog er nach Kanada, der Heimat seiner Mutter. "In der südafrikanischen Armee zu dienen und Schwarze zu unterdrücken, schien mir einfach kein guter Weg zu sein, meine Zeit zu verbringen", begründete er dies später in einem Interview.

Ein besserer Zeitvertreib - fürs erste - schien ihm das Studium. Zunächst an der Queen's University im kanadischen Ontario, später in den Vereinigten Staaten an der University of Pennsylvania. Dort machte er Abschlüsse in Wirtschaft und Physik. Die Doktorandenstelle, die der damals 24-Jährige im Jahre 1995 in Stanford antreten sollte, ließ er indes nach nur zwei Vorlesungen sausen.

Der Grund: Zeitverschwendung. Lieber wollte Musk Unternehmer werden. Einen Business-Plan hatte er auch schon in der Tasche: Er wollte Elektroautos bauen. Doch dafür war es angesichts eines Startkapitals von 2000 Dollar noch zu früh. 1995, das war Musk klar, musste er zunächst anders zu Geld kommen.

Zip2 und Paypal: Elon Musk wird reich

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1995 war jenes Jahr, in dem Ebay gegründet und der Onlinezugangsdienst AOL - "Bin ich da schon drin, oder was?" - zum weltweiten Begriff für das Internet für jedermann wurde. Und Elon Musk hatte dafür die passenden Geschäftskonzepte.

So entwickelte er - gemeinsam mit seinem Bruder - zunächst eine Software namens Zip2, die es Verlagen ermöglichte, regionale Karten und Adresslisten im Internet zu veröffentlichen. Zu den Kunden, die diese Funktionen in ihre frühen Online-Auftritte integrierten, gehörten unter anderem die New York Times und die Chicago Tribune. 1999 kaufte der Computergigant Compaq das Start-up für 307 Millionen Dollar. Es war der größte Betrag, der bis dato für ein Internetunternehmen gezahlt worden war. Musk blieben davon immerhin 22 Millionen.

Zu wenig für die Gründung eines E-Auto-Herstellers, doch genug für ein zweites Internetunternehmen namens X.com, das er noch vor der Jahrtausendwende gründete und das sich dem sicheren Online-Bezahlen per E-Mail verschrieben hatte. Kaum ein Jahr nach der Gründung fusionierte X.com mit dem Wettbewerber Confinity, der ein vergleichbares Produkt namens "Paypal" vermarktete. Paypal begann - dank der von Musk mitentwickelten Treuhänderfunktion zwischen Käufer und Verkäufer - einen weltweiten Siegeszug unter den Online-Bezahlsystemen.

Dem Online-Auktionshaus Ebay  war der Kauf Paypals im Juli 2002 rund 1,5 Milliarden Dollar wert. Und Musk, der zu diesem Zeitpunkt als größter Anteilseigner noch immer 11,7 Prozent der Firmenanteile hielt, hatte endlich jenes Geld zusammen, das er für seine eigentlichen Ziele brauchte.

SpaceX: Elon Musk will zum Mars

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Die Tinte auf dem Verkaufvertrag mit Ebay  war noch nicht trocken, da stürzte sich der Serienunternehmer - gerade 31 Jahre alt - schon in das nächste Abenteuer. Mit seiner neuen Firma Space Exploration Technologies, kurz SpaceX, setzte er es sich in den Kopf, Raumfahrt für jedermann anzubieten - und eines Tages Mars-Flüge zu ermöglichen.

Innerhalb von vier Jahren steckte er einen Großteil seines Geldes in diesen Traum aus Kindertagen. Bis Februar 2006 hatte er bereits 100 Millionen Dollar in die selbst entwickelte Flüssigtreibstoffrakete Falcon 1 gesteckt - und zunächst vor allem Fehlschläge geerntet. Das Unternehmen stand vor dem Bankrott - und schaffte im September 2008 schließlich doch den Durchbruch. Mit der Falcon 1 erreichten Musk und sein Team als erstes vollständig privat finanziertes Raumfahrtunternehmen den Orbit - bei einem Drittel der Kosten herkömmlicher Raketenstarts.

Drei Monate später unterschrieb Musk einen Vertrag zwischen SpaceX und der Nasa über 1,6 Milliarden US-Dollar für zwölf Versorgungstransporte zur Internationalen Raumstation. 2012 dockte SpaceX als erste Privatfirma im Auftrag der Nasa an die Internationale Raumstation ISS an.

