Mittwoch, 8. April 2020

Nach WeWork-Debakel Softbank laufen die Investoren davon

Muss um Investoren bangen: Softbank-Gründer Masayoshi Son
Kim Kyung-Hoon/ REUTERS
Muss um Investoren bangen: Softbank-Gründer Masayoshi Son

Der Technologie-Investor Softbank hat nach dem Debakel mit dem Bürovermieter WeWork mit massiven Folgeschäden zu kämpfen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sind reihenweise Investoren abgesprungen, die sich eigentlich an dem neuen Tech-Fund der Softbank beteiligen wollten. Was dafür sorgen könnte, dass der Fund nur halb so groß ausfällt wie ursprünglich geplant. Und dass die Softbank das Gros des Kapitals selbst beisteuern muss.

Auch mehrere Top-Manager des Funds, der mit 108 Milliarden eigentlich den ersten Vision Fund noch übertreffen sollten, sind demnach bereits abgesprungen. Angesichts des zurückhaltenden Investoreninteresses erwägt Softbank mittlerweile offenbar, Investoren auch die Möglichkeit zu eröffnen, sich nur an einzelnen Deals zu beteiligen. Das würde den Investoren mehr Kontrolle geben. Zudem soll ein Hedgefonds aus der Taufe gehoben worden sein.

Gleichzeitig muss sich Softbank-Chef Masayoshi Son aktuell mit einer weitere Baustelle herumplagen. Der Hedgefonds Elliott Management, der Presseberichten zufolge seine Beteiligung an dem japanischen Technologieinvestor auf rund 3 Prozent ausgebaut hat, fordert offenbar milliardenschwere Aktienrückkäufe, was Sons Investmentpläne weiter einschränken könnte.

Hedgefonds Elliott erhöht Einsatz: Singer erhöht Druck auf Masayoshi Son

Der japanische Konzern war im Herbst unter Druck geraten, nachdem sich mehrere kostspielige Investitionen in junge Technologiefirmen wie den US-Bürovermieter WeWork als Misserfolge erwiesen. Der milliardenschwere WeWork-Flop beschädigte auch den Nimbus von Softbank-Chef Masayoshi Son, der dafür bekannt war, Investmententscheidungen gerne einmal in wenigen Minuten und eher aufgrund persönlicher Einschätzungen denn aufgrund monatelanger Analysen zu treffen. Nach dem Debakel um WeWork hatten zahlreiche Vision-Fund-Unternehmen Personal entlassen, um Kosten zu senken - darunter WeWork, Oyo und Uber.

Laut dem "Wall Street Journal" wollen Vision-Fund-Investoren wie der Saudi-Arabische Public Investment Fund und Abu Dhabis Mubadala nun erst einmal nur Gewinne aus dem ersten Vision Fund in einen weitere Fund reinvestieren. Die Saudis, die zu den wichtigsten Investoren des ersten Vision Funds zählen, hatten zuletzt kein glückliches Händchen mit Investments, waren etwa bei Tesla ausgestiegen, kurz bevor die Aktie zeitweise massiv abhob.

Auch bei anderen ursprünglich gehandelten Investoren wie Versicherern aus Taiwan und Japan, Standard Chartered und Goldman Sachs zeichne sich aktuell kein Investment ab, berichtet das Blatt weiter. Laut Softbank haben andere potzenzielle Investoren allerdings noch nicht endgültig über ein Investment entschieden.

Angesichts des zurückhaltenden externen Interesses denkt Softbank nun offenbar über andere, kreative Wege nach, sich neues Investmentkapital zu beschaffen. Und hatoffenbar begonnen, bestehende Beteiligungen wie die von Alibaba und ARM zu beleihen.

© manager magazin 2020
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung