Milliarden für Hersteller von 3D-Druckern Warum eine Lübecker Firma GEs Zukunftswette ist

3D-Drucker von SLM: GE spart dank der Fertigung aus einem Guss hunderte Teile für neue Flugzeuggetriebe ein

3D-Drucker von SLM: GE spart dank der Fertigung aus einem Guss hunderte Teile für neue Flugzeuggetriebe ein

Foto: SLM Solutions

Uwe Bögershausen kann sein Glück kaum fassen. "GE war für uns immer der Vorzeigekunde mit der meisten Erfahrung", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters den Finanzvorstand von SLM Solutions. Und dass General Electric  nun nicht mehr nur die Maschinen der Norddeutschen kaufen will, sondern gleich die ganze Firma, das sei der "Ritterschlag".

Dies nicht nur wegen des nach Ansicht der Analysten von Equinet "sehr hohen Preises". Der US-Industrieriese katapultiert den Börsenwert des Lübecker Unternehmens mit knapp 300 Beschäftigten auf 700 Millionen Euro. Zugleich kauft er für eine ähnliche Summe noch die schwedische Firma Arcam. Die Milliardeninvestition in Europa dient dem erklärten Ziel, im industriellen 3D-Druck die technologische Führung zu übernehmen.

Die Technik, am Computer designte Werkteile in beliebiger Form aus unterschiedlichen Materialien zusammenzusetzen, gilt schon länger als große Zukunftshoffnung - als Teil der neuen industriellen Revolution namens Industrie 4.0, die unsere Produktion dezentralisieren und wahlweise zurück aufs Land oder zurück in die Stadt führen könnte.

Doch zuletzt wurde es etwas ruhiger um die 3D-Drucker, die auf Kunststoffdruck spezialisierten Branchenvorreiter wie 3D Systems oder Stratasys sind an der Börse abgestürzt.

Die kurze Erfolgsgeschichte von SLM Solutions

Nicht so SLM Solutions. Die Lübecker sind mit ihrer seit 2000 erprobten Spezialtechnik des selektiven Laserschmelzens zwar einer der Pioniere im 3D-Druck mit Metallen. Sie rühmen sich, als erste auch reaktive Materialien wie Aluminium und Titan druckfähig gemacht zu haben. Doch als eigenständiges Unternehmen bestehen sie erst seit fünf Jahren, als sie sich vom britischen Metallunternehmen MCP lösten. Der Börsengang gelang mit Mühe 2014.

Noch in der März-Ausgabe kürte manager magazin den Börsenneuling zu einem von fünfzig Hidden Champions der digitalen Wirtschaft in Deutschland. Im selben Monat folgte der Aufstieg in den TecDax (Kurswerte anzeigen), dann die Meldung vom ersten profitablen Geschäftsjahr - und nun eben der "Ritterschlag", der die Firmengründer um Aufsichtsratschef Hans-Joachim Ihde und ihre Investoren reich macht.

3D-Druck mit Metallen (auch "additive Fertigung" genannt) macht sich neben der Medizintechnik vor allem in der Luft- und Raumfahrtindustrie nützlich, wegen der möglichen Gewichtsersparnis durch Hohlräume und den Verzicht auf verbindende Teile bei gleichzeitig hoher Stabilität. Von GEs Seite ist deshalb auch die Luftfahrtsparte für die Übernahme verantwortlich.

In dem Geschäft dominieren deutsche Firmen, neben SLM vor allem das Familienunternehmen Eos aus Bayern und Concept Laser. Letztere steht dem Vernehmen nach ebenfalls zum Verkauf. Aber die teure Offensive der Amerikaner schreckt Interessenten ab. "GE hat jetzt die meisten Wettbewerber aufgekauft. Wie soll man langfristig gegen GE überleben?", zitiert Reuters einen Insider.


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mit Material von reuters