Und der nächste Technologiesprung ist schon geplant. Im Internet kursiert seit Mitte Juni ein Video, das eine Rakete zeigt, deren Name "Grasshopper" längst eine Untertreibung ist. Umhüllt von einer Wolke aus Feuer, Rauch und Staub steigt die Rakete darin langsam in die Höhe - um gut 300 Meter über dem Erdboden den Rückwärtsgang einzulegen und an eben jenem Ort zu landen, an dem sie zuvor gestartet war. Sollte die Entwicklung erfolgreich sein, wäre SpaceX in der Lage, eine wieder verwertbare Rakete zu bauen, die im Grunde nur wieder vollgetankt werden muss um innerhalb weniger Stunden erneut einsatzbereit zu sein.

Auch Hollywood lässt sich inspirieren

Dass der Kopf hinter solchen Projekten auch das Interesse Hollywoods weckt, ist da wenig verwunderlich. Zumal Musk nicht nur mit der britischen Schauspielschönheit Talulah Riley verheiratet war, sondern zu seinen wildesten Zeiten wahlweise mit seinem McLaren F1 - Höchstgeschwindigkeit 391,23 Kilometer pro Stunde - oder seinem tschechischen Kampfjet des Typs Aero L-39 die eigenen Grenzen testete.

In der Comicverfilmung "Iron Man 2" - der 2009 unter anderem in den SpaceX-Fabriken gedreht wurde - trifft Musk in einer Gastrolle auf den fiktiven Wissenschaftler, Unternehmer und Superhelden Howard Stark, gespielt von Robert Downey Junior. Musk spielt sich selbst und erzählt seinem Kontrahenten Stark von den Plänen für einen Elektrojet.

Eine Idee, von der der 42-Jährige auch in der Realität überzeugt ist. "Alle Transportmittel werden künftig elektrisch betrieben werden, ironischerweise mit Ausnahme der Rakete", sagte er Anfang des Jahres in einem Interview. Um dann nachzuschieben: Das dritte Newton'sche Gesetz könne man eben nicht so einfach außer Kraft setzen.

Tesla: Elon Musk will die Automobilindustrie elektrisieren

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Iron Man, Isaac Newton, Nikola Tesla. Dass Musk kein Problem mit solchen Namen hat, zeigt schon die Firmierung jenes Unternehmens, dass er 2003, ein Jahr nach der SpaceX-Gründung, nach dem aus Serbien stammenden Physiker, Erfinder und Unternehmer benannte.

Die Herangehensweise an das von Musk entwickelte Elektroauto Tesla ist ähnlich grundsätzlich wie bei den Raketenunternehmungen des US-Unternehmers. Aus technischer Sicht ging es Musk vor allem darum, die stärkste Batterie mit dem geringsten Gewicht zu kombinieren. Dabei setzten der Unternehmer und sein Team nicht wie andere Autobauer auf große Speicherklötze, sondern auf eine Batterie bestehend aus rund 7000 kleinen Akkus. Und Karbon - der Stoff aus dem die Träume von BMW und Co. sind - verbaut Tesla schon seit fünf Jahren.

Aus wirtschaftlicher Sicht plant Musk hingegen in drei Schritten: 2008 produzierte der Autobauer mit dem Roadsters eine erste Kleinserie für Kunden mit großer Kaufkraft. Seit 2012 wird das Model S produziert - eine Limousine in mittelgroßer Serie. In drei bis vier Jahren, so der Plan, soll ein globales Massenmodell Teslas für rund 30.000 Dollar lautlos über die Straßen rollen.

Mehrfach stand auch Tesla - ähnlich wie SpaceX - kurz vor der Pleite. Das Unternehmen überlebte unter anderem deshalb, weil sich Daimler mit einst 10 Prozent beteiligte - und heute von Tesla mit Komponenten beliefert wird. Später stieg auch Toyota bei den Kaliforniern ein - in einer ehemaligen Fabrik der Japaner in Kalifornien werden Roadster und Model S heute von Robotern zusammengesetzt.

Zwar scheiden sich in Sachen Tesla die Geister, wenn es um die Frage nach der Aussagekraft der bisherigen Bilanzen und der Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells geht. An der Börse ist das Unternehmen dennoch ein Star - und wird mittlerweile mit gut 13 Milliarden Euro bewertet. Zum Vergleich: Der US-Autobauer Ford wird an der Börse mit knapp 50 Milliarden Euro taxiert.

Solarcity: Elon Musk will die Energieversorgung demokratisieren

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Die Ladestationen, an denen die Teslas heute und künftig wieder mit Strom betankt werden sollen, werden von einem weiteren Musk-Projekt gebaut: dem Energieunternehmen SolarCity . 2006 im Süden San Franciscos gegründet, seit Ende 2012 an der Börse notiert, hat es zuletzt eine ähnliche Kursentwicklung hingelegt wie Tesla. Rund drei Milliarden bringt der Konzern mittlerweile an Marktkapitalisierung auf die Waage.

Geleitet wird SolarCity allerdings nicht von Musk selbst, sondern von seinem Cousin Lyndon Rive. Musk hält 28 Prozent der Anteile, sitzt im Aufsichtsrat und lieferte einst das Konzept. Anders als zuvor üblich, bietet SolarCity seinen Kunden ein Rund-um-sorglos-Paket an, das ohne die früher benötigten Einstandskosten für die Installation der Solaranlagen auskommt. Kurzum, SolarCity überträgt das Leasing auf den Energiemarkt - und erreicht so Kunden, die vorher keine Solarenergie nachgefragt hätten. Die Kosten werden über zwanzig Jahre abgezahlt, was für die Kunden am Ende günstiger sei als die Rechnungen klassischer Versorger, verspricht das Unternehmen.

Mit diesem Versprechen erreicht SolarCity in diesem Jahr voraussichtlich rund 1,41 Milliarden Dollar Umsatz - und ist damit zum größten Solarenergieversorger der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Als Finanzierungspartner hat der Konzern inzwischen die halbe amerikanische Bankenwelt für sich gewonnen - von der Bank of America , über Merrill Lynch , Citigroup , Morgan Stanley  bis hin zur National Bank of Arizona. Auch Google  hat SolarCity im Juni 2011 rund 280 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt.

Hyperloop: Warum die Superröhre in Musks Welt passt

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Doch wie passt das neueste Projekt, der Hyperloop, in die Welt des Elon Musk?

Zumal der Star-Unternehmer diesmal angekündigt hat, sich nicht selbst an Bau und Betrieb der mit rund 1200 Stundenkilometern durch Stahlröhren flitzenden Passagierkapseln beteiligen zu wollen. Er selbst habe als Doppel-CEO von Tesla und SpaceX schon heute genug zu tun.

Allerdings hat Musk - von dem sein Cousin und SolarCity-Chef Lyndon Rive einst sagte, ein normaler Workaholic sei nüchtern im Vergleich zu ihm - sich schon häufiger der Mäßigung verschrieben. Zuletzt Anfang dieses Jahres im manager magazin, wo er verkündete, statt 100 nur noch 80 bis 85 Stunden in der Woche arbeiten zu wollen.

Doch in der Praxis lief es dann auch schon bei früheren Versuchen, kürzer zu treten, anders als geplant. So wollte Musk beispielsweise schon nach der Markteinführung des Roadsters von Tesla im Jahr 2008 den CEO-Posten des Unternehmens räumen - und ließ sich schließlich vom damaligen Großinvestor Daimler zum Weitermachen bewegen.

Verlockende Berechnungen

Auch die Berechnungen, die Musk nun bezüglich seines Hyperloops präsentiert hat, entsprechen durchaus jenen Koordinaten, mit denen er auch bei seinen bisherigen Unternehmungen ganze Branchen aufgemischt hat. So rechnet Musk vor, dass sein Hyperloop-System nur ein Zehntel des derzeitigen, knapp 70 Milliarden Dollar teuren Hochgeschwindigkeitsnetzes in Kalifornien kosten würde, und dass die Passagierkapseln nur ein Fünftel der 2 Stunden und 38 Minuten bräuchten, die Schnellzüge für die Strecke von Los Angeles nach San Francisco benötigten.

Nicht zuletzt die Tatsache, dass Ingenieursteams von SpaceX und Tesla maßgeblich an der Entwicklung des Hyperloop-Konzepts mitgearbeitet haben, spricht eher für ein mittel- bis langfristiges Engagement des Milliardärs - aller Beteuerungen zum Trotz.

Welches Unternehmen den Strom für das neue System in Elon Musks Welt liefern könnte, dürfte wohl auch bereits feststehen: SolarCity. Und welches Unternehmen die Mobilität für Anschlussfahrten bereitstellt, ist in der Welt des Elon Musk ebenfalls klar: Tesla.

Und schließlich gibt es ja auch noch die hunderttausenden Twitter-Follower des Visionärs. Einer von ihnen bekannte schon vor der Veröffentlichung der eigentlichen Pläne: "Gott, alles was ich will ist, einer der Ersten zu sein, der mit dem Hyperloop fährt." Iron Man, Nicola Tesla, Gott. Elon Musk dürfte dieser Tweet gefallen. Und bisher hat er seine Anhänger fast nie enttäuscht